21.12.2017

"Wissen, dass Moritz in aller Munde ist"

Gruppenliga: Daniel Schirmer im Gespräch

Moritz Reinhard (links) ist bei den höherklassigen Clubs in Osthessen heißbegehrt. Foto: Charlie Rolff

Daniel Schirmer (36) hat seit über einem halben Jahr nicht mehr gegen den Ball getreten. Seine Leidenszeit ist allerdings in Summe verschmerzbar, denn seine SG Elters/Eckweisbach/Schwarzbach hat sich sehr vernünftig in der Gruppenliga akklimatisiert, auch wenn aktuell noch ein Abstiegsplatz zu Buche schlägt.

Daniel, was macht die Verletzung?

Die muss man sich wie einen Bach vorstellen, den du versuchst zu stauen, wo aber irgendwo doch immer wieder ein Löchelchen auftritt. Eben die Nadel im Heuhaufen. Diagnostiziert wurde ja zunächst nur ein Muskelbündelriss, aber Probleme im Schambein kamen hinzu und bei solcherlei Verletzungen fallen ja selbst Profisportler manchmal neun Monate aus, deswegen ist ein Zeitpunkt der Rückkehr schwierig zu beziffern.

Gab es Gedanken, die Schuhe an den Nagel zu hängen und sich nur noch dem Trainerdasein zu widmen?

Nein. Ich will so lange spielen, solange ich kein Störfaktor für die Mannschaft bin, sondern ihr helfen kann. In der Aufstiegssaison war das so, in der Gruppenliga konnte ich das leider noch nicht beweisen. Ich werde allerdings erst spielen, wenn ich zu 100 Prozent fit bin, weil ich Manns genug bin, um zu sagen, dass ich ob meiner höherklassigen Vita oder dem Status als Trainer keinerlei Vorrecht gegenüber der anderen Spieler genieße. Und da muss ich auch mein Alter sowie die Verletzungszeit berücksichtigen und wissen, dass ich mehr als andere machen muss, um fit zurückzukommen.

Deinen Vertrag hast du ligaunabhängig verlängert. Warum war die Rhöner Spielgemeinschaft die richtige Wahl, um ins Trainergeschäft einzusteigen?

Ich habe mir damals, als Lars Hohmann noch Trainer war, ein paar Spiele angeschaut und den Offensivfußball gesehen. Da wusste ich, dass ich als Spielertrainer im Sturm nicht in der Luft hängen werde, sondern auch ein paar Bälle bekommen sollte – als Spielertrainer musst du einfach am Spiel teilhaben. Und ich habe in den bisherigen anderthalb Jahren eine Mannschaft kennengelernt, die unheimlich zusammengeschweißt ist, eine ganz starke Mentalität besitzt und wohl selbst bei einem Abstieg zusammenbleiben würde, dazu spielen wir auch noch einen guten Fußball und hatten mit Bronnzell nur ein schwaches Spiel dabei. Es gab keinerlei Überlegungen, den Vertrag nicht zu verlängern.

Die ganze Mannschaft würde bleiben? Ein Moritz Reinhard weckt ob seiner Leistungen Begehrlichkeiten…

Wir wissen, dass Moritz in aller Munde ist – zu Recht. Er hat bei einem Aufsteiger 13 Tore in einer Halbserie geschossen, ist Dritter in der Torjägerliste und im Moment unsere Lebensversicherung. Er hat riesige Qualitäten und das Potential höherklassig zu spielen. Aber Moritz studiert, ist die Woche über nicht da. Ich vergleiche seine Situation mit der von Maximilian Fröhlich beim Hünfelder SV. Da weiß Dominik Weber als Trainer, was er an ihm hat, stellt ihn auf, auch wenn er die Woche über nicht da ist. Aber ich weiß nicht, ob ein Meik Voll in Flieden oder Henry Lesser in Fulda bei einem Neuzugang wüssten, was sie an ihm hätten und glaube nicht, dass Moritz dann regelmäßig von Anfang an spielen würde. Und das weiß Moritz auch. Deswegen behaupte ich, dass er selbst bei einem Abstieg bleibt – und das nicht des Geldes wegen, denn dann würde hier gar keiner mehr spielen.

Apropos Geld: Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach Verstärkungen…

Das wenige Geld ist ein Vorteil, weil wir ganz eng zusammenstehen und ein echtes Team sind. Aber natürlich ist es mittlerweile schwierig, Spieler für die Gruppenliga zu begeistern, wenn nichts zu verdienen ist. Natürlich hätten wir gerne die Spieler bei uns aus den unsrigen Ortschaften wie Maximilian Vilmar (Lehnerz II), Kilian Sandner (Bronnzell) oder Julius Brehl (Ehrenberg) wieder bei uns, aber das ist eben schwierig. Die Spielklasse kann nicht entscheidend sein, deswegen spielen andere Gründe eine Rolle und ich kann’s ihnen auch gar nicht verdenken.

Autor: Johannes Götze

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