12.01.2018

Die gute Seele: Ein Junggebliebener hat noch nicht genug

Aufstiege, der "verlorene" Sohn und ein außergewöhnlicher Spitzname

Seit 50 Jahren Mitglied von Britannia Eichenzell: Thomas Jehn. Foto: Viktoria Goldbach

Wer mit dem FC Britannia Eichenzell in Berührung kommt, der wird schnell einen Namen hören: Dömek. Betreuer Thomas Jehn kam durch Zufall zu seinem Spitznamen, unter dem er bestens bekannt ist. Kein Wunder, denn seit 21 Jahren ist der 58-Jährige immer zur Stelle, wenn er bei der Britannia gebraucht wird.

Wie er zu seinem ungewöhnlichen Spitzname gekommen ist, weiß Jehn noch ganz genau: „Den hat mir Schorsch Brandner einmal verpasst. Ein Ostpreuße, der in Eichenzell Räder repariert hat. Er hatte mich damals gefragt, wer ich denn bin. Mit seinem Dialekt klang dann Thomas wie Dömek. Das hat mein Freund Wolfgang Kram mitbekommen und fand es so lustig, dass das von da an mein Spitzname war.“

Der unkonventionelle Spitzname steht für einen Junggebliebenen, der sich inzwischen schon seit 50 Jahren als Mitglied der Britannia bezeichnen kann. Eichenzells langjähriger Jugendleiter Helmut Mahr hatte Jehn im Oktober 1967 für die Britannen begeistert. „Für mich kam damals als Hobby nur Fußball infrage. Nach der Jugend war ich aber nie Spieler der ersten Mannschaft, habe dann eher in der zweiten gekickt. Als mit 17 meine Sturm- und Drangzeit begonnen hat, war ich lieber in Discos unterwegs als auf dem Trainingsplatz“, erzählt Dömek mit einem schelmischen Lachen.

Das breite Grinsen, der Sinn für Humor und die Lust am Leben sorgen dafür, dass Jehn mit den Eichenzeller Fußballern auch nach 21 Jahren Betreuertätigkeit auf einer Wellenlänge liegt. „Ich bin älter geworden, aber die Spieler bleiben jung und halten auch mich damit jung. Nur die Musik, die sie hören, macht mich alt“, berichtet der Eichenzeller, der 1996 das Amt des Obmanns übernommen hatte. „Ich bin wie die Mutter zum Kind gekommen, aber es hat immer Spaß gemacht. Man lernt einfach viele Leute kennen“, erklärt Dömek, warum er die Tätigkeit bis heute mit viel Herzblut ausübt.

Zusammen mit Kai Herber, Jürgen Zentgraf, Stefan Gosebrink, Bernd Michel, Eugen Gusum oder Marc Feuser hat sich Jehn in den vergangenen Jahren um die Betreuung der Eichenzeller Teams gekümmert. Die guten Seelen der Britannia fahren Trikots zum Waschen, füllen Spielberichte aus, kümmern sich um die Schiedsrichter, vertreten den Platzsprecher, kümmern sich um Platzaufbau, Pressearbeit an Spieltagen, Bälle oder besuchen Spieler- und Ligasitzungen. „Wir haben die Arbeit meistens zu zweit erledigt“, stellt Dömek klar und dankt zudem seinem Arbeitgeber: „Ich bin bei der Bahn im Wechseldienst. Zu 95 Prozent sorgt mein Chef dafür, dass ich an den Spieltagen auch dabei sein kann. Das ist nicht selbstverständlich.“

Der "verlorene" Sohn

Über die Jahre hat Jehn nicht nur einige Trainer und Spieler („Ich habe alle gleich lieb“) kommen und gehen sehen, sondern auch viel erlebt. In Erinnerung geblieben seien insbesondere die Aufstiege 1998, 2003 und 2011, Partys in Willingen oder aber Kuriositäten wie der verschwundene Trikotkoffer am 1. Mai 2016, der inklusive Passmappe, Ballsack Eis- und Medizinkoffer möglicherweise vom Sperrmüll abgeholt worden war.

Die Utensilien, die Jehn für jedes Auswärtsspiel einpackt, sind auch Bestandteil einer weiteren Anekdote, an die sich der 58-Jährige lachend zurückerinnert: „Es war bei einem Auswärtsspiel in Rückers. Ich und unser zweiter Betreuer Jürgen Zentgraf haben immer fünf Gegenstände einpacken und wieder mit zurück nehmen müssen. Nach dem Spiel haben wir gezählt, hatten fünf Sachen im Auto und sind also losgefahren. Kurz vor Eichenzell wussten wir dann, was wir vergessen hatten: Meinen Sohn Niklas.“ Dabei hatte der damals etwa sieben Jahre alte Spross, der inzwischen „Dömek junior“ genannt wird, nicht einmal bemerkt, dass sein Vater ohne ihn abgereist war: „Er saß in Rückers im Sportlerheim und hat noch Formel 1 geschaut“, berichtet der Senior schmunzelnd.

Gerne dürfen für Jehn weitere Geschichten in Zukunft folgen, denn an den „Ruhestand“ hat der Eichenzeller noch keinen Gedanken verschwendet. Viel lieber richtet Jehn den Blick in die nahe Zukunft, denn nach Möglichkeit soll im kommenden Sommer der nächste Aufstieg gefeiert werden. „Dann könnten wir samstags wieder nach Willingen“, sagt der Fan des VfL Bochum wieder mit seinem schelmischen Grinsen.

Autor: Viktoria Goldbach

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