12.10.2017

Gollin ist wankelmütiger denn je

Verbandsliga: Schlagerspiel in Hünfeld

Wo führt Rolf Gollins Weg hin? Am Sonntag wissen wohl auch seine Spieler um Boris Aschenbrücker (links) mehr. Foto: Siggi Larbig

In Lehnerz feierte Rolf Gollin vor rund einem Jahr sein Comeback als Trainer des RSV Petersberg, hielt mit der Mannschaft noch die Verbandsliga. Ein besonderer Ort für den Coach, an dem seine dritte Reise als Trainer seines RSV am Sonntag allerdings auch ein jähes Ende finden könnte.

Hünfelder SV – SSV Sand (Samstag, 15.30 Uhr).

Drei Siege in Serie, den Abstand eher verringert als noch vergrößert – der Hünfelder SV kann mit einem guten Gefühl auf das Schlagerspiel gegen Sand blicken. Trainer Dominik Weber sieht das nicht anders: „Wir haben die Intensität in dieser Trainingswoche erhöht, aber ich muss sagen, dass die Stimmung wirklich gelöst und die Vorfreude greifbar ist.“ So solle sein Team das Duell gegen den Vorjahresvize dementsprechend mit breiter Brust angehen, wenngleich die Mannschaft äußerst dezimiert ist.

Gerade der Abwehrbereich bereitet Sorgen: Neben den ohnehin fehlenden Spielern sind auch Franz Faulstich, Steffen Witzel, Nicolas Häuser und Sebastian Körner angeschlagen. „Nur Toto Trabert ist bei hundert Prozent, aber wir werden trotzdem elf fitte Spieler auf den Platz bekommen. Wenn es dann mehr offensive als defensive sind, dann ist das eben so“, gibt sich Weber selbstbewusst, hat allerdings höchsten Respekt, „weil mir Sand noch stärker als vergangene Saison vorkommt“. Leidenschaft solle am Samstag Trumpf sein, nach Möglichkeit auch wieder auf Naturrasen, denn nur da sei der Rahmen für solch ein Spiel auch passend.

TSV Lehnerz II – RSV Petersberg (Sonntag, 15 Uhr).

Vor ziemlich genau fünf Wochen hielt Gollin bereits den Finger in die Wunde, betonte vielsagend, „dass ich die Situation Ende September neu bewerten werde“. Was ihn störte? Die Trainings-Abwesenheit einiger arrivierter Spieler. Jetzt, als der RSV spielfrei war, hätte das Team Verpasstes aufarbeiten können, doch was passiert? Arrivierte Spieler verabschieden sich in Kurztrips; weil der Trainingsbetrieb ob Schichtarbeit ohnehin leidet, steht Gollin die Frustration ins Gesicht geschrieben: „Die beruflichen Sachen können wir nicht ändern, die privaten schon. Mich nervt das, weil du im Training in wichtigen Bereichen wie Standards oder Taktik nicht vorankommen kannst, wenn die Spieler nicht da sind.“ Der Vorwurf richtet sich nur an Einzelne, gerade die jungen Spieler wie Mark Lindinger, Adrian Bleuel, Jannis Ehresmann, Jonas Grösch oder Marcel Zehner hätten bislang quasi keine Fehlzeiten. Und so legt Gollin seine Gefühlswelt offen dar: „Wenn wir in den Bereich Zufall kommen, bin ich der falsche Trainer. Wir stecken in der gleichen Situation wie vor einem Jahr. Wir haben zwar mehr gute als schlechte Spiele bestritten, aber uns nicht mit den Ergebnissen belohnt. Ich werde aber das Lehnerz-Spiel abwarten und mal schauen, was mein Bauchgefühl hergeben wird.“ Sprich: Gewinnt Petersberg das Derby nicht, wäre ein Rücktritt alles andere als unwahrscheinlich.

Sedat Gören werden solche Nebengeräusche nicht interessieren, dem Lehnerzer Coach kam das erzwungene spielfreie Wochenende (Rothwestens Platz war unbespielbar) allerdings auch nicht wirklich zupass, „weil wir gut drauf waren und Rothwesten eher nicht“. Gegen den RSV wolle man das Derby unbedingt nutzen, um sich im Mittelfeld festzusaugen, allerdings weiß Gören, „dass man gegen Petersberg verlieren kann, selbst wenn man einen guten Tag hat“. Deswegen gelte es mehr denn je, Leidenschaft auf den Platz zu bekommen. Ob auf Rasen oder Kunstrasen, werde sich laut Gören erst kurzfristig entscheiden, er allerdings präferiert ganz klar das Naturgeläuf.

CSC 03 Kassel – SG Johannesberg (Sonntag, 15 Uhr).

Läge die Vorsaison zu Grunde, wäre Johannesberg der Verbandsliga-Klassenerhalt kaum noch zu nehmen. Im Mai hatten Hessen Kassel II bereits 32 Punkte gelangt, die SGJ hat nach zwölf Spieltagen nur einen weniger gesammelt. Nicht normal für einen Aufsteiger, zumindest für einen normalen Aufsteiger. Doch der ist Johannesberg mit dieser Mannschaft nicht: Wegen der unfassbar stabilen Defensive, gepaart mit dem notwendigen Spielglück, würde aktuell die These „Eine Offensive gewinnt Spiele, eine Defensive Meisterschaften“ auf den Tabellenführer zutreffen. „Den Bogen vom 12. zum 32. Spieltag zu spannen, geht nicht. Eine Saison ist ein Marathon, du musst aber bei jedem Zwischensprint voll da sein“, sagt Maikranz, will aber keinesfalls nur von einer Momentaufnahme sprechen, „denn wer ganz oben steht, will da auch erst einmal bleiben. Gerade die geringe Anzahl an Gegentoren ist außergewöhnlich und sorgt dafür, dass wir da stehen, wo wir derzeit stehen.“

Im Kassler Jahnpark wartet nun eine Mannschaft, die den eigenen Ansprüchen ein wenig hinterherlaufen, aber gerade auf eigenem Geläuf konnten bereits Mannschaften wie Eschwege oder Weidenhausen besiegt werden. Die Elf von Lothar Alexi ist gestanden und erfahren, wird eine hohe Hürde darstellen. Johannesberg ist in der Offensive weiterhin ausgedünnt: Alin Cotan (Zahn-Operation) fehlt genau wie Witali Bese, bei Hamid Noori könnte es für einen Platz auf der Bank reichen.

SV 07 Eschwege – SV Neuhof (Sonntag, 15 Uhr).

Am vergangenen Sonntag gab Konstantinos Cristiano Waliszewski sein Debüt im Kasten des SV Neuhof, Co-Trainer Martin Döppenschmidt erklärt die Gründe: So sei Ahmed Hadzics Visum abgelaufen, er musste vorerst zurück in seine bosnische Heimat und dort einen neuen Antrag stellen. Gleichzeitig fiel André Ditzel ob einer Knieblessur aus, sodass Waliszewski zu seinem ersten Einsatz kam, bei dem er auch gleich schwer patzte. Auch deshalb holte Neuhof nur einen Punkt gegen Hessen Kassel II, auch deswegen hofft Döppenschmidt, dass Ditzel bis Sonntag wieder fit ist. In Eschwege erwartet Döppenschmidt ein ganz schweres Spiel: „In der vergangenen Saison habe ich gegen Eschwege selbst noch gespielt, das ist eine ganz unbequeme Mannschaft. Wir werden zunächst abwartend spielen, über die funktionierenden Außen spielen wir uns aktuell sowieso genug Chancen heraus. Mit einem Punkt wären wir aber schon zufrieden.“

FSV Dörnberg – SG Bad Soden (Sonntag, 15 Uhr).

Glückwünsche nimmt Anton Römmich mit Vergnügen entgegen, schließlich ist die SG Bad Soden ein Stück weit auch „sein Verein“. Trotz der prekären Lage, ist dem neuen Trainer ausschließlich Vorfreude auf die neue Aufgabe anzumerken. „Es war immer ein Ziel, Trainer der Verbandsliga-Mannschaft in Bad Soden zu werden. Dass es aber so schnell gehen würde, damit konnte niemand rechnen“, erklärt der 30-Jährige, der das Team am Dienstag vom entlassenen Kelvin King übernommen hatte. Dass er bei der Schießbude der Liga Vorfreude statt Angst verspürt, ist für ihn selbstverständlich, „schließlich haben wir haben eine gute Mannschaft mit viel Qualität, und genau das will ich der Mannschaft vermitteln“.

Gleichzeitig kündigt er an, dass er selbst nicht mehr selbst spielen wird, lediglich nach Möglichkeit das KOL-Team verstärken werde, außerdem werde das von King präferierte 4-1-4-1-System der Vergangenheit angehören, er selbst werde im 4-4-2 oder 4-2-3-1 auflaufen lassen, was am Sonntag auch davon abhängig sein wird, wer von den grippekranken Kevin Demuth, Lars Jordan, Kevin Paulowitsch rechtzeitig fit wird. In Dörnberg erwartet Römmich eine ganz schwere Aufgabe: „Das waren immer Drecksspiele da oben, in denen Bad Soden eigentlich nie was geholt hat. Aber wir fahren natürlich dorthin, um zu gewinnen.“ Der Kunstrasen muss derweil kein Nachteil sein, schließlich trainieren auch die Kurstädter seit Wochen nur noch auf Gummi statt Rasen.

Autor: Johannes Götze

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