17.05.2017

Schock: Steinbach doch nicht gerettet

Verband hat sich geirrt

Sinnbildlich: Sasa Dimitrijevic und der SV Steinbach liegen plötzlich wieder am Boden. Foto: Charlie Rolff

Schock für den SV Steinbach: Der Hessenliga-Klassenerhalt, der am Montag schon feucht-fröhlich gefeiert wurde, ist plötzlich doch nicht mehr sicher! Wie Verbandsfußballwart Jürgen Radeck (Ortenberg) gegenüber den betroffenen Vereinen bestätigte, spielt nun plötzlich doch wieder der Regionalligist KSV Hessen Kassel eine Rolle.

Paradox: Radeck hatte noch am Montag gegenüber torgranate.de bestätigt, dass, falls Drittligist FSV Frankfurt oder aber Regionalligist Hessen Kassel in die Hessenliga hinzukommen würden, die Absteigerzahl nicht erhöht werde: „Das haben wir so entschieden“, verdeutlichte der Verbandsfußballwart, der alle Vereine der Hessenliga am Dienstag auch genau darüber informierte, kurz später allerdings gegenüber den betroffenen Vereinen einen Rückzieher machte. In der E-Mail heiße es, sofern Hessen Kassel die Insolvenz bis Saisonende einreiche und deswegen noch in die Hessenliga absteige, müsse ein Team mehr aus der Hessenliga runter. Ein Blick in die Spielordnung klärt auf, was Saisonende bedeutet. Darin heißt es: Die Insolvenz muss vor dem letzten Spiel eingereicht werden - sprich allerspätestens Samstag 14 Uhr ; ohne das dies genau ausgeführt ist - dann werden in der laufenden Spielrunde neun Punkte abgezogen. Genau das wäre schlecht für den SV Steinbach. Reicht Kassel die Insolvenz danach ein, würde Kassel mit neun Minuspunkten in die kommende Serie starten - Steinbach würde dies nicht mehr tangieren. Schon wieder ein Wettlauf mit der Zeit für den SVS. Zumindest der FSV Frankfurt tangiert die Hessenliga allerdings zunächst nicht.

Beim KSV Hessen Kassel stellt sich die Sachlage höchst kompliziert dar: Der Verein, der gerade mit allen Möglichkeiten versucht, das riesige Finanzloch für die laufende und kommende Runde zu stopfen, spielt mit dem Gedanken eine Planinsolvenz einzuleiten. Reicht er diese bis Samstag vor dem Spiel ein, bekäme der KSV neun Punkte in der laufenden Runde abgezogen und wäre vor dem letzten Spieltag doch nicht mehr gerettet. Ein Sieg in Saarbrücken wäre am Samstag vonnöten, um auf der sicheren Seite zu sein, andernfalls müssen die KSVler einen Blick auf die hessischen Konkurrenten TSV Steinbach (in Pirmasens) und Teutonia Watzenborn-Steinberg (gegen Homburg) werfen, die jeweils Schützenhilfe für den sicheren Klassenerhalt auch bei Punktabzug leisten könnten. Ein eigener Sieg ist bei der aktuellen Formkurve und dem Gegner höchst fraglich, Saarbrücken ist Rangdritter der Südwest-Staffel.

SVS muss im Extremfall bis Ende Mai warten

Ebenfalls höchst paradox: Trotz des Abstiegs aufgrund des Punktabzugs würde der nordhessische Traditionsclub als „sportlicher Absteiger“ gelten und deswegen die Absteigerzahl in der Hessenliga auf das Maximum von fünf Teams heben (vorausgesetzt Watzenborn-Steinberg steigt ab; sehr wahrscheinlich). Dann würden sich am Samstag (15 Uhr) plötzlich wieder Ederbergland (in Kelsterbach), Steinbach (in Alzenau) und Baunatal sowie Griesheim im direkten Duell (beiden würde ein Remis reichen) darum bemühen müssen, diesen Platz zu vermeiden. Seligenstadt ist nach dem freiwilligen Rückzug Absteiger Nummer eins, Urberach, Rot-Weiß Darmstadt und Kelsterbach können die drei sportlichen letzten Plätze nicht mehr verlassen. Steinbach hat alles in der eigenen Hand, müsste dafür aber einen Sieg beim Tabellenvierten holen.

Gelingt dies nicht und Steinbach nähme den fünftletzten Platz ein, wird es noch paradoxer: Wird Hessen Kassel 14. oder 15. in der Regionalliga - könnte für Steinbach das große Warten bis Ende Mai beginnen. Denn, nur wenn Elversberg gegen Unterhaching (28. und 31. Mai) sowie Waldhof Mannheim gegen den SV Meppen (gleichen Spieltermine) den Aufstieg in die 3. Liga realisieren würden, würde eben jener 15. Tabellenplatz für den Regionalliga-Klassenerhalt reichen. Schafft den Aufstieg eines der beiden Teams, reicht Platz 14 für Kassel. Ach so: Hessen Kassel kann theoretisch 14. werden und Teutonia Watzenborn-Steinberg gar noch 15. Dann hätte auch noch der sportlich Drittletzte der Hessenliga Chancen auf den Klassenerhalt - Kelsterbach oder Rot-Weiß Darmstadt. Noch ein bisschen was in Sachen Rechenspiele gefällig? Tritt der FSV Frankfurt nicht in der Regionalliga an, würde sich die Absteigerzahl in der Regionalliga um eins verringern und sich die Chancen für Kassel und Watzenborn-Steinberg noch einmal erhöhen.

Das sagt der Verein!

Autor: Johannes Götze

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