22.05.2018

"Dümmste Region Deutschlands"

Werden alle Verträge der Borussen-Spieler aufgelöst? / Geisendörfer droht mit Konsequenzen

Marius Strangl erlebte mit dem TSV Lehnerz am Samstag eine Bauchlandung. Foto: Steffen Kollmann

Hessens Verbandsfußballwart Jürgen Radeck konnte zufrieden von dannen ziehen. Der Verdacht, dass bei der Partie zwischen dem TSV Lehnerz und Borussia Fulda etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könnte, hatte sich nach dem Abpfiff komplett zerstreut. Trotzdem sorgte der 2:1 (2:1)-Erfolg der Borussen für explosive Stimmung.

War dieses Resultat womöglich sogar der Anfang vom Ende der SG Barockstadt Fulda Lehnerz? Zumindest die Stimmung der TSV-Verantwortlichen nach der Partie war entsprechend. „Anscheinend wollen die alle nicht aufsteigen. Das wird Konsequenzen haben“, fauchte der Lehnerzer Finanzvorstand Martin Geisendörfer fuchsteufelswild. Und Betreuer Veit Abig warf verärgert in die Runde: „Wir sind die dümmste Region Deutschlands.“ Die Tatsache, dass ausgerechnet die Spieler des künftigen Kooperationspartners dem TSV Lehnerz die vorzeitige Vizemeisterschaft vermasselten, brachte Geisendörfer und Kollegen auf die Palme. „Sollten wir die Aufstiegsrunde verpassen, dann gehen uns 60 000 Euro verloren“, betonte Vorstandsmitglied Volker Bagus. Wie letztlich die angedeuteten Konsequenzen aussehen sollen, bleibt unklar, aber offenbar wird mit dem Gedanken gespielt, die Verträge aller Spieler von Borussia Fulda für die SG Barockstadt aufzulösen.

Vor allem an Ex-Trainer Henry Lesser entlud sich der Zorn der TSV-Funktionäre. Dabei hatte der doch nur eine Mannschaft ins Rennen geschickt, die sich ordentlich verkaufte – was man vom Tabellenzweiten nicht gerade behaupten konnte. „Wir sind mit dieser speziellen Situation nicht klargekommen. Die Mannschaft hat ihre Leistung nie abgerufen“, gestand dann auch TSV-Trainer Marco Lohsse ein. Bagus ergänzte: „Ich habe die Spieler diese Woche im Training mehrfach gewarnt, dass wir nichts geschenkt bekommen.“

So dürfte die Enttäuschung der Gastgeber zum Teil auch damit zusammenhängen, dass die Mannschaft in der letzten Saisonphase offenbar von ihren Nerven im Stich gelassen wird. Für höhere Aufgaben zeigten sich die Lehnerzer Kicker zumindest am Samstag nicht gewappnet. Und sollte ein Spion des Drittligisten Sportfreunde Lotte im Stadion gewesen sein, um Yoo-Shin Youm zu beobachten – der Koreaner war dort vergangene Woche beim Probetraining – dann dürfte der seinen Notizblock schnell wieder eingepackt haben.

Augenzeuge des Derbys war auch Staatssekretär Wolfgang Dippel. Der CDU-Politiker argwöhnte, dass dieses Spiel das Verhältnis zwischen den Mitgliedern beider Vereine einer argen Belastungsprobe aussetzen wird – gerade im Hinblick auf die gemeinsame SG Barockstadt. Dabei steht der Kader für die kommende Saison weitgehend, der neue Trainer Alfred Kaminski soll in dieser Woche vorgestellt werden. Jetzt muss sich allerdings erstmal zeigen, inwieweit man hier zur Tagesordnung übergeht. Peter Enders, Vorstandschef des SC Borussia und Vorstandsmitglied der SG Barockstadt, rät derweil zur Gelassenheit: „Vielleicht sollte man noch einmal eine Nacht über alles schlafen – und dabei nicht vergessen: Es ist und bleibt nur ein Fußballspiel.“

Und für den TSV Lehnerz kann sich der Traum von der Aufstiegsrunde ja immer noch erfüllen – wenn es am kommenden Samstag einen Sieg beim FSC Lohfelden geben sollte. Mit der Leistung vom Samstag wird’s jedoch schwer. / hw

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27.05.2018 - 12:50 - Ratsch

der (sich ins Fäustchen) lachende Dritte Bayern Alzenau hat alles richtig gemacht. Ein bisschen Säbelrasseln und Drohgebärden reichen wohl aus das der TSV sich in die Hosen macht und der SCB kämpft wie die Stiere, nur um ja nicht in den Bereich der Manipulation geschoben zu werden. Ich denke mal so war der Ausspruch von Herrn Abig zu verstehen. Naja, die Alzenauer haben dann ja auch artig "Danke" gesagt, meinten aber wohl "Deppen"...

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