21.08.2018

17 Spieler treten auf einen Schlag zurück

Ex-Turner Trzenschiok erklärt das Beben bei der TSG Wieseck

Foto: Charlie Rolff

Der Name TSG Wieseck steht nicht nur hessenweit für eine herausragende Jugendarbeit. Seit vielen Jahren spielt der Verein aus dem Gießener Stadtteil mit mehreren Junioren-Teams in der Hessenliga, die U15 spielt neben Profi-Teams von Eintracht Frankfurt, der TSG Hoffenheim oder dem VfB Stuttgart sogar in der Regionalliga. Bei den Senioren läuft es aber nicht so wie gewünscht: Beim Gruppenligisten sind vergangene Woche gleich 17 Spieler auf einen Schlag zurückgetreten, unter ihnen Tim Trzenschiok, der zwischen 2015 und 2017 zwei Spielzeiten bei FT Fulda verbracht hat.

Der Zorn der Akteure richtet sich dabei gegen die Sportliche Leitung der TSG bestehend aus Jörg Hildebrand, Deniz Solmaz und Fabian Durst. Das Wort "Vertrauensbruch" äußert Trzenschiok immer wieder. "Vor dem ersten Saisonspiel hatten alle noch ein gutes Gefühl, der Vorstand schien zufrieden", so der 27-Jährige. Als die Auftaktbegegnung allerdings 1:4 verloren wurde, kippte die Stimmung. "Ab diesem Zeitpunkt wurde der Trainer angezählt, und auch die Mannschaft wurde in der Öffentlichkeit schlecht dargestellt."

Es folgte ein 2:2-Unentschieden, die Unruhe blieb aber. Coach Benjamin Höfer bot daraufhin seinen Rücktritt an, die Mannschaft stellte sich aber hinter ihren Übungsleiter. Auch der Vorstand sprach Höfer in der Mannschaftssitzung das Vertrauen aus, keine 24 Stunden später wurde der Trainer allerdings entlassen. Das Spiel in Braunfels wurde abgebrochen, da Wiesecker Spieler das Schiedsrichter-Gespann beschimpft hatten, einen in der Presse behaupteten "Flaschenwurf" weist Trzenschiok allerdings entschieden zurück.

"Dennoch war der Vorfall eine willkommene Einladung, den Trainer zu entlassen. Schon auf der Heimfahrt wurde der Coach erstmals kontaktiert." Unschöne Nebengeräusche - der Torwarttrainer wurde so schon nach dem ersten Spiel gefragt, ob er interimsmäßig übernehmen könne, dazu wurde Höfers Nachfolger bereits zwei Tage später bekanntgegeben - kamen anschließend ans Licht. Dazu die anhaltende Kritik der Sportlichen Leitung Richtung Mannschaft. "Das Team hat sich deshalb zusammengesetzt und die Spieler haben im Großteil gesagt, dass sie so keinen Fußball mehr spielen wollen", erklärt Trzenschiok, der einer von 17 Akteuren war, die sich zu dem Schritt entschieden haben.

"Anspruch und Wirklichkeit liegen sehr weit auseinander"

Tim Trzenschiok spielte zwei Saisons für FT Fulda.

Nur fünf Spieler des Ursprungskaders sind noch immer Teil der Mannschaft, die künftig ein neues Konzept fährt und stärker auf die eigene tolle Jugendarbeit setzen möchte. Schon in den Partien nach dem Spielerrücktritt rückten zahlreiche A-Junioren nach oben auf. "Die Sportliche Leitung stellt es in der Öffentlichkeit so dar, dass der Imagewechsel seit langer Zeit geplant war. Tatsächlich entstammt dieser aber wohl aus der Not heraus. Vor der Trainerentlassung hieß es nämlich noch, dass die Jugend und die erste Mannschaft getrennt werden sollen und beispielsweise der Kraftraum der Junioren nicht mehr von uns genutzt werden dürfe."

Zwei Lager zwischen Jung und Alt habe es allerdings nie gegeben, dazu wurden Jugendspieler auch regelmäßig in den Seniorenbereich integriert. Außerdem seien unter den Zurückgetretenen fünf dabei, die unter 21 Jahre alt sind. Und zu 100 Prozent wolle die TSG auch nicht auf den Nachwuchs setzen, schließlich werden laut Trzenschiok wohl zurzeit Spieler mit Amateurverträgen gelockt, die jenseits der 23 Jahre alt sind. "Anspruch und Wirklichkeit klaffen also sehr weit auseinander."

Stichwort Amateurverträge: Diese machen sich zurzeit auch viele der 17 zurückgetreten Spieler zunutze, um noch in dieser Hinrunde Fußball spielen zu können. Für Trzenschiok, der erst im Sommer nach Wieseck gewechselt war, um Gruppenliga spielen zu können, steht eine Rückkehr zu Ex-Club Klein-Linden im Raum. Aufgrund einer Ellenbogenverletzung hat der Ex-Turner ohnehin noch kein Spiel für die TSG bestritten.

Autor: Steffen Kollmann

Kommentieren

Vermarktung:

Mehr zum Thema