29.10.2018

Theatralik und Drama werden nicht ganz belohnt

Verbandsliga: Spiel in Johannesberg bot viel Gesprächsstoff

Nie überhart war das Aufeinandertreffen zwischen Johannesberg (links Patris Gjocaj) und Willingen (Jan Albers), dennoch gab es drei Rote Karten. Foto: Kevin Kremer

Johannesbergs Trainer Jochen Maikranz gehört nach Schlusspfiff zu den ruhigen, sachlichen Artgenossen. Fast sprachlos, wie nach dem 1:1 gegen Willingen mit drei Roten Karten gegen seine Spieler, hat man den erfahrenen Coach aber nur ganz selten erlebt.

„Entrüstet und fassungslos“ war Maikranz über die Leistung des Unparteiischen Christian Stübing (Gründau), der drei Johannesberger Akteuren den Roten Karton unter die Nase hielt. Paolo Mondo erwischte es als Erstes, nachdem er den Ball mit der Hacke gespielt hatte, in der Aktion seinen Gegenspieler aber unglücklich traf. Stübing fiel dabei auf die fast unerträgliche Theatralik und schauspielerische Darbietung, die Willinger Akteure in der gesamten ersten Halbzeit an den Tag legten, rein, und zeigte dem Defensivmann glattrot (32.). Ersatzspieler Friedrich Walt reklamierte zu heftig und sah in derselben Aktion zweimal Gelb.

Niklas Zeller wurde dann kurz nach Wiederanpfiff runtergestellt, nachdem er die Hand eines Gegenspielers wegschlug. Diese habe sich, laut Aussagen der Heimfans, im Gesicht Zellers befunden, Stübing ahndete aber – wie häufig im Spiel – nur die Aktion des Johannesbergers. Seine Spieler sprach Maikranz von jeglicher Schuld frei, er ärgerte sich stattdessen über „glasklare Fehlentscheidungen“. Erzwungen wurden die Karten von Willinger Seite, von einer unfairen Spielweise wollte Gäste-Trainer Ulrich Drilling aber nichts wissen. „Wir haben nichts provoziert“, betonte der Coach der Gäste, und fügte hinzu, dass man lieber auf der Gegenseite nachfragen solle, wie man sich zu diesen Undiszipliniertheiten hinreißen lassen könne.

Astrein war die Willinger Spielweise aber keineswegs, teilweise war eine Berührung nicht einmal vorhanden, der Schrei des Willinger Spielers dafür aber umso lauter. Belohnt wurde die provokante Darbietung aber nicht ganz. Trotz langer nummerischer Überzahl schaffte Willingen nur noch den Ausgleich – fast folgerichtig nach einer Standardsituation, da aus dem Spiel heraus wenig ging. „Grundsätzlich ist der Punkt in Ordnung. Aber wenn das 1:1 eine Viertelstunde früher fällt, gewinnen wir wahrscheinlich“, so Drilling. Stattdessen war Radomir Vlks schöne Direktabnahme lange der einzige Treffer, in der Folge verteidigten die neun verbliebenen Hausherren aufopferungsvoll und verdienten sich einen Punkt in einem Spiel, das so schnell wohl nicht getoppt werden kann.

Autor: Steffen Kollmann

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