06.11.2018

Erboster Fan provoziert Abbruzzeses Rücktritt

Verbandsliga Süd: Ex-Hanau 1960-Trainer: "Vorfall nicht zu entschuldigen"

Antonio Abbruzzese (Mitte) ist nach dem Vorfall mit dem HSC-Fan zurückgetreten, Sportdirektor Okan Sari (rechts) übernimmt. Foto: Mithat Gürser

Dass Emotionen im Fußball mitunter hochkochen können, dürfte hinlänglich bekannt sein. Wenn dann noch Frust und Enttäuschung dazukommen, können Überreaktionen entstehen. So auch bei der 3:6-Niederlage des SC 1960 Hanau in der Verbandsliga Süd bei Rot-Weiß Walldorf. Dort sorgte ein Anhänger für Unruhe auf der Gästebank und provozierte dadurch den Rücktritt des in der Kritik stehenden Trainers Antonio Abbruzzese.

Anders als am gleichen Wochenende in der Regionalliga Südwest, als ein Fan von Wormatia Worms den Trainer des FK Pirmasens Peter Tretter durch eine gezielte Attacke niederstreckte und dabei verletzte, war der Eklat zwei Klassen tiefer in Walldorf von einer geringeren Dimension. Augenzeugenberichten zufolge soll ein erboster Anhänger der Gäste nach dem sechsten Gegentreffer auf den italienischen Coach zugestürmt sein und ihn verbal attackiert haben.

Die Unruhe auf der Trainerbank nahm der Schiedsrichter zum Anlass, die Begegnung kurz zu unterbrechen, um sich nach der Sachlage zu erkundigen. Erst als der Randalierer, der als regelmäßiger Besucher zum harten Kern des Anhangs gehört, zur Raison gebracht werden konnte, wurde die Partie fortgesetzt. Für Abbruzzese, der sich nicht zuletzt nach drei Niederlagen in Folge mit 2:14 Toren Anfeindungen aus der eigenen Anhängerschaft ausgesetzt sah, wurde hier eine Grenze überschritten: "Ich möchte nicht auf nähere Details eingehen, weil ich dem Verein nicht schaden möchte. Schlimm genug, dass die Attacke von jemandem aus dem Umfeld gekommen ist. Jedoch ist der Vorfall durch nichts zu entschuldigen."

Das nahm der Coach persönlich und reichte seinen sofortigen Rücktritt ein. "Das Ende ist natürlich mehr als unglücklich, aber der Job als Trainer war für mich nach diesem Vorfall nicht mehr durchführbar", verdeutlicht Abbruzzese. Der 51-jährige hatte den HSC vor fast genau einem Jahr im Abstiegskampf übernommen, ihn auf Rang vier geführt und in dieser Saison vor dem Beginn der Niederlagenserie mit sieben Siegen auf Rang zwei platziert.

Abbruzzese will kein böses Wort verlieren

War der Rücktritt eine Überreaktion? Der Sportliche Leiter Okan Sari, der nun selbst mit Savas Erinc die Trainingsarbeit im Herbert-Dröse-Stadion übernimmt, will die Sache nicht überdramatisieren: "Wir akzeptieren Antonios Entscheidung und wünschen ihm alles Gute. Der Anhänger, der immer mit dabei ist, hat sich auch mit mir angelegt. Es ist manchmal besser, sich nicht darauf einzulassen und den Fan einfach reden zu lassen. Es war meines Erachtens auch keine Beleidigung unter der Gürtellinie", erklärt Sari. Das sah Abbruzzese offensichtlich anders und zog seine Konsequenzen, will aber kein böses Wort über den Klub verlieren: "Ich nehme viel Positives mit und habe viele Freundschaften im Verein geschlossen."

Sari sieht dagegen den sportlichen Aspekt und erkennt beim selbsternannten Aufstiegsanwärter nach 14 Gegentoren in drei Spielen viel Gesprächsstoff. "Wir müssen den Weg jetzt ohne Antonio weiter gehen und bedanken uns für eine tolle Zeit mit ihm. Es geht jetzt auch nicht um mich, sondern um den SC 1960", so der altgediente Funktionär, der wiederholt als Feuerwehrmann einsteigt. Ein neuer Trainer werde derzeit nicht gesucht, vielmehr sei jetzt die Mannschaft mit namhaften Spielern wie Benjamin Braus, Ugur Albayrak, Baris Özdemir, Jannis Pellowski und Semih Aydilek in der "Bringschuld, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen." Beim 4:0-Sieg gegen Unter-Abtsteinach am Sonntag gelang die Tendwende mit einem überzeugenden Sieg gegen den Aufsteiger aus dem Odenwald.

Autor: Pedro Acebes

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