21.08.2019

Gleiche Pflicht für alle

Johannes Götze kommentiert den freien Eintritt für Frauen

Torgranate-Redakteur Johannes Götze

Man stelle sich vor, alle Männer dürften fortan die Freibäder kostenlos nutzen, während Frauen Eintritt zahlen müssten. Wie schnell würden eine, nein Dutzende, Hunderte, Tausende Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig sein. Ein Aufschrei durch die ganze Republik. Das Sommerloch mit einem Gesetz gestopft. Nicht vorstellbar? Doch! Beim Fußball! Frauen zahlen unterhalb der Verbandsliga nichts. Selbst in der Verbandsliga dürfen die Vereine noch selbst entscheiden, ob sie Eintritt von den Zuschauerinnen nehmen – oder eben nicht.

Mittlerweile tummeln sich auf den Dorfsportplätzen zu mindestens einem Drittel Zuschauer des weiblichen Geschlechts. Sie sind nicht nur als Spielerfrauen, Mütter oder sonstiges Anhängsel der sporttreibenden Hauptdarsteller dabei. Viele wollen ganz einfach Fußball schauen. Warum sollen sie dies im Gegensatz zu den Männern kostenlos dürfen? Dafür gibt es keine reellen Gründe.

Jene Reglung stammt noch aus Zeiten, als der Platz am Herd für die Frau reserviert schien. Doch in Tagen, in denen eine 16-Jährige höchstwahrscheinlich die nächste Friedensnobelpreisträgerin sein wird, Vorstände sich aus Überzeugung Frauenpower in die Führungsetagen holen, Autorinnen wie Ronja von Rönne als „Stimme einer Generation“ gelten und weibliche Influencer Milliarden scheffeln, darf Gleichberechtigung kein großflächig ausgebreitetes Thema mehr sein. Vielleicht fehlt deswegen ein Aufschrei der Frauen, dass sie keinen Eintritt zahlen dürfen? Oder genießen die Damen viel lieber den finanziellen Vorteil?

Doch es gibt sie tatsächlich, die Frauen, die auch hier auf Gleichberechtigung drängen. Bei meinem Heimatverein in Mackenzell erwirbt eine Zuschauerin schon seit Ewigkeiten eine Dauerkarte. Sie sei ja nicht zum Kaffeeklatsch, sondern zum Fußballgucken da. Sie taugt als Vorbild. Auch für den Verband. Der sollte in der kommenden Satzung den verpflichtenden Eintritt für Frauen verankern.

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