09.09.2019

Plavcic: "Muss wohl noch mal in der B-Jugend anfangen"

Hessenliga: Neuhofer Abwehr bedarf dringender Veränderungen / Hesse nach Ginsheim

Viel zu viele Freiheiten erhielten die Ginsheimer, wie hier deren Edeltechniker Can Cemil Özer (links) von Josip Bagaric und allen anderen Neuhofer Abwehrleuten. Foto: Kevin Kremer

Dass beim 0:0 in Walldorf vor Wochenfrist der Angriff noch das größte Sorgenkind gewesen ist, das konnten die, die es mit dem SV Neuhof halten, am gestrigen Sonntag nur mit Galgenhumor nehmen. Das geradezu groteske 5:6 (2:2) gegen Ginsheim offenbarte einmal mehr, dass der Hessenliganeuling vom Kaliberg schwerwiegende Abwehrdefizite besitzt.

Angefangen von den Sechsern Györgi Zarevski und Peter Krastov über Branimir Velic, der im Sturm einfach besser aufgehoben zu sein scheint als in der Innenverteidigung, bis hin zu Keeper Ahmed Hadzic, der gegen die Elf vom Mainspitzdreieck einen rabenschwarzen Tag erwischte: SVN-Coach Valentin Plavcic war nach dem defensiv unterirdischen Auftritt fast schon sprachlos. „Ich habe den Eindruck, wir müssen im Training noch mal im B-Jugendbereich anfangen“, konnte der Trainer nur mit dem Kopf schütteln ob der Vielzahl an Fehlern, die keineswegs übermächtigen Ginsheimern zu drei Punkten gereichten.

„Das Schlimme ist einfach, dass wir nach vorne hin sehr gut umgeschaltet und sich einige die Seele aus dem Leib gelaufen haben. Fünf Tore müssen einfach zum Sieg reichen. Hinten müssen wir uns etwas einfallen lassen“, wird Plavcic vor dem nächsten Spiel wohl in der Abwehr einiges umwerfen. Sein Sportlicher Leiter Alexander Bär ging noch detaillierter in die Analyse, schlussfolgerte, dass wohl eher, wie schon in Walldorf, Leon Bräuer anstatt dem von einer Sperre zurückgekehrten Josip Bagaric hätte innen verteidigen müssen.

Wie Plavcic schon anmerkte, übertünchte der haarsträubende Auftritt hinten – Keeper Hadzic hatte an den ersten drei Gegentoren Aktien, Velic unterlief vor dem 2:4 eine Flanke bitterböse – das gefällige Umschaltspiel: Der aus Hanau gekommene Außenbahnspieler Baris Özdemir rieb sich auf, hatte Pech, dass in der Entstehung zum 2:5 ein Foul an ihn nicht gepfiffen wurde. Und der Ex-Fernwälder Neven Vujica glänzte in vorderster Front mit Tempo, Spielwitz und Abschlussqualitäten. Lobenswert hervorzuheben ist auch die Moral des SVN, der selbst nach dem vermeintlichen 4:6-Nackenschlag nicht aufsteckte und noch mal zurückkam, sodass sogar der siegreiche Trainer Artur Lemm bekannte, „dass sich dieser Sieg eigentlich wie eine Niederlage anfühlt.”

Ungeachtet der ebenfalls nicht brillanten Defensivleistung in der Glückaufkampfbahn muss sich Lemm um die sportliche Lage seines VfB wenig Sorgen machen: Ginsheim stellt die beste Angriffsreihe der Liga, übt sogar ein klein wenig Druck auf die Spitzenteams aus – und hat sich mit dem einstigen Profi und langjährigen Publikumsliebling des SV Darmstadt 98, Uwe Hesse, sogar noch einmal hochkarätig verstärkt. Der 31-jährige Mittelfeldmann, der 124-mal in der Dritten Liga aufgelaufen ist und zuletzt bei Ligakonkurrent Hessen Dreieich unter Vertrag gestanden hat, konnte mittels einer beruflichen Perspektive, die ihm der VfB neben dem Fußball bieten konnte, nach Ginsheim gelotst werden. In der Live-Ticker-Affäre (wir berichteten) gibt es indes noch nicht viel Neues. “Den Strafantrag habe ich bei der Polizei gestellt, jetzt heißt es Abwarten”, so Lemm.

Autor: Christian Halling

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