18.11.2019

Statt USA-Urlaub OP-Saal

Knöchelbruch bei Kevin Krieger

Autsch! In der siebten Minute stoppt Sandershausens Innenverteidiger Justin Schumann den Hünfelder Mittelstürmer Kevin Krieger unsanft und ohne Chance auf den Ball. Morgen wird Krieger bereits operiert. Foto: Siggi Larbig

Heute um 11 Uhr wäre Kevin Krieger in den Flieger gen USA gestiegen, um seinen wohlverdienten Jahresurlaub anzutreten. Stattdessen musste er zur gleichen Uhrzeit im Fuldaer Klinikum aufschlagen, um letzte Details für die morgen anstehende Knöchel-Operation zu klären.

Kevin Krieger gehört zu dem Schlag Menschen, die stets mit guter Laune und offenen Augen durch die Welt marschieren. Das Wort „Positivmensch“ könnte für ihn erfunden worden sein. Doch dieser Tage klingt seine Stimme gedämpft. „Das nennt sich dann wohl Schicksal“, sagt er und verweist auf die morgen anstehende Operation, anstatt in den USA mit Kumpel „Nesta“ (Steffen Vogt, Trainer des SV Steinbach II) den wohlverdienten Urlaub zu bestreiten. Über ein Jahr hatten die beiden die Rundreise geplant, wollten dabei ihrem gemeinsamen Hobby „US-Sport“ fröhnen. Ein neuer Anlauf für den Urlaub ist noch nicht geplant, auch sein Kumpel ist nicht geflogen: „Allein ist das dann doch etwas blöd. Aber wie gesagt, das ist dann wohl Schicksal.“

Bereits am Sonntag wurde Krieger schnell klar, dass aus dem Urlaub voerst nichts werden wird. „Ich habe den Gegenspieler gar nicht kommen sehen, er drückt oben und tritt mir unten das Standbein weg. Völlig unnötig“, sagt Krieger nach dem Einsteigen von Sandershausens Innenverteidiger Justin Schumann, das nicht einmal mit Gelb geahndet wurde. „Den Schiedsrichter hat das gar nicht gejuckt. Freistoß und weiter geht‘s. Das war auch der Eindruck meiner Mitspieler“, bedauert Krieger den fehlenden Schutz des Referees Marcus Rolbetzki (FSV Schröck) in dieser Szene. Schumann kam mit einer Ermahnung davon. „Immerhin“, so sagt Krieger, „hat sich der Spieler in der Halbzeit entschuldigt. Das ist dann aber auch das Mindeste. Außer sich war aber vor allem unser Physio und Fotograf Siggi Larbig, weil er eine ganze Fotostrecke von der Szene hat, in der klar wird, dass der Ball kilometerweit weg war und er gar keine Chance darauf hatte.“

Die Glücksbringerin fehlte

Krieger nahm in der Szene ein Knacken wahr, was auch meterweit noch gut zu hören gewesen ist. „Ich habe inständig gehofft, dass es vielleicht nur ein Bänderriss ist, aber im Krankenhaus wurde schnell klar, dass der Knöchel gebrochen ist und ich schnell operiert werden muss.“ Noch am Sonntag bekam Krieger einen Gips, heute entschied das Klinikum, Krieger bereits morgen zu operieren. Eine zweite wird noch folgen, um die Schrauben wieder zu entnehmen. Mindestens zehn Wochen Pause sind einkalkuliert, bis der 26-jährige Offensivspieler wieder vorsichtig an Fußball denken darf. „Ich hoffe ganz einfach, dass ich noch ein paar Spiele in dieser Saison bestreiten kann“, sagt Krieger, der aber hinterherschiebt, „dass Fußball in solch einem Moment nicht alles ist, erst mal will ich einfach die Operation gut überstehen.“

Für Spitzenreiter Hünfeld bedeutet dies der zweite langfristige Verlust in der Offensivabteilung binnen weniger Tage: In der Vorwoche hatte Daniel Kornagel verkündet, sich ab Dezember als Profi in der australischen 2. Liga zu versuchen. Krieger ist aber dennoch optimistisch, dass die Mannschaft ihren seit Wochen gewonnenen Flow weiterführen wird. Und spätestens im Mai wird Hünfelds Urgestein auch wieder auf dem Platz mitwirken können.

Dann, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wird auch wieder Kriegers Freundin Stacy zugegen sein. Sie gehört zu treuesten Kiebitzen des HSV, war aber ausgerechnet am Sonntag nicht mit nach Heiligenrode gereist. „Keine Vorwürfe“, sagt Krieger und hat ein Stück seines Humors schon wieder zurückgewonnen. „Dass Stacy nicht jeden Sonntag Zeit hat, ist ja auch verständlich. Wobei sie sicherlich auch zu meiner Glücksbringerin geworden ist.“ Und, immerhin, muss Stacy nun nicht zwei Wochen auf ihren Kevin verzichten, sondern hat alle Zeit der Welt, ihn zu hegen und zu pflegen.

Autor: Johannes Götze

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