20.11.2019

Alles bleibt, weil es der Verlierer so will

Stockhausen/Blankenau betreibt außergewöhnliches Fairplay

Andreas Arnold (Stockhausen/Blankenau) und seine Kameraden verzichten auf einen Rechtsstreit. Foto: Kevin Kremer

Der doppelte Regelverstoß in der A-Liga-Partie zwischen Mackenzell und Stockhausen/Blankenau (2:1) sorgte für Gesprächsstoff. Nun ist das Sportgericht um Einzelrichter Wolfgang Dittrich (Hünfeld) zu einem bemerkenswerten Entschluss gekommen: Das Spiel wird nicht wiederholt.

Zwischen Minute 77 und 79 spielte Mackenzell zu elft, obwohl Stürmer Maximilian Trapp ob der zweiten Gelben Karte gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. Sowohl die zweite Gelbe Karte als auch die verzögerte Gelb-Rote Karte sind Regelverstöße, die grundsätzlich einer Spielwiederholung Tür und Tor öffnen. Da der Schiedsrichter seine Fehler im Spielbericht freimütig eingeräumt hatte, war auch kein Einspruch der SG vonnöten, damit das Sportgericht tätig werden musste, vielmehr landete der Spielbericht automatisch auf Dittrichs Schreibtisch, wodurch automatisch das Sportgericht zuständig geworden ist.

Dittrich scheute sich nicht, Sportgerichtskollegen und Vereine zu befragen, bevor das Sportgericht zu seinem Entschluss gelangte. Insbesondere das Gespräch mit Udo Brähler, Abteilungsleiter der SG Stockhausen/Blankenau, führte letztlich zu dem Urteil. Brähler unterstrich zuvor schon medienwirksam und letztlich auch hochoffiziell in einem Schreiben an Dittrich, dass kein Interesse an einer Spielwiederholung seitens seines Vereins bestünde.

Auch und vor allem aus ehrenwerten Gründen: Die SG sehe sich in der Pflicht den jungen Unparteiischen, der ansonsten ein gutes Spiel gepfiffen hätte, zu schützen. Ein Rechtsstreit, der auf alle Verantwortlichen zugekommen wäre, sei somit zu umgehen. Hinter dieser Entscheidung stehen, so erklärt Brähler, auch Trainer und Mannschaft. Das Sportgericht folgte diesen Ausführungen, weswegen das Ergebnis bestehen bleibt und die TSG somit als Tabellenführer punktgleich mit Nüsttal und sechs Punkte vor Stockhausen/Blankenau stehend in die Winterpause gehen wird.

TSG dankt der SG

Das Sportgericht nutzte ein Wort in der Spielordnung des Hessischen Fußball-Verbandes, um auf eine Wiederholung verzichten zu können. „Spielentscheidend“ muss ein Regelverstoß des Schiedsrichters sein, um eine Neuansetzung herbeizuführen. Allerdings konnte Stockhausen/Blankenau die rund 18 Minuten Überzahl (inklusive Nachspielzeit) nicht nutzen, um ein Tor zu schießen. Im Gegenteil: Mackenzell entschied das Spiel kurz vor Ende sogar in Unterzahl. Das Kriterium „spielentscheidend“ sei somit nicht erfüllt, wenngleich dem Schiedsrichter ein Regelverstoß zu Lasten gelegt werden müsse. Dementsprechend fallen die Verfahrenskosten dem HFV zu Last, da ein Fehler des Schiedsrichters vorlag. Das Urteil ist rechtskräftig.

Bei Mackenzell ist Abteilungsleiter Philipp Heinicke nach dem Entscheid erleichtert: „Im Sinne des Sports ist das die einzig richtige Entscheidung. Hut ab vor Udo Brähler, den beiden Vereinen und dem Team.“ Auch beim Sportgericht bedankt er sich.

HIER kommentiert Johannes Götze das Fairplay-Verhalten.

Autor: Johannes Götze

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