Klartext

"Vereine arbeiten gen null mit"

Mit Gerhard Wiegand auf einen Glühwein am Weihnachtsmarkt unterwegs

06. Dezember 2019, 07:00 Uhr

Torgranate-Redaktuer Ralph Kraus traf sich mit Gerhard Wiegand auf einen Glühwein. Foto: Torgranate

Gerhard Wiegand kann auf ein bewegtes Fußballerleben zurückschauen. Unter anderem war der 53-Jährige als Trainer im Jugendbereich für den SV Flieden und Borussia Fulda, später dann bei den Senioren der SG Magdlos, des SV Flieden und des FSV Thalau tätig.

Im Moment sind Sie als Schiedsrichter unterwegs, dazu als Funktionär für den Kreispokal und die Hallen-Kreismeisterschaft am Start, waren lange Trainer und kicken noch ein bisschen beim SV Höf und Haid in der B-Liga. Man hat den Eindruck, Sie wüssten momentan nicht, wo Sie ihr Ei hinlegen sollen ...

Es gab mal einen Zeitungsreporter, der steht mir gerade gegenüber, der hat mal gesagt, der Wiegand ist ein Tausendsassa. Der hat recht gehabt. Mich reizt das alles. Auch heute mit 53 Jahren will ich als Spieler auf dem Feld noch zeigen, dass ich trotz meines Alters noch Fußball spielen kann – auch wenn es nur in der B-Liga ist. Ich will mich fit halten, wobei das Pfeifen ganz klar oberste Priorität hat.

Dass ich im Fußballausschuss tätig bin, liegt daran, dass ich einfach mal die andere Seite im Fußballgeschäft kennenlernen wollte. Im Moment tendiere ich aber eher dazu, damit aufzuhören, weil von den Vereinen einfach nichts zurückkommt. Die Mitarbeit geht gen null. Du schreibst die Vereine an und hättest gerne in spätestens 14 Tagen eine Antwort. Bei 20 angeschriebenen Vereinen erhältst du von dreien eine Rückmeldung, einer meldet sich vielleicht noch telefonisch und von den übrigen 16 Clubs kommt nichts.

Kreisfußballwart Thorsten Beck hat in Anbetracht der möglichen Spielklassenreform neulich 93 Vereine angeschrieben, um eine Art Info-Stammtisch abzuhalten. Acht haben sich gemeldet. Da frage ich mich: Was ist mit den anderen 85 Vereinen?

Die Futsal-Kreismeisterschaft wird beispielsweise diesmal mangels Rückmeldungen nur mit zehn Mannschaften stattfinden. Es gibt keine Vorrunden mehr, sondern am 26. Januar findet in Künzell direkt die Endrunde statt. Das ist aus meiner Sicht sehr traurig.

Die Schiedsrichterei liegt Ihnen besonders am Herzen, wenngleich Sie manchen Dingen sehr kritisch gegenüberstehen ...

Was da läuft, ist für mich so ziemlich das letzte. Es wird immer gejammert, dass es keine Schiedsrichter mehr gibt. Deshalb werden die jungen Kerle regelrecht verheizt und die älteren, oft guten Schiedsrichter, müssen alle fünf Jahre absteigen, weil es irgendeine bescheuerte Altersregelung gibt. Klaus Bodusch, Johannes Jonas, Dirk Möller oder ich, wir sind topfit, sind im besten Alter. Wir sind anerkannt und wenn wir auf den Platz kommen, dann herrscht Ruhe. Aber wir dürfen nicht mehr Gruppenliga pfeifen. Da lache ich mir einen Ast. Ich ärgere mich gleich noch mehr, wenn ich so ein typisches Beispiel nenne: Letztes Jahr gab es ein Kreisoberliga-Spitzenspiel zwischen Lütter und Hofbieber. Wir mussten mit 50 Jahren zwangsweise topfit aus der Gruppenliga absteigen und dann kommt zu so einem Spiel ein Schiedsrichter aus Bayern, der war 57 Jahre alt und hat einen Bauch vor sich hergetragen. Der kam kaum mit, pfeift dann aber so ein Spiel. Da denkst du als heimischer Schiedsrichter, dass du im falschen Film bist. Vielleicht sollte man nicht nur auf das Alter schauen, sondern einfach mal gucken, wer fit ist und wer gut ist. Viele Schiedsrichter im besten Alter fühlen sich verarscht. Ich mache das deshalb nur noch zwei Jahre.

Sieht man Sie nochmal als Trainer?

Ich glaube nicht. Der Gedanke geht eher dahin, noch ein bisschen irgendwo zu kicken. Insgesamt 18 Jahre war ich Trainer, habe mit Magdlos, Flieden II und Flieden I drei Mannschaften vor dem sicheren Abstieg gerettet und bin fünfmal Meister geworden, hatte also meist Erfolg. Thalau habe ich so ein bisschen aus dem Nirvana rausgeholt, das macht mich stolz, denn das was der Verein heute leistet, basiert auch auf der Aufbauarbeit von Thomas Hütsch und mir. Man soll nie nie sagen, aber alles hat seine Zeit.

Autor: Ralph Kraus

Kommentieren