Torgranate-Analyse

Hasa arbeitet gut mit jungen Leuten

Hessenliga: Viktoria Griesheim auf Platz zehn gut dabei

31. Dezember 2019, 16:14 Uhr

Oliver Schuhmacher (links, gegen Barockstadts Yves Böttler) ist einer der vielen jungen Spieler bei Griesheim. Foto: Charlie Rolff

Alle Jahre wieder straft Viktoria Griesheim sämtliche Experten der Hessenliga Lügen. Wenn nämlich vor einer Saison die Frage nach den Abstiegskandidaten gestellt wird, gehören die Südhessen immer zu den meistgenannten Clubs. Doch trotz einigen Personalrochaden und einem niedrigen Budget steht am Griesheimer Hegelsberg zur Winterpause Rang zehn zu Buche. Gute Voraussetzungen, um in der Restrunde auch das achte Hessenliga-Jahr in Folge mit dem Klassenerhalt abzuschließen.

So lief die bisherige Runde:

Die Saison begann im Sommer ganz nach den Voraussagen der "Experten": Drei Niederlagen in Folge gegen Ginsheim (2:4), Barockstadt Fulda-Lehnerz (0:2) und in Walldorf (2:6) brachten den Griesheimern den prognostizierten Fehlstart ein. Doch schon das Rückspiel in Ginsheim (2:1) zeigte mit dem ersten Saisonsieg, dass der im zweiten Jahr tätige Trainer Richard Hasa aus wenig viel machen kann. Jedoch musste der Ex-Profi viel Geduld aufbringen, denn zwei weitere hohe Niederlagen in Hadamar (1:6) sowie gegen Stadtallendorf (0:4) brachten sein Team weiter in Bedrängnis. Defensive Stabilität war erstmals beim 0:0 bei Türk Gücü Friedberg Trumpf, ehe es gegen Waldgirmes (3:5) die sechste Schlappe im achten Spiel gab. Der Wendepunkt der Saison war das 1:0 in Bad Vilbel, das wie im Vorjahr Pascal Stork erzielte. Vier Siege in Folge hatten bis Anfang Oktober befreiende Wirkung, ehe es Mitte Oktober wieder zwei hohe Niederlagen gab. Zum Ende hin kamen noch vier Siege in sechs Spielen hinzu. Ganz wichtig waren die Heimsiege gegen die Mitaufsteiger RW Walldorf (4:0) und SV Neuhof (4:1).

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Die Verantwortlichen beim südlichsten Verein der Hessenliga mussten im Sommer erneut am Kader basteln, was die Anzahl von 14 Neuzugängen und 13 Abgängen verdeutlicht. Darunter waren indes mit Fabian Windeck kurz vor dem Ende der Transferperiode Ende August (vom Kreisoberlisten SV Hahn) und Oliver Schumacher (vom Gruppenliga-Aufsteiger FC Langen) zwei Rückkehrer mit Hessenliga-Erfahrung im Viktoria-Trikot. Während Schumacher mit 18 Einsätzen zum Stammspieler avancierte, absolvierte der 31-jährige Windeck nur die Hälfte von dessen Einsätzen. Im Sturm schlug Younes Bahssou seine Zelte in der Zwiebelstadt auf. Der 30-jährige Ex-Borusse kam von Türk Gücü Friedberg und bewies, dass er auch in seiner mittlerweile vierten Hessenliga-Station ein Torjäger ist. Fünf Tore in zehn Spielen können sich zumindest sehen lassen, auch wenn der Marokkaner nicht ganz frei von Verletzungssorgen agiert. Sturmpartner Dario Stange kam vom Hessenliga-Absteiger Spvgg. 03 Neu-Isenburg und erkämpfte sich mit 17 Einsätzen und drei Toren einen Stammplatz. Der 20-jährige Deutsch-Italiener Gianni Petrone kam meist von der Bank. Seine Startelf-Quote liegt nur bei 25 Prozent. Aus der eigenen U19 stieß der Algerier Younes Laguenaoui zu den Senioren und wirkte als linker Verteidiger in 15 Partien mit. Auf neun Einsätze kam immerhin Cameron Royo nach seinem Wechsel aus der U19 vom großen Nachbarn SV Darmstadt 98. Auch Enes Arslan kam vom Böllenfalltor an den Hegelsberg und fügte sich mit neun Einsätzen ein. Zum Stammspieler avancierte auch der vom Regionalliga-Absteiger Wormatia Worms gekommene Innenverteidiger Niklas Kern. Alle anderen Zugänge kamen über eine untergeordnete Rolle nicht hinaus.

In Erinnerung bleibt:

Die Jugendarbeit ist das Faustpfand der Viktoria. Mit der in der Hessenliga spielenden U19 gibt es einen hervorragenden Unterbau, aus dem der Verein immer wieder neue Talente in den Seniorenbereich einbinden kann. Trainer Richard Hasa war selbst A-Jugend-Coach bei Darmstadt 98. Der 49-jährige Slowake kann sehr gut mit jungen Spielern umgehen. Der Zuschauerzuspruch am Hegelsberg ist stets stark davon abhängig, ob die benachbarten Lilien in der 2. Bundesliga zeitgleich daheim spielen oder eines ihrer Auswärtsspiele übertragen wird. 131 Zuschauer beträgt der Schnitt in den bisherigen neun Heimspielen. Meist wird auf dem Rasenplatz mit der altehrwürdigen Tribüne gespielt. Vergilbte Werbebanden aus längst vergangenen Zeiten bieten dort eine Portion Nostalgie, darunter eine Bande mit dem Hinweis auf die historische Meisterschaft in der Oberliga Hessen 1981. Bei schlechtem Wetter kann auf den angrenzenden Kunstrasen ausgewichen werden, der erst vor kurzem mit neuem Belag ausgestattet wurde. Eine Pressekonferenz findet entgegen der Gepflogenheiten bei den meisten anderen Hessenligisten in Griesheim nicht statt. Pressevertreter müssen sich ihre Statements direkt auf dem Platz bei den Protagonisten abholen.

Ausblick:

28 Punkte sind eine gute Basis für den Klassenerhalt. Zum Auftakt geht es gegen die beiden osthessischen Abstiegskonkurrenten SV Neuhof und SV Steinbach. Am 22. Februar gastieren die Zwiebelstädter zum Nachholspiel unter dem Kaliberg und eine Woche später erwartet Griesheim die Steinbacher daheim. Mit zwei Siegen dürfte nach unten wohl nichts mehr anbrennen, gelingen diese jedoch nicht, kann der Vorsprung zum Beispiel auf Bad Vilbel schmelzen. Aber auch so hätte die Viktoria noch genügend Spiele auf Augenhöhe, um die fehlenden zehn bis zwölf Zähler noch einzufahren. Arbeiten müssen die Griesheimer indes an der Abwehrarbeit. 51 Gegentore sind der zweitschlechteste Wert der Liga, nur das abgeschlagene Schlusslicht FSV Fernwald kassierte mehr (56).

Autor: Pedro Acebes

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