21.01.2020

"Wir könnten Tabellenführer sein"

Gruppenliga: Benni Münch über sich und die SG Oberzell/Züntersbach

Benni Münch geht seine Zukunft gelassen an. Foto: Torgranate

Benjamin Münch hat fußballerisch so einiges erlebt: Bei Borussia Fulda war er in einer der brenzligsten finanziellen Phasen der Kapitän, der half, das Boot über Wasser zu halten. Dazu machte ihm das Knie Probleme, das Karriereende schien längst programmiert. Dennoch steht der mittlerweile 36-jährige Wirtschaftsprüfer noch immer auf dem Platz und will diese Saison Historisches schaffen. Denn einen einstelligen Tabellenplatz gab es in der Geschichte der SG Oberzell/Züntersbach (und vormals des TSV Oberzell) auf Gruppenliga-Level noch nie.

Oberzell/Züntersbach steht auf Rang sechs. Das ist auf den ersten Blick top. Aber die Ausgangslage ist schon deshalb weiter gefährlich, weil es eventuell fünf Absteiger geben wird ...

Natürlich müssen wir aufpassen, denn nach oben auf Platz eins sind es nur drei Punkte, aber nach unten auf Hünfeld II auch nur vier Zähler. Deshalb ist auch völlig klar, dass wir nach unten blicken müssen. Aber ich spinne jetzt mal: Wenn wir den Start nicht verbockt hätten, könnten wir locker vier Punkte mehr haben. Dann würden wir jetzt als Erster überwintern. Mit der Truppe und dem Geist, den wir in der ersten Halbserie wieder hatten, wie wir uns wieder aufgerappelt haben, das war schon klasse. Aber, wir könnten noch viel mehr: Wenn Maxi Heil vor dem Spiel als Kapitän seine Ansprache an die Mannschaft hält, schaue ich den Jungs ins Gesicht. Da sehe ich schon, ob wir heute gewinnen oder verlieren. Wenn die Vorbereitung gut läuft, sich keiner verletzt und wir gut aus dem Quark kommen, bin ich mal gespannt. Wir brauchen immer drei, vier Leute am Platz, die auch verbal richtig Gas geben und die anderen pushen.

Ihr hattet sensationelle Spiele dabei. Ich denke da beispielsweise an das 5:0 gegen Thalau ...

Das hätte vorher keiner gedacht. Aber jenes Spiel ist ein super Beispiel: Da wusste ich vorher, dass wir gewinnen. Es hört sich komisch an, aber man spürt das bei uns. Wir haben ja ebenso gegen Hosenfeld 2:0 gewonnen. Da war es ähnlich. Wir dürfen jetzt nur nicht abheben und anfangen zu spinnen.

Man hat den Eindruck, dass ihr nicht mehr ganz so Ankert-Abhängig seid?

Es kommt darauf an, wie man "Ankert-Abhängig" definiert. Wir haben ja drei von den Jungs. Es ist also schon eine gewisse Abhängigkeit da, aber nicht nur von Julian alleine. Valentin hat beispielsweise einen riesen Sprung nach vorne gemacht. Beim 5:1 gegen Freiensteinau war Julian nicht mit dabei. Es funktioniert also tatsächlich.

Ursprünglich wolltest Du deine Karriere nach dem Aufstieg vor eineinhalb Jahren beenden. Das hat ja super geklappt ...

Das hat tatsächlich super geklappt. Manchmal frage ich mich selbst, was ich da gerade mache. Aber es macht einfach irre Bock. Ich versuche irgendwie den Job, die Familie und den Fußball unter einen Hut zu bekommen und ich bin jetzt in einem Alter, da nehme ich mir auch mal raus, dem Trainer um 18 Uhr eine WhatsApp zu schreiben und ihm zu sagen, dass ich heute mal nicht ins Training komme. Da gehen Frau und Sohn vor. Das verstehen alle, sonst würde es nicht funktionieren. Andererseits muss ich aber auch die Leistung bringen. Wenn ich irgendwann merke, dass ich gegen 18-Jährige spiele, die dreimal die Woche trainieren und kein Gramm Fett an sich haben und ich auf keinen grünen Zweig mehr komme, dann ist Feierabend.

Das hört sich aber nicht so an, als wenn im kommenden Sommer Schluss wäre?

Jetzt bekommen wir erstmal unser zweites Kind. Ich will die Rückrunde spielen und dann entscheide ich mich irgendwann. Die Familie steht ganz oben. Ich arbeite als Wirtschaftsprüfer, habe bald zwei Kinder - ob ich dann noch Zeit für Fußball habe, wird sich zeigen.

Was macht das Knie?

Ich bin fit. Es gibt immer wieder kleine Probleme, aber ich tue auch genug dafür, dass es funktioniert. Und man darf ja auch nicht vergessen, dass ich 36 Jahre alt bin. Ich gehe mal für mich joggen, kicke mal in der Halle und laufe nach den Spielen vernünftig aus. Aber die Hallenrunde mitzuspielen ist genau das was ich meine: Da sage ich dem Trainer, dass ich nicht will. Ich komme gerne, schaue zu und will dabei sein. Aber lieber will ich mehr mit meinem Sohn Emil etwas machen.

Wir wollen jetzt keine Luftschlösser bauen, aber es deutet viel darauf hin, dass Oberzell/Züntersbach die beste Saison aller Zeiten spielt. Damit hättest Du in Deinem Heimatdorf noch einen draufgesetzt. Wäre das dann der ideale Punkt "Tschüss" zu sagen?

Den richtigen Zeitpunkt für einen Abschied zu finden, ist überhaupt nicht einfach. Ich will aber selbst entscheiden, wann ich Schluss mache. Und nicht, dass die Leute draußen froh sind, dass ich nicht mehr im Weg stehe. Bei Borussia war der Absprung als Meister der Verbandsliga ideal. Klar mache ich mir Gedanken, weil die Runde womöglich so weiter läuft, dass es nicht mehr zu toppen wäre. Wir müssen auch den jungen Spielern jetzt mehr Chancen geben zu spielen, sich zu beweisen. Es muss ja auch strategisch im Verein weiter funktionieren. Ich kann nicht immer weitermachen und dafür sitzen 20- oder 22-Jährige draußen. Das ist blöd. Ein René Eichholz muss jetzt endlich Stammspieler werden und auch Marius Müller ist ein super Kicker. Da müssen halt andere Platz machen. Schwimmen lernst du nur im Wasser. Also musst du irgendwann reinspringen. Die Jungs müssen bereit sein.

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