16.01.2020

Wohin führt die Zukunft von Akbulut & Co?

Hessenliga: FC Eddersheim mit Aufstiegschancen

Wohin des Weges, FC Eddersheim? Leonardo Bianco klopft mit dem FCE an das Tor zur Regionalliga. Foto: Charlie Rolff

Als Überflieger der Hessenliga-Saison kann ohne Zweifel der FC Eddersheim bezeichnet werden. Den zweiten Platz zur Winterpause hatten selbst die kühnsten Optimisten an der Staustufe nicht erwartet. Das Aushängeschild aus dem Main-Taunus-Kreis klopft an das Tor zur Regionalliga an, doch neben der sportlichen Entwicklung in der Restrunde bleibt abzuwarten, welche infrastrukturellen Maßnahmen möglich sind, um im Falle aller Fälle für das Abenteuer gewappnet zu sein. Bislang gibt es von Vereinsseite in Sachen Aufstiegsfrage weder ein "Ja noch Nein".

So lief die bisherige Runde:

In historischer Hinsicht ist es erst die dritte Hessenliga-Saison des Clubs aus dem Hattersheimer Stadtteil. In der Saison 2012/13 reichte es nicht zum Klassenerhalt. Es ging als 17. zurück in die Verbandsliga Mitte, wo sich die Eddersheimer in den folgenden Jahren durchweg auf einstelligen Tabellenplätzen bewegten und nach der Saison 2017/18 unter der Regie von Trainer Rouven Leopold die Meisterschaft feierten. Nachdem der Klassenerhalt in Hessens Eliteliga mit Rang acht souverän geschafft wurde, wollte man beim FCE in der laufenden Runde besser abschneiden als im Vorjahr.

Dieses Ziel hat Eddersheim jetzt schon um Längen übertroffen, auch wenn der Saisonstart im Juli mit der 2:3-Niederlage beim starken Aufsteiger RW Walldorf misslang. Doch drei Siege in Folge - darunter das klare 5:0 gegen den SV Neuhof - ließen Eddersheims Stärken vertraut werden. Im Sommer gelang nach Siegen bei Verbandsligist Rot-Weiss Frankfurt (3:0) und dem Darmstädter Gruppenligisten Hassia Dieburg (8:0) zudem die Qualifikation für das Achtelfinale im Hessen-Pokal.

Unnötig kam die 1:2-Niederlage am 24. August bei Türk Gücü Friedberg daher - danach blieb Eddersheim bis zum 30. November ungeschlagen. Aus 14 Punktspielen wurden zehn Siege geholt, vier Partien endeten Remis. Neben der SG Barockstadt (2:2) gelang es auch dem SV Neuhof (1:1) den Leopold-Schützlingen ein Unentschieden abzuverlangen. Aus osthessischer Sicht musste sich nur der SV Steinbach (1:3) dem Überraschungsteam geschlagen geben. Selbstredend, dass der Höhenflug zeitweilen bis an die Tabellenspitze führte.

Der nicht für alle nachvollziehbare Spielplan hatte dann noch vor Weihnachten die zwei Topspiele gegen Regionalliga-Absteiger Eintracht Stadtallendorf zu bieten. Eddersheim ging mit einem Zähler Vorsprung auf die Oberhessen in die Spitzenspiele und statt mit möglichen sieben Punkten Vorsprung aufgrund der zwei Niederlagen (1:3/1:2) mit fünf Punkten Rückstand aus den beiden Gipfeltreffen heraus, einhergehend mit dem Verlust der Tabellenführung.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Ursprünglich hatten die Eddersheimer nach dem Abgang von Anil Mus (Südamerika-Aufenthalt) in erster Linie nach einem Innenverteidiger gesucht und fanden beim Ligakonkurrenten SC Waldgirmes in Dennis Lang einen überragenden Akteur, der an der Staustufe zu einem Volltreffer avancierte. 20 Einsätze, zwei Tore und 1743 Einsatzminuten - die Zahlen sprechen deutlich für den 25-jährigen. Volltreffer Nummer zwei war der zweite Deal mit Weitsicht, denn der vom SC Hessen Dreieich engagierte defensive Mittelfeldspieler Daniel Henrich stand schon zu Eschborner Zeiten unter Leopolds Fittichen und erfüllte die Erwartungen der Verantwortlichen. Das aus Alzenau geholte Duo Noah Schmitt und Nahom Ogbay hatte indes weniger Einsatzminuten, kam aber zu regelmäßigen Einsätzen. Weitere Neue wie Vasilios Mantzafleris (eigene U19) und de Graft Amoah Kwafo (FSV Frankfurt U19) warten noch auf ihren Durchbruch und wurden überwiegend in der Zweiten Mannschaft (Gruppenliga Wiesbaden) gefördert.

In Erinnerung bleibt:

Das erste Saisonspiel in Walldorf verlief hochdramatisch, aus einer 2:1-Führung in der 88. Spielminute wurde noch eine bittere 2:3-Pleite. Im weiteren Saisonverlauf war wie gewohnt auf Torjäger Turgay Akbulut Verlass, der seit 2013 an der Mönchhofstraße spielt und sich als Goalgetter einen Namen gemacht hat. 154 Tore in 152 Ligaspielen für den FCE sind eine beeindruckende Bilanz des 28-jährigen Stürmers. In dieser Runde steht der wendige Standardspezialist schon bei 14 Buden.

Trifft Akbulut mal nicht, springen Mittelfeldleute wie Hendrik Dechert (acht Treffer) oder Christopher Krause (sieben Treffer) in die Bresche. Denkwürdig war der Auswärtssieg bei Hessen Kassel (2:1), denn die Nordhessen waren zuvor fast zwei Jahre daheim ungeschlagen geblieben. Im Hessen-Pokal war indes im Achtelfinale Endstation. Gegen Regionalliga-Aufsteiger FC Gießen, den der FCE in der Hessenliga als einziges Team zweimal besiegen konnte, setzte es eine 2:3-Niederlage. Zuschauertechnisch ist an der Staustufe am sogenannten "Super Sunday" stets einiges los.

Der Club hat drei Seniorenmannschaften im Spielbetrieb, diese tragen ihre Heimspiele sonntags nacheinander aus und viele ehrenamtliche Helfer sind dabei. Es wird darauf Wert gelegt, dass 45 Minuten zwischen den Spielen liegen, um den Teams ein vernünftiges Aufwärmprogramm zu ermöglichen. Beim Hessenliga-Team, das um 15.30 Uhr an der Reihe ist, sind 278 Fans im Schnitt mit von der Partie. Das Sportgelände verfügt über einen Rasen- und Kunstrasenplatz, ein zweiter Kunstrasen befindet sich im Bau.

Und weitere Baumaßnahmen werden auf dem am Mainufer gelegenen Sportgelände folgen. Im Frühjahr beginnt der Bau des neuen Multifunktionsgebäudes, das den bisherigen alten Kabinentrakt ersetzen soll. Gemütlich ist auch der Aufenthalt im Vereinsheim, wo nach der Hessenliga-Partie das "Trainergespräch" stattfindet. Eingeläutet wird dies übrigens mit der klassischen Erkennungsmelodie des "Aktuellen Sportstudios". Als Moderator fungiert Patrick Schuch, neben seiner Funktion als Stadionsprecher auch der Geschäftsführer des FCE.

Ausblick:

Auf den FC Eddersheim kommt ein spannendes Halbjahr zu. Dieses hat der Club mit dem Turniersieg beim prestigeträchtigen Offensiv-Cup in der Krifteler Kreissporthalle optimal begonnen. Das Hallenevent für einen guten Zweck wird seit 1987 ausgetragen und hat im Main-Taunus-Kreis einen großen Stellenwert. Nun gilt es den Fokus auf die Vorbereitung der Restrunde zu legen, um optimal aus den Startlöchern zu kommen.

Am 29. Februar kommt es bei der SG Barockstadt zu einem richtungsweisenden Duell bei den nur vier Punkte dahinter lauernden Fuldaern. Sollte bei den Osthessen ein Sieg gelingen und die Leopold-Truppe gut durch den März kommen erscheint vieles möglich, zumindest die Teilnahme an der Aufstiegsrunde.

Voraussetzung dafür ist neben Platz zwei auch die Einreichung der Lizenz-Unterlagen bei der Geschäftsstelle der Regionalliga Südwest in Karlsruhe. Stichtag dafür ist der 15. April. Der Verein verfügt mit "RM Stahl Flörsheim" über einen treuen Hauptsponsor, der dem Verein seit nunmehr 25 Jahren verbunden ist. Fakt ist: Der Verein arbeitet wirtschaftlich seriös und wird die Entscheidung zu gegebener Zeit gut abwägen.

Da die Zulassungsregularien für die Vierte Liga in Sachen Sportgelände nicht mehr ganz so umfangreich sind, erscheint Regionalliga-Fußball in Eddersheim zumindest vorstellbar, auch wenn die Parkplatzsituation im angrenzenden Wohngebiet zu denken gibt. Für Risikospiele wie gegen Kickers Offenbach wäre der Umzug in das nur 7,2 Kilometer auf der anderen Mainseite gelegene Stadion am Sommerdamm in Rüsselsheim eine mögliche Option.

Autor: Pedro Acebes

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