14.02.2020

Wird aus dem Trio erstmals ein Quartett?

Frauen-Hessen- und Verbandsliga: Gläserzell und Soisdorf stark

Das Derby zwischen Lütter (links Leona Henkel) und Gläserzell (rechts Fabiola Haumann) gab es in dieser Saison schon öfters. Kommen bald weitere Nachbarschaftsduelle hinzu? Foto: Charlie Rolff

Zum Abschluss unserer Torgranate-Analyse blicken wir auf den Frauenfußball in den überregionalen Ligen. Die Entwicklung kann sich definitiv sehen lassen, spielen vier von fünf osthessischen Teams schließlich gute bis sehr gute Rollen in Hessen- und Verbandsliga.

Die Lage

Mit Gläserzell, Lütter und Pilgerzell spielen drei Fuldaer Mannschaften im hessischen Oberhaus - das gab es zuletzt in der Saison 2012/13. Soisdorf könnte in der kommenden Spielzeit aus dem Trio ein Quartett machen, Stand jetzt würde die Mannschaft von Detlef Pabst die Aufstiegsspiele bestreiten. Dafür muss sich Pilgerzell in der Restrunde deutlich steigern, um nicht direkt wieder runter zu müssen, aktuell steht der TSV auf einem Abstiegsplatz.

Top

Der SV Gläserzell ist auf bestem Wege, die jahrelange Vorherrschaft in der Region zurückzuerlangen. Als Tabellendritter ist es sogar möglich, dass die Mannschaft von Felix Dorn bis zum Ende um den Aufstieg mitkämpft. Zwar führt der Weg von nur einem Team am Saisonende in die Regionalliga, bei fünf Punkten Rückstand (allerdings mit einem Spiel mehr) auf Primus Kickers Offenbach ist der SVG aber im Geschäft. Noch größere Hoffnungen darf sich Soisdorf in der Verbandsliga machen. Der Zweite – dort steht der SCS momentan – darf dort nämlich in die Aufstiegsspiele, auch Primus Hessen Kassel ist noch keineswegs enteilt, wenn die Nachholspiele gewonnen werden. Schon jetzt hat Soisdorf mehr Punkte geholt als im Vorjahr – dort wäre der letztjährige Aufsteiger mit einem Zähler weniger sogar abgestiegen, umso überraschender, dass nun von fast ganz oben gegrüßt werden darf.

Flop

Dass dem TSV Pilgerzell als Aufsteiger eine schwere Saison spielen würde, war zu erwarten, weshalb der Begriff "Flop" ein wenig zu hart ist. Dennoch war deutlich mehr drin für den amtierenden Verbandsliga-Meister, der erstmals in seiner Vereinsgeschichte Hessenliga spielen darf. Gerade zuletzt ging nichts für die Truppe von Marcus Neugebauer, nach sieben Niederlagen in Folge kam die Winterpause keineswegs ungelegen. Als Drittletzter liegt der TSV zurzeit auf dem ersten möglichen Abstiegsplatz, der aufgrund des wahrscheinlichen Regionalliga-Abstiegs von Neu-Isenburg wohl sicher in die Verbandsliga führt.

In Erinnerung bleibt

Schon vier Derbys gab es in der bisherigen Hessenliga-Saison, und wenn der SV Gläserzell dabei war, gab es immer den gleichen Sieger. Der ehemalige Regionalligist gewann alle drei Lokalduelle, auch der Regionalpokal wurde durch einen Finalsieg gegen Lütter gewonnen. Entsprechend konstatierte TSG-Coach Andre Kleinheinz schon früh, "dass wir anscheinend kein Derby können". Immerhin gab es gegen Pilgerzell ein 2:2-Unentschieden. Dafür lief der Saisonstart der Lütterer beim 12:0-Kantersieg gegen Bornheim umso besser, kein ansatzweise so hohes Ergebnis folgte in der ganzen Liga. Ganz anders lief in der Verbandsliga der Auftakt von Freiensteinau, nach vier Spielen standen null Zähler und 3:19-Gegentore zu Buche. Umso beeindruckender, wie sich die SGF nach der Übernahme von Trainer Stefan Fuchs entwickelte. 17 Punkte aus 9 Spielen gab es, weshalb der Neuling auf einem gesicherten Mittelfeldplatz überwintert.

Zahlenspiel

Beim Blick auf die Torschützen führt kein Weg an den Osthessen vorbei. In der Hessenliga steht Lütters Anne Schneider mit 17 Treffern aus 12 Spielen mit Abstand auf Platz eins, der 18-Jährigen gelangen schon fünf Treffer mehr als im Vorjahr. Gerade einmal volljährig ist auch Celine Gerhard, die bei den Torjägerinnen auf Rang drei mit elf Toren steht. Katharina Roth führt derweil die Torschützenliste der Verbandsliga an, mit 20 Treffern hat die Soisdorferin genauso viele erzielt, wie hinten insgesamt eingesteckt werden mussten. In Sachen Fairness sind insbesondere Gläserzell und Lütter vorbildlich, die beide mit nur vier Gelben Karten ganz vorne stehen.

Ausblick

Drei Faktoren müssen eintreten, damit erstmals überhaupt in der Hessenliga, wie wir sie heute kennen, vier Teams aus der Region Fulda spielen. Einerseits darf Gläserzell nicht über sich hinauswachsen: Mit einem Sieg im ersten Restrundenspiel in Offenbach wäre der Meisterschaftskampf völlig offen, wenngleich schon viel zusammenlaufen muss, damit der SVG noch Platz eins anvisieren darf. Dazu muss Pilgerzell noch mindestens eine Mannschaft hinter sich lassen, Großenenglis ist zum Beispiel nur einen Punkt weg. Und zu guter Letzt muss Soisdorf in der Verbandsliga noch einen Platz klettern oder die Aufstiegsspiele erfolgreich bestreiten, sofern ein Sprung in die höchste hessische Liga überhaupt als erstrebenswert angesehen sollte. Unmöglich ist es also keineswegs, dass aus dem Hessenliga-Trio erstmals überhaupt ein Quartett wird.

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