25.02.2020

„Haben uns zu lange zu viel gefallen lassen“

Hessischer Fußball-Verband zur Regelanpassung gegen Unsportlichkeiten

In der Rückrunde sollen die Schiedsrichter (hier Patrick Glaser) vermehrt gegen Unsportlichkeiten vorgehen. Foto: Charlie Rolff

Ab der Rückrunde hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Regelanpassung (siehe Infobox) gegen Unsportlichkeiten in Kraft gesetzt. Diese gilt auch für die hiesigen Amateurligen in Hessen, wie der Hessische Fußball-Verband (HFV) auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte.

Vorgehensweise

Der Verbands-Schiedsrichter-auschuss hat die Kreislehrwarte, die wiederum die Schiedsrichter in Kenntnis setzen, über die neue Auslegung des DFB in einem Brief informiert. Eine direkte Anweisung an die Unparteiischen sei laut Verbandslehrwart Andreas Schröter noch nicht erfolgt. „Hoffentlich bringt die Maßnahme eine größere Akzeptanz der Entscheidungen auf den hiesigen Sportplätzen. Die Schiedsrichter sind aber schon seit jeher angehalten, Kritik an ihren Entscheidungen zu unterbinden“, betont Andreas Schröter.

Dabei seien aber die Regelhüter mit unterschiedlichen Voraussetzungen ausgestattet. Es sei ein Unterschied, ob ein Schiedsrichter eine Partie im Gespann oder alleine leitet. „Die Erfahrung, das richtige Werkzeug zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen, ist jetzt die Herausforderung. Diese Erfahrung wollen und können wir unseren Unparteiischen auch nicht nehmen. Dennoch ist es ein gutes Zeichen, wenn durch die Profiligen ein Zeichen des Respekts und des anständigen Miteinanders gesetzt wird“, ergänzt der Verbandslehrwart.

Bereits im vergangenen Jahr wurden die Schiedsrichter der Hessen-, Verbands- und Gruppenliga angehalten, einen stringenteren Kurs im Umgang mit Unsportlichkeiten beim Ballblockieren oder Ballwegschlagen nach dem Pfiff zu fahren. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass binnen weniger Spieltage sowohl die Mannschaften als auch die Trainer diese Linie akzeptierten“, informiert Andreas Schröter. Die Schiedsrichter-Lehrwarte werden im März im Rahmen einer Tagung die weitere Umsetzung beraten.

Ziel

„Wir versprechen uns mehr Fair Play und mehr Respekt gegenüber Schiedsrichtern, Gegenspielern, Mitspielern und Zuschauern. Nur wenn eine Unsportlichkeit eine spürbare Konsequenz hat und geahndet wird, wird sie auch als solche wahrgenommen“, erklärt Andreas Schröter.

Entwicklung

„Schiedsrichter standen schon immer in der Kritik, und das ist auch bis zu einem gewissen Grad normal und akzeptabel“, erklärt Christoph Schröder, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit. Auch dürfe die Vergangenheit nicht verklärt werden und man könne so tun, als sei früher alles harmonisch und problemfrei gewesen. Die Entwicklung im Umgang mit Schiedsrichtern müsse in einem gesellschaftlichen Kontext gesehen werden. „Autoritäten werden prinzipiell schneller in Frage gestellt. Denken Sie an Lehrer, Polizisten oder Rettungssanitäter. Insofern ist da in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schleichend ein Prozess vonstattengegangen, der die Akzeptanz und den Respekt gegenüber den Schiedsrichtern unterwandert hat.“

Tendenz

Rein quantitativ könne nicht gesagt werden, dass Schiedsrichter vermehrt in der Vergangenheit angegangen wurden. „Aber selbst, wenn die reine Zahl der Angriffe nicht gestiegen sein sollte, stellen wir doch fest, dass die Qualität der Gewalt, die Heftigkeit und auch die Nichtigkeit, bei denen Gewalt gegen Schiedsrichter auftritt, sich verändert haben“, blickt der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit auf eine Tendenz.

Vorbildfunktion

Dass die Spieler aus den Profiligen mit ihrem Umgang mit den Schiedsrichtern negativen Einfluss auf die Amateurligen nehmen, bejaht Christoph Schröder: „Wenn bei jedem glasklaren Einwurf oder Freistoß mehrere Spieler gestikulierend vor dem Schiedsrichter stehen und dies Millionen Menschen vor den Bildschirmen sehen, entsteht der Eindruck, dass das normal und tolerierbar sei. Das ist es nicht. Alles, was Sie am Samstag in der Bundesliga sehen, sehen Sie am Sonntag in der Kreisliga. Wir haben uns zu lange zu viel gefallen lassen.“

Regelanpassung

Ab der Rückrunde sind die Schiedsrichter dazu angehalten, bei folgenden Unsportlichkeiten die Spieler mit einer Gelbe Karte zu bestrafen:

Fordern von Gelb für Gegenspieler.
Außenwirksames Gestikulieren (Abwinken) und Reklamieren.
Höhnische oder respektlose Gesten.
Jede Form aggressiven Verhaltens gegenüber dem Schiedsrichter.
Mobbing („Umzingeln“ des Schiedsrichters).
Zeitspiel oder Verhinderung einer schnellen Spielfortsetzung.
Simulation (ohne klaren Kontakt des Gegners).
Auslösen einer Massenkonfrontation (Rudelbildung).

Autor: Michel Ickler

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