13.03.2020

Damm: "Jede Menge Geld geht flöten"

Hessen Kassel muss Einbußen in Kauf nehmen / Neuhofs Bär gelassen

Eine Mannschaft, die sich auf 90 Minuten Fußball einschwört und volle Zuschauerränge. Zumindest bis Ostern ist ein solches Szenario ausgeschlossen. Foto: Johannes Götze

Die Kluft in der Hessenliga zwischen Spitzen- und Kellerteams ist immens. Deutlich wird dies am Beispiel des KSV Hessen Kassel sowie des SV Neuhof, denn während die Nordhessen immense wirtschaftliche Einbußen zu verzeichnen haben, berührt es die Osthessen kaum.

„Derzeit befürchte ich nichts. Nach aktuellem Stand wird wieder ab Ostern gespielt, so dass wir die Saison normal beenden“, stellt Neuhofs Trainer und Sportlicher Leiter Alexander Bär heraus. Derartige Probleme gesellen sich ohnehin nicht zu seinem Verein, denn von Amateurverträgen der Spieler oder überdimensionalen Ausgaben sieht der SV Neuhof ab. „Es gibt seit einigen Jahren keine Verträge mehr mit den Akteuren. Der finanzielle Rahmen hält sich bei uns völlig in Grenzen“, betont Bär, den deshalb die derzeitige Lage in wirtschaftlicher Hinsicht unberührt lässt. Gedanken macht sich der 48-Jährige erst, sollte eine Komplettabsage der Saison im Raum stehen.

Leichtes Kopfzerbrechen bereiten ihm einzig einiger seiner Spieler, die die Unterbrechung der Saison nutzen, um in die Heimat nach Spanien, Griechenland oder Nordmazedonien zu reisen. Bei den derzeit stündlichen Meldungen über Neuerungen im In- und Ausland besteht die Gefahr, dass schnell die Grenzen geschlossen werden und somit dem Bär-Team wichtige Spieler fehlen. „Wir haben viele Jungs aus dem europäischen Ausland, da ist doch klar, dass wir uns Gedanken machen. Allerdings sind wir Amateure, somit verbiete ich niemandem die Reise zu seiner Familie. Ich denke aber, dass alle ohne Probleme wieder zurückkommen. Sollten Grenzen geschlossen werden, werden wir ab Ostern wohl auch nicht wieder Fußball spielen“, stellt Bär klar, der zudem betont, „dass viele unserer Spieler mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt in der Region haben.“

Der Coach selbst hat derweil festgelegt, dass der Trainingsbetrieb bis zum 31. März ruhen wird. Orientieren tut sich Bär dabei an den Empfehlungen des Hessischen Fußball-Verbandes: „Das hat ja Gründe. Als Funktionär stehst du in der Verantwortung. Du kannst ja nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen. Jeder ist nun gefordert und muss vorsorglich handeln.“

Aufstiegsspiel weit weg

Eine letzte Trainingseinheit hat derweil Aufstiegsanwärter Hessen Kassel am Freitagnachmittag eingelegt, in der kommenden Woche ruht der Betrieb dann. „Die Spieler haben aber einen individuellen Laufplan erhalten“, erklärt Trainer Tobias Damm.

Der KSV ist der Hessenliga-Club, dem die Einstellung des Spielbetriebs wohl am meisten weh tun wird. Bei durchschnittlich fast 1500 Anhängern pro Heimspiel – der Zweitplatzierte SG Barockstadt hat nicht einmal halb so viele – sind die Löwen wie kein anderer Verein auf die Zuschauer-Einnahmen angewiesen. „Alleine nächste Woche gegen Baunatal hätten wir mit 3500 Zuschauern kalkuliert. Jede Menge Geld geht flöten, keine Frage“, weiß Damm. Wie die wirtschaftlichen Einbußen gedeckt werden sollen, das will der Vorstand in einer Sitzung am Montag beraten. Bislang werden die Spieler aber normal weiter bezahlt, wenngleich durch den Verlust der Prämien eine Menge wegfällt.

Hätte der Hessische Fußball-Verband den Spielbetrieb übrigens nicht vollständig eingestellt, hätte Hessen Kassel am Samstagnachmittag gegen Hanau vor einer Geisterkulisse gespielt. „Es geht schließlich um Punkte, auch wenn das finanziell natürlich nicht gut gewesen wäre“, betont der KSV-Coach, der damit rechnet, dass auch an Ostern noch nicht wieder gespielt wird. „Ich denke, wir sind erst am Anfang. Dann müsste man auch schauen, was bei einem Abbruch passieren würde.“ An ein Aufstiegsspiel ist derzeit kaum zu denken. / tok, kol

Kommentieren