24.03.2020

Und plötzlich sind die Spieler frei ...

Ende April könnten die ersten Akteure ohne Freigabe und Ablöse wechseln

Wenn keine Regelung durch die Fifa oder den DFB kommt, dann müssen die Vereine bei wechselwilligen Spielern auf jede Ablöse verzichten, während der ein oder andere Spieler vielleicht seine Chance auf ein Handgeld wittert. Foto: Charlie Rolff

Kann das Gros der hessischen Amateurfußballer schon bald, ohne jede Wartefrist, quasi mitten in der Saison den Verein wechseln? Paragraf 121 der HFV-Spielordnung legt diesen Schluss nahe.

Unter Absatz 2f) heißt es, dass eine Wartefrist entfällt, wenn der Spieler sechs Monate lang kein Pflichtspiel bestritten hat. Freundschaftsspiele hebeln diese Regelung nicht aus.

Abgesehen von den Hessenligisten und den meisten Verbandsligisten, die vor dem Corona-Shutdown noch einmal in Pflichtspielen auf dem Platz standen, sind nahezu alle anderen Vereine bis hinab in die C-Liga betroffen. Und wer besonders früh in die Winterpause ging, dem droht schon Ende April oder früh im Mai der Ernstfall. Beispiel Gruppenliga: Schon am 4. Mai wäre die Sechs-Monats-Frist für die meisten Clubs abgelaufen. 2020 waren mit Oberzell/Züntersbach, Petersberg, Eiterfeld/Leimbach, Kerzell, Hünfeld II und Elters/Eckweisbach/Schwarzbach erst sechs Mannschaften im Pflichtspieleinsatz. Alle dort nicht eingesetzten Spieler wären frei.

Noch krasser ist das Beispiel zweier A-Ligisten. Die SG Rommerz und die SG Reulbach/Brand absolvierten das letzte Pflichtspiel am 27. Oktober, also könnte hier schon am 28. April Paragraf 121 akut werden, sämtliche Spieler ohne Ablöse und Freigabe könnten das Weite suchen.

„Wir sind uns dieser Gefahr absolut bewusst. Wir befinden uns in einer totalen Ausnahmesituation und brauchen eine Ausnahmeregelung“, sagt Schlüchterns stellvertretender Kreisfußballwart Harald Maienschein.

HFV hat die ersten Schritte eingeleitet

HFV-Justiziar Torsten Becker und seine Kollegen sind bereits tätig geworden. „Das Szenario ist bei uns angekommen, und wir haben insofern bereits gehandelt, dass wir die Thematik beim DFB platziert haben. Der DFB hat das an die Fifa weitergeleitet, die über diesen Sachverhalt entscheiden muss.“ Becker hofft auf eine schnelle Reaktion und betont: „Wir beim HFV haben keinen Einfluss darauf, wann da eine entsprechende Entscheidung gefällt wird.“

Weil sie schon gespielt haben, sind die drei heimischen Hessenligisten SG Barockstadt, SV Neuhof und SV Steinbach gesichert. Und auch die Verbandsligisten (außer Ehrenberg und Eichenzell) haben zumeist schon erste Spiele 2020 auf dem Buckel und sind damit quasi raus aus der gefährlichen Nummer.

„Das ist tatsächlich eine extreme Situation. Bei uns in Bad Soden hätte ich zwar keine Angst, dass Spieler einen solchen Weg gehen würden und während der Runde wechseln. Aber das kann manch einem Verein durchaus passieren. Menschlich wäre das fatal. Ich würde so etwas nicht begrüßen und mit so einer Persönlichkeit würde solch ein Spieler auch überhaupt nicht zu uns passen“, sagt Anton Römmich, Trainer der SG Bad Soden.

Doch Römmich ist ehrlich genug, um auch einzuschränken: „Sollte man mit dem Spieler bereits im Winter oder vergangenen Sommer gesprochen haben und es sich abgezeichnet haben, dass er im Juli ohnehin zu uns kommen will, dann muss man sich Gedanken machen. Ansonsten würden wir in Bad Soden aber niemanden verpflichten.“

In diesen Tagen findet eine Videokonferenz zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den einzelnen Landesverbänden statt. Darin sollen die Probleme erörtert werden, die durch den ruhenden Spielbetrieb auf den Amateurfußball zukommen. Dann kommt auch der Paragraf 121 auf den Tagesordnungspunkt.

Aus der Spielordnung des Hessischen Fußball-Verbandes:

§ 121 Wegfall der Wartefristen beim Vereinswechsel von Amateuren
2. In folgenden Fällen entfällt die Wartefrist, ohne dass es zum Vereinswechsel der Zustimmung des abgebenden Vereins bedarf.
f) Wenn das letzte Pflichtspiel des Amateurs nachweislich länger als sechs Monate zurückliegt. Entsprechendes gilt für Vertragsspieler mit der Maßgabe, dass die Frist mit dem Ablauf des Vertrages, mit seiner einvernehmlichen Auflösung oder seiner wirksamen fristlosen Kündigung beginnt.

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