Karamatic-Interview

„Die Verletzungsgefahr ist riesig“

Johannesbergs Coach Karamatic über die Planungen und Gefahren in der Vorbereitung

Zeljko Karamatic ist mit seinen Planungen weitgehend fertig und hofft nun, dass die Landesregierung bald grünes Licht für einen Saisonstart geben wird. Foto. Charlie Rolff

Die Corona-Zeit macht den Trainern ihre Arbeit schwer: An vernünftige Einheiten ist kaum zu denken, die Planungen stocken, die Ungewissheit, ob es tatsächlich im September wieder losgehen kann, ist groß. Wir sprechen mit Johannesbergs Coach Zeljko Karamatic (47) über die Lage.

So langsam scheint ein Silberstreif am Horizont aufzuflackern: Anfang September soll es wieder losgehen. Was bedeutet das für Sie und Ihre Planungen?

Es geht momentan alles sehr langsam. Wir haben nun verabredet, dass wir am kommenden Freitag, dem 10. Juli, wieder mit lockerem Training anfangen. Dazu sind dann auch die Sponsoren eingeladen. Wichtig ist, dass wir positiv und zuversichtlich nach vorne schauen. Die Vorbereitung wird länger sein als normal, weil ich erst einmal gute zwei Wochen ganz sachte an die Trainingseinheiten herangehen will. Die Verletzungsgefahr ist durch die lange Pause einfach riesig. Man muss sich das mal überlegen: Wir haben seit November des vergangenen Jahres, in acht Monaten, ein einziges Spiel bestritten. Ab Anfang August geben wir dann vier Wochen richtig Gas.

Sie haben zwischendrin aber auch schon ein bisschen Training angeboten.

Seit den Lockerungen treffen wir uns wieder. Dabei geht es mir darum, dass wir immer mal die Spieler zusammen haben. Wir spielen ein bisschen Fußballtennis und solche Sachen. Es geht aber fast mehr um den zwischenmenschlichen Kontakt, um den Spaß.

Was kommt nach der langen Pause auf uns alle zu?

Es wird alles anders sein als vor Corona. Das ist nicht so, als wenn du, so wie sonst gewohnt, mal drei Wochen Pause gemacht hast und dich dann wieder auf eine Runde vorbereitest. Ich bin auch überzeugt, dass die Ligen ein bisschen durchgemischt werden, denn ich könnte mir schon vorstellen, dass der ein oder andere die Pause besser übersteht, aber mancher Verein auch ganz schön Probleme bekommen wird. Vieles wird davon abhängen, dass du erst einmal möglichst ohne Verletzungen durch die Vorbereitung kommst, um die Spieler wieder fit zu bekommen. Schwerere Verletzungen in der Vorbereitung wären nach der langen Pause fatal. Ich sehe da aber bei niemandem einen Vor- oder Nachteil, denn alle fangen komplett bei null an.
Dazu wird es auch zuschauertechnisch Veränderungen geben. Zunächst müssen wir sehen, ob überhaupt wieder Leute zu den Spielen kommen dürfen. Und dann stellt sich die Frage: Wer hat sofort wieder Interesse am Fußball? Das wird eine Zeit dauern, ehe sich das alles wieder normalisiert.

Wie sehen Ihre Planungen für die nächsten Wochen aus? Terminieren Sie beispielsweise schon fest ihre Testspiele?

Man muss vor allem flexibel sein, aber das sind die meisten der Trainerkollegen, mit denen ich Kontakt habe. Dass wir in der Vorbereitung länger trainieren und das Training anders aufbauen, das habe ich ja bereits gesagt. Was die Testspiele angeht, da eröffnen wir am Wochenende des 15., 16. Augusts mit den Spielen gegen Regionalligist Hessen Kassel und HessenligistSV Steinbach. Mit Kassels Trainer Tobias Damm habe ich die B-Lizenz gemacht und ich bin froh, dass wir so einen Gegner zum Auftakt haben. Auch die Wochenenden danach spielen wir doppelt, jeweils am Freitag und am Sonntag: erst gegen Lütter und Hünfeld, dann gegen Petersberg und den VfB Marburg. Dazu könnte es noch zwei Spiele gegen Eiterfeld und Müs geben, aber das hängt davon ab, ob mögliche Lockerungen vielleicht schon früher in Kraft treten. Wir spielen übrigens alle Testspiele zu Hause.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenstellung Ihres Kaders?

Nach den Abgängen von Marcel Mosch, Marius Löbig und JanRintelmann habe ich erst mal geschluckt. Auch Alex Rexius hat auf der Sechs eine starke Saison gespielt. Aber ich bin sehr zufrieden, wie wir aufgestellt sind. Der Kader wird breiter und ein paar junge Leute kommen dazu. Das ist eine gesunde Mischung.

Mit welcher Zielsetzung geht die SGJohannesberg in die Saison 2020/2021?

Wir reden nicht über Ziele. Mein Motto ist: Ich will immer gewinnen. Egal ob Punkt- oder Pokalspiel, ob in einem Test oder im Training.

Es wird Ihre zweite Saison in Johanensberg und Sie kennen den Verein ja auch noch aus Ihrer ersten Zeit dort. Was macht die SGJ aus?

Hier sind für Trainer und Mannschaft alle Möglichkeiten gegeben. Auch nach dem Training: Das Sportlerheim hat jeden Tag geöffnet. Man kann dort nach dem Training auch noch was Leckeres essen, es läuft Fußball. Ich fühle mich pudelwohl. Auch wegen dem Vorstand: Es wird viel diskutiert, aber am Ende gibt es eine klare Meinung.

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