Kommentierende Analyse

Notbremse wird K.o. besiegeln

04. März 2021, 18:30 Uhr

Torgranate-Redakteur Johannes Götze kommentiert die aktuelle Situation. Foto: Siggi Larbig

Die Notfallstrategie des Landes Hessen wird dem Amateurfußball für diese Spielzeit den Garaus machen. Eine Annullierung ist nun unvermeidbar. Eine kommentierende Analyse.

Ob dies der Hessische Fußball-Verband genauso sieht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Heute tagt die Spitze des Spielbetriebs in zwei Video-Konferenzen, um sich eine erste Meinung zu bilden. Abgesagt wurde in diesem Zuge bereits die Vereinssprechstunde in der kommenden Woche. Zunächst will der HFV mit den Kreisfußballwarten am kommenden Donnerstag in Klausur gehen, anschließend virtuelle Kreiskonferenzen organisieren, um die Stimme der Vereine zu hören. Doch all das zögert lediglich die einzig mögliche Entscheidung hinaus.

Da die Notbremsestrategie dem Land Hessen in Windeseile den Kontaktsport untersagen kann, ist eine vernünftige Planung nicht mehr möglich. Die Saison könnte nur glattlaufen, wenn im Landesschnitt eine Inzidenz unter 50 erreicht wäre – und stabil bliebe. Stand jetzt eine Utopie. Und da der HFV als Verband eine tragfähige Entscheidung für alle Fußballkreise treffen sollte und Planungssicherheit benötigt, ist ein vorzeitiges Saisonende die einzige Möglichkeit. Allerdings kann in dieser Saison im Gegensatz zum Vorjahr kein Abbruch mit Wertung nach Quotientenreglung zur Debatte stehen, schließlich haben manche Teams nicht mal ein Drittel der Saisonspiele absolviert. Eine Annullierung ist die einzige Möglichkeit. In der kommenden Saison muss von Null gestartet werden. Auf- oder Absteiger darf es nach so wenigen Spielen nicht geben.

Mit einer Ausnahme: Da die Regionalliga Südwest ihre Saison wahrscheinlich regulär zu Ende spielen kann, wird es Absteiger in die Hessenliga geben. Doch gibt es sogar Aufsteiger in die Regionalliga? Die Entscheidung trifft nicht der Hessische Fußballverband, sondern der Gesellschafterausschuss der Regionalliga Südwest GbR, dem sieben Landesverbände angehören. Die SG Barockstadt darf als Tabellenführer genau wie der SC Hessen Dreieich als Tabellenzweiter hoffen. Grundsätzlich steigt der jeweilige Meister aus den drei zugehörigen Oberligen auf, zudem ein viertes Team aus einer Aufstiegsrunde mit den Tabellenzweiten. Entscheidet sich der Gesellschafterausschuss gegen Aufsteiger, dürften Anwälte der sich um den Aufstieg geprellt fühlenden Vereine sich bereits in Habtachtstellung befinden.

Während es für die Punktrunde düster aussieht, könnte der Verband für die Pokalwettbewerbe noch ein Hintertürchen offenlassen – und den Kreisen hier freie Hand gewähren. Ist im Mai Fußball – vielleicht sogar vor Publikum – möglich, könnte in den verbleibenden Kreispokalspielen der Fußball zeigen, dass er noch da ist. Anders ist die Gemengelage im Hessenpokal, an dessen Ende ein DFB-Pokal-Teilnehmer feststehen soll. Dieser darf nicht zu einer Spaßveranstaltung verkommen, den Teilnehmern wie der SG Barockstadt oder dem Hünfelder SV muss genug Vorlauf gewährleistet werden. Da der HFV hier allerdings das Leid vieler anderer Landesverbände teilt, kann eine Verlängerung der Hessenpokalrunde bis in den Juli hinein der griffige Lösungsansatz sein.

Und der HFV sollte bereits jetzt die Weichen stellen – für eine reibungslosere Saison 21/22. Im Vorjahr ist der Verband so wie viele andere Institutionen sehenden Auges in die jetzige missliche Situation geschlittert. Heute kann niemand behaupten, dass die kommende Hessenliga-Saison mit vielleicht 38 Spieltagen durchgestanden wird. Ligateilungen müssen keine Ausnahme bleiben – sondern die Regel werden für Staffeln mit über 14 Teams. Und hat ein Verein mal nur 20 Saisonspiele, damit aber eine Saison beendet, es wäre besser als eine dritte unvollendete Serie in den Geschichtsbüchern. Dem Amateurfußball würde es in schweren Zeiten gut zu Gesicht stehen.

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