Interview mit Joshua Herbert

100 Euro von Opa, dann ging‘s los

31. März 2021, 08:02 Uhr

Joshua Herbert ist Schiedsrichter aus Leidenschaft, kann mit dem Ball umgehen und versucht seine Passion auch jüngeren Kameraden nahezubringen. Foto: Charlie Rolff

Mit Regionalliga-Referee Joshua Herbert war am vergangenen Samstag ein prominenter Gastdozent Teil des Neulingslehrgangs im Kreis Lauterbach/Hünfeld. Im Interview erinnert sich der 26-jährige Gotthardser an seine Anfänge als Schiedsrichter zurück.

Können Sie sich noch an Ihre ersten Schritte auf dem Weg zum Schiedsrichter erinnern?

2008 müsste das gewesen sein, da war ich 13 Jahre alt. Ich habe auch deshalb mit der Schiedsrichterei begonnen, weil mein Opa mich dafür mit einem 100-Euro-Schein belohnen wollte. Damals waren beim Neulingslehrgang noch 25 bis 30 neue Schiedsrichter dabei – darunter viele junge Leute. Heute sind es leider nicht mehr ganz so viele.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie einen erfolgreichen Weg einschlagen können?

Spaß gemacht hat es mir von Anfang an, auch bei den Spielen in den jüngeren Junioren-Klassen. Bis zum Übergang zwischen A- und B-Jugend habe ich noch selbst gespielt und bin zweigleisig gefahren. Es war schwer, das alles stets aufrechtzuerhalten. Sonntagsmorgens um 11 Uhr habe ich selbst gespielt, später um 15 Uhr dann in der Kreisoberliga gepfiffen. Ich musste mich irgendwann entscheiden, wo die Reise hingehen soll.

Fiel Ihnen die Entscheidung gegen die eigene Fußballerlaufbahn schwer?

Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich das Fußballspielen liebe. Es war nicht einfach für mich. Aber ich habe geschaut, wo ich weiterkommen könnte. Und – so ehrlich musste ich sein – in der Schiedsrichterei habe ich bessere Chancen gesehen und deshalb den Fokus darauf gelegt. Aber ich trainiere selbst heute noch immer mal wieder mit. Es hilft mir dabei, Wettkampfpraxis zu bekommen, ist aber auch für mein Gefühl als Schiedsrichter ungemein wichtig. Denn so weiß ich, wie beispielsweise ein Luftzweikampf geführt wird.

Gerade am Anfang Ihrer Laufbahn haben Sie ungemein viele Spiele geleitet, nicht selten mehr als 100 Partien im Jahr. Wie kam es dazu und welche Auswirkungen hatte dies auf Ihren Werdegang?

Ich habe mich nicht dafür beworben, so viel zu pfeifen. Vielmehr machte sich der Schiedsrichter-Schwund bemerkbar. Während der Schulzeit hatte ich genug Freizeit, so dass es nie zum Problem für mich wurde. Und meine Freundin, mit der ich schon seit vielen Jahren zusammen bin, kennt mich nicht anders. Später wurde es schon schwieriger, Berufsleben und Privates unter einen Hut zu bekommen. Geholfen hat es mir zudem, weil man gerade in jungen Jahren viele Fehler macht und viel schneller lernt, mit diesen Situationen umzugehen. Wahrscheinlich bin ich dadurch zügiger aufgestiegen.

Inwiefern haben Sie sich als Schiedsrichter im Laufe der Jahre verändert?

Als junger Schiedsrichter liegt es vermutlich in der Natur der Sache, dass man mit hoher Entscheidungsqualität und Kompromisslosigkeit aufzutreten versucht. Schließlich genießt man nicht das Standing eines erfahrenen Kollegen. Dadurch verteilt man gerne mal die ein oder andere Karte zu viel. Aber im Laufe der Zeit wird man souveräner und vor allem emphatischer. Im Umgang mit Spielern und Verantwortlichen macht man einen Schritt nach vorne.

Welchen Tipp geben Sie einem Schiedsrichter-Neuling wie mir mit auf den Weg?

Ich wünsche Durchhaltevermögen. Es wäre total schade, wenn man nach drei oder vier Spielleitungen mit ein wenig Gegenwind sofort wieder die Segel streicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man sich so etwas schnell zu Herzen nimmt – es einem aber deutlich schlimmer vorkommt, als es in Wirklichkeit ist. Und wenn man sich erst einmal eingelebt hat in der Schiedsrichter-Welt, möchte man nicht mehr so schnell loslassen.

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