17.11.2015

500 Talente wollen (wieder)entdeckt werden

Auch mehrere Osthessen spielen beim Sichtungsprojekt in Bad Kissingen vor

Sebastian Alles vom Hünfelder SV (rechts) zählte zu den Teilnehmern. Foto: Viktoria Goldbach

1200 Bewerbungen waren eingegangen, 500 Fußballer dürfen nun auf eine zweite (oder gar eine erste) Chance im Profifußball hoffen: Seit gestern macht das Projekt (wieder)entdeckt Station in Bad Kissingen. Ehemalige Profifußballer wie Weltmeister Thomas Häßler nehmen dabei Talente ab 18 Jahren unter die Lupe, die ihr Können in einer etwa 100-minütigen Einheit zeigen können. Mit dabei waren auch mehrere Osthessen.

Schon die Trainingsbekleidung der Spieler, die am Dienstagmorgen in der ersten Gruppe des Tages mit von der Partie sind, lässt auf gutes Niveau hoffen: Logos von Eintracht Frankfurt oder Darmstadt 98 sind neben den Schriftzügen zahlreicher Vereine zu sehen. In Hessen und Bayern, teilweise auch überregional, war vorab über die Sichtungstermine von (wieder)entdeckt berichtet worden, sodass junge Kicker aus mehreren Bundesländern nach Bad Kissingen gekommen sind. Und so berichtet Markus Müller, der sich vor allem um die Pressearbeit des Projekts kümmert, von rund 1200 Bewerbungen, die für die ersten Einheiten eingegangen waren.

Insgesamt 500 Kicker bekommen nun aufgeteilt in neun Gruppen die Möglichkeit, sich vor Ex-Profis wie „Icke“ Häßler, Torwart-Trainer Richard Golz oder dem ehemaligen HSV-Trainer Michael Oenning zu zeigen. Gesichtet wurde am Dienstag anhand mehrerer Spiele, die auf einem kleineren Feld ausgetragen wurden. An drei Tagen finden jeweils drei Einheiten statt, jeder Spieler hat nur einmal die Möglichkeit, dem Trainerteam aufzufallen. „Gestern hätten wir aus den anwesenden Spielern sicherlich schon eine gute Oberliga-Mannschaft machen können“, berichtet Markus Müller.

Mehrere Osthessen vor Ort

Als gut erachtet auch Sebastian Alles das Niveau der Anwesenden. Der Mittelfeldspieler des Verbandsligisten Hünfelder SV hat mit Burghauns Torwart Daniel Heinrich die Reise nach Bayern auf sich genommen. Nicht unbedingt mit großen Hoffnungen, aber vor allem aus Interesse. Allerdings betont auch Alles: „Ich möchte natürlich auch so hohe Ziele wie möglich erreichen im Fußball.“ Während seiner Zeit in den Nachwuchsteams von Carl Zeiss Jena habe ihm vor allem „das Körperliche“ noch etwas gefehlt. Überbewerten möchte er die Chance in Bad Kissingen natürlich nicht, zumal er für sein BWL-Studium von Februar 2016 an für ein Semester ins Ausland gehen wird.

„Ich will neue Erfahrungen mitnehmen, neue Leute kennenlernen. Außerdem ist mit Richard Golz ja ein Torwart dabei, den man selbst früher noch in der Bundesliga gesehen hat“, erklärt Daniel Heinrich seine Beweggründe. Der Keeper von Gruppenligist Burghaun hatte während der Trainingsspiele am Dienstagmorgen einen sehr guten Eindruck bei den umstehenden Beobachtern hinterlassen und will sich nun überraschen lassen, ob er eine Einladung für die weiteren Sichtungstermine, sozusagen den „Recall“, erhalten wird. Am 1. und 2. Dezember wird der (wieder)entdeckt-Tross dann auch in Lehnerz gastieren.

„Die Jungs sind alle sehr engagiert und mit viel Herzblut dabei. Ich unterstütze das Projekt, weil es viele Spieler gibt, die beim ersten Mal vielleicht durch das Raster gefallen sind. Ich finde die Idee einfach gut, so etwas gab es bei uns früher nicht“, erklärt Thomas Häßler, der am Dienstag unter anderem von Michael Sternkopf (unter anderem Bayern München) oder dem Ex-Trainer des Hamburger SV, Michael Oenning, unterstützt wurde.

Mit vielen Eindrücken hat auch Thomas Bauer, Angreifer von A-Ligist TSV Schmalnau, am Dienstag die Heimreise angetreten. Der 21-Jährige, der in der Jugend für die TSG Lütter am Ball war, musste sich zunächst vor allem an das Tempo im Sichtungstraining gewöhnen: „Die Anforderungen waren schon hoch, alles ist natürlich viel schneller. Aber daran kann man sich gewöhnen“, so der Stürmer, der nun auf den Einzug in Runde zwei hofft. Neben Alles, Heinrich und Bauer hatten bereits am Montag mehrere Osthessen vor Häßler und Co. vorgespielt.

Spieler, die in allen Sichtungsphasen überzeugen, werden letztlich ins Förderprogramm von (wieder)entdeckt aufgenommen. Dabei erhalten die Fußballer auf sie persönlich abgestimmte Tipps. „Ziel des Förderprogramms ist es, in Anlehnung an deine Leistungs- und Persönlichkeitsanalyse diese Potenziale (weiter) zu entwickeln, fördern und zu stärken, dass du mindestens den Anforderungen als Fußballprofi der 3. Liga oder sogar 2. oder 1. Fußball-Bundesliga gerecht wirst“, heißt es auf der Webseite www.wiederentdeckt.de.

Autor: Viktoria Goldbach

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