Heute vor ...

5000 Zuschauer beim Hessenpokal-Finale in Fulda

Heute vor zehn Jahren: Wolf verlor mit Kassel gegen Offenbach

11. Mai 2020, 09:00 Uhr

Nicht nur in der Offenbacher Kurve war am 11. Mai 2010 in Fulda richtig viel los. Foto: Charlie Rolff

Auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass zum letzten Mal ein Hessenpokal-Finale in Fulda stattfand. Und das Spiel hatte es ordentlich in sich: Mit Kickers Offenbach und Hessen Kassel trafen sich zwei Traditionsvereine in der Johannisau.

Der heutige Stammtorwart der SG Barockstadt, Tobias Wolf, war vor zehn Jahren Protagonist, der inzwischen 31-Jährige hütete damals das Tor des KSV Hessen Kassel. "Es herrschte eine riesige Euphorie, das Spiel zwischen Offenbach und Kassel birgt ja ordentlich Brisanz. Entsprechend waren wir alle heiß wie Frittenfett", erinnert sich Wolf. 5000 Zuschauer waren in der ausverkauften Johannisau vor Ort, 400 Polizeibeamte und weitere 200 professionelle Sicherheitskräfte sorgten dafür, dass die rivalisierten Fanlager weitläufig getrennt wurden.

An das Spiel selbst hat Wolf derweil keine allzu guten Erinnerungen: Obwohl der Underdog aus der viertklassigen Regionalliga, Hessen Kassel, gegen den Favoriten aus der Dritten Liga, Kickers Offenbach, die bessere Mannschaft war, gab es am Ende eine 1:2-Niederlage. In der 90. Minute erzielte Mirnes Mesic den Siegtreffer für den OFC. "Das war für uns sehr ärgerlich, wir wären gerne in den DFB-Pokal eingezogen", so Wolf.

Stattdessen spielte Offenbach im DFB-Pokal, warf dort zunächst den VfL Bochum (3:0) und anschließend den späteren deutschen Meister Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp (4:2 nach Elfmeterschießen) raus. Teil des Kickers-Kaders in dieser Saison war auch Tobias Wolf, dessen Wechsel vom Hessenpokal-Finalisten zum Hessenpokal-Sieger eine gute Woche später publik wurde. "Mit Offenbach hatte ich vor dem Endspiel noch gar nicht gesprochen. Ich war in den finalen Gesprächen mit Kassel und sollte dort die Nummer eins werden. Ich wollte aber schnellstmöglich den nächsten Schritt machen", erinnert sich der gebürtige Hauswurzer.

Andreas Möller meckerte über die Bedingungen

Wolf wurde beim Drittligisten, der furios startete, am Ende aber nur Siebter wurde, die Nummer zwei, vier Mal kam er in der dritten Liga zum Einsatz. "Ob der Wechsel richtig oder falsch war, weiß man nie. Ich konnte aber zumindest Drittliga-Luft schnuppern. Wobei ich sagen muss, dass ich in Kassel die beste fußballerische Zeit hatte. Da standen wir als elf Freunde auf dem Platz."

Übrigens: Welt- und Europameister Andreas Möller (Wolf: "Ein lustiger Geselle") war 2010 Sportmanager der Kickers und mit Fulda als Austragungsort des Hessenpokal-Endspiels nur bedingt zufrieden. Damals sagte er: "Das Ganze hier ist ziemlich durchwachsen. Die Atmosphäre mit der Tartanbahn ist so lala, der Platz hätte am Tag davor bewässert werden müssen, aber ich habe erst mal dafür gesorgt, dass rechtzeitig das Flutlicht angeschaltet wird. Das ist noch eines von der alten Sorte, das zehn Minuten braucht, ehe es endlich hell wird", so der Champions-League-Sieger von 1997.

Auch Wolf kann sich an den "gelben Rasen" erinnern und behauptet sogar, dass der Siegtreffer ohne Platzfehler nicht zustande gekommen wäre. Für den Hauswurzer war es übrigens das erste Seniorenspiel in der Johannisau, die nach seinem Wechsel zu Borussia Fulda 2012 zu seinem Wohnzimmer werden sollte. "Nur in der C-Jugend durften wir zuvor schon mal im Stadion spielen und ein Vorspiel bestreiten", so Wolf, der seine "halbe Familie" eingeladen hatte. Ein erneutes Hessenpokal-Endspiel in Fulda kann er sich jedenfalls gut vorstellen: "Am liebsten dann natürlich mit der SG Barockstadt."

Autor: Steffen Kollmann

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