24.12.2019

Abschied mit weinendem und lachendem Auge

Torgranate-Redakteur Christian Halling über seine Zukunft und die Fußballregion Osthessen

Ein letzter Plausch unter Kollegen: Die Torgranate-Redakteure Steffen Kollmann (links) und Christian Halling. Foto: Tobias Konrad

Aus der osthessischen Fußballlandschaft ist Christian Halling eigentlich nicht wegzudenken. Doch am Jahresende verlässt der Torgranate-Redakteur die Fuldaer Zeitung – warum, verrät der 30-Jährige auf den letzten Glühwein 2019.

Christian, am 27. Dezember hast Du deinen letzten Arbeitstag. Wohin zieht es Dich im neuen Jahr?

Ich werde eine neue Aufgabe in verantwortlicher Position in Mittelhessen antreten, wobei ich dem Sportjournalismus erhalten bleibe. Das wird eine riesige Herausforderung für mich und die Vorfreude ist groß, ich gehe aber natürlich nicht nur mit einem lachenden, sondern auch weinenden Auge. Gerade weil ich hier im Haus seit 17 Jahren tätig war, zunächst zehn Jahre als freier Mitarbeiter, dann sieben festangestellt. Sowohl in der Sport- als auch in der Torgranate-Redaktion durfte ich in super Teams arbeiten, die Torgranate bei ihrer Entwicklung mitbegleiten. Auch die WM-Projekte in Brasilien und Russland sowie der EM-Trip nach Frankreich waren eine Ehre, zudem durfte ich als Eintracht-Fan den DFB-Pokal-Sieg in Berlin miterleben und darüber berichten. All das hat mir in meiner Entwicklung als Sportjournalist sehr geholfen.

Was wirst Du an der Fußballregion Osthessen am meisten vermissen?

Der Fußball in der Region wird mit extrem viel Leidenschaft gelebt. Auch an den Plätzen, wo nicht so viele Zuschauer sind, herrscht stets eine gute Stimmung. Gerade die familiär geführten Vereine sind mir ans Herz gewachsen, zudem sind aus manchen Sportlern mit der Zeit Freunde geworden. Mir war immer wichtig, den Menschen im Sportler im Blick zu haben, auch mal hinter die Fassade zu schauen. Diesen großen Vorteil hat man nur im Lokaljournalismus, im Profifußball kriegst du da nur häppchenweise was mit.

Und welche Perspektiven siehst Du für den Fußball in unserer Region?

Der unterklassige Fußball wird immer Spaß machen, alleine schon der Geselligkeit wegen. Aber der Blick nach oben macht mich traurig und ärgert mich. Ich habe ja noch die Zeiten erlebt, in denen Borussia Fulda Regionalliga gespielt hat und ich fast jeden zweiten Samstag von meinen Nachbarn mit in die Johannisau genommen wurde. Seit dem Niedergang des Vereins ist im System Fußball in Osthessen vieles kaputtgegangen: Andere Vereine sind emporgeschossen, es ist unheimlich viel Geld in den Markt gepumpt worden, an dem sich in meinen Augen zu viele Spieler bereichern dürfen. Und dann sehe ich im Fernsehen beim MDR, wie Städte wie Meuselwitz oder Auerbach seit Jahren in der Regionalliga spielen und sich dort halten können. Das sind nur zwei Beispiele von Clubs, die aus strukturschwächeren und finanziell weitaus weniger prosperierenden Regionen kommen, trotzdem kriegen es die Verantwortungsträger und Sponsoren hier nicht gebacken, ähnliche Voraussetzungen zu schaffen.

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