01.12.2017

"Adrenalinkick am Wochenende war nie mein Antrieb"

Was macht eigentlich Michael Schäfer?

Michael Schäfer.

Die osthessische Fußballbühne hat einige Namen hervorgebracht, viele sind von ihr aber auch ganz schnell wieder verschwunden. Oft stellen sich Fußball-Nostalgiker später dann die Frage: "Was macht eigentlich...?". Dieser wollen wir auf den Grund gehen, weshalb wir in unserer neuen Serie einen ehemaligen Spieler, Trainer oder Funktionär vorstellen. Als nächstes ist Michael Schäfer, ehemaliger Frauen-Bundesligatrainer beim FSV Schwarzbach, an der Reihe.

Niklas Odenwald, Aykut Bayar (beide TSV Lehnerz), Sebastian Alles, Leon Pomnitz (Borussia Fulda) oder Sascha Rumpeltes (SV Buchonia Flieden) sind nur einige Beispiele: Doch sie alle haben zwei Dinge gemeinsam. Sie spielen in der Hessenliga und durchliefen die Regionalauswahlen mit dem damaligen Trainer Michael Schäfer. „Ich bin Jugendtrainer aus Überzeugung, denn mir bereitet die Ausbildung und Weiterentwicklung der Spieler großen Spaß. Den Adrenalinkick am Spieltag und der Ergebnisdruck am Wochenende waren nie Antrieb meiner Arbeit. Vielmehr geht es für mich als Trainer darum, den Spielern gewisse Werte zu vermitteln, mit einem Rat zur Seite zu stehen und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Denn Jugendfußball bedeutet für mich auch Ehrlichkeit und Authentizität“, sagt Schäfer, der jahrelang die U13- bis U15- trainiert hatte und bis Sommer noch für die U16-/U17-Regionalauswahl verantwortlich war. Auch ein Shkodran Mustafi, inzwischen A-Nationalspieler und Spieler in Diensten von Arsenal London, ging drei Jahre durch die Schule Schäfers.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen späteren Weltmeister in meinen Reihen haben werde. Noch heute habe ich flüchtigen Kontakt mit Shkodran. Das zeigt mir, dass er auf dem Boden geblieben ist und seine Wurzeln nicht vergessen hat“, freut sich Schäfer, der seine größten sportlichen Erfolge als Trainer beim FSV Schwarzbach im Frauenfußball feierte. Zwei Jahre war der Inhaber der DFB-Jugend-Elite-Lizenz für das Frauenteam zuständig. „Ein Jahr in der Bundesliga, ein Jahr in der Hessenliga. Am Ende meiner zweiten Saison haben wir nicht nur den Bundesligaaufstieg gefeiert, sondern sind auch noch Hessenpokalsieger geworden“, erinnert sich Schäfer gerne an die Spielzeit 1995/96 zurück. Um die Jahrtausendwende gab er dann dort nochmals ein zweijähriges Comeback, als es galt, ein neues Frauenteam mit jungen Spielerinnen in der Hessenliga zu formen.

Es waren seine vier einzigen Jahren als Trainer einer Mannschaft im Seniorenbereich. „Danach habe ich mich dem Nachwuchs verschrieben. Zunächst als B-Juniorinnentrainer in Schwarzbach und später dann als Regionalauswahltrainer“, berichtet Schäfer. Besonders gut in Erinnerung sind aber die zwei Anfangsjahre als Trainer der Frauen in Schwarzbach geblieben. „Auch wenn die Voraussetzungen damals speziell in der Bundesliga ganz schwierig waren und die Spielerinnen keinen Cent mit dem Fußball verdient haben, sind die Verbindungen noch immer vorhanden. Ein- bis zweimal im Jahr treffen wir uns mit dem harten Kern des damaligen Teams. Die Verbundenheit allein bestätigt mich darin, wie toll und prägsam die gemeinsame Zeit war.“

"Es ist eine Sättigung eingetreten"

Inzwischen ist Schäfer fast in den fußballerischen Ruhestand übergetreten. Aber nur fast. „Ich trainiere noch die D-Junioren bei meinem Heimatverein DMS Haunetal, bei dem auch mein Sohn spielt“, berichtet Schäfer. Für den früheren Hessenauswahltrainer war die Umstellung fast schon ein kleiner Kulturschock, trainierte er doch jahrelang die besten Talente in Hessen wie einen Marc Stendera von Eintracht Frankfurt. „Ich habe die Kids bereits im F-Junioren-Alter übernommen und musste mich erst einmal umstellen. Natürlich will ich den Spielern das ABC des Fußballs vermitteln, trotzdem bin ich Trainer einer Mannschaft im Breitensport. Da geht es vor allem um Bewegung und die Lust am Spiel selbst. Da musst du viele Abstriche machen, gerade dann, wenn du aus deiner Vergangenheit ein ganz anderes Niveau gewohnt warst. Trotzdem war ich der Meinung, dass ich meinem Heimatverein gerne etwas zurückgeben möchte und bin daher froh, dass ich mich auf dieses kleine Abenteuer eingelassen habe“, sagt Schäfer, der den Hut vor jedem Trainer im Breitensport zieht. „Das ist die Basis. Ohne den Breitensport würde es auch keinen Spitzensport geben.“

Eine weitere Trainertätigkeit kann sich Schäfer, der für den Hessischen Fußball-Verband als hauptamtlicher Abteilungsleiter für den Juniorenfußball in der Sportschule Grünberg arbeitet, derzeit nicht vorstellen. „Dadurch, dass ich mich bei meinem Beruf den ganzen Tag mit dem Fußball beschäftige, ist bei mir über die Jahre eine gewisse Sättigung eingetreten“, sagt Schäfer. Vorstellen könne er sich hingegen, in einem Verein als Sportlicher Leiter oder Nachwuchskoordinator zu fungieren. „Da müsste ich nicht mehr tagtäglich auf dem Platz stehen, sondern könnte dort konzeptionell etwas vorantreiben. Momentan mache ich mir darüber aber keine Gedanken, sondern genieße die freie Zeit und die Tatsache, dass ich einfach an den Sportplatz gehen kann und mir ein Spiel anschaue.“ Denn zu sehen, welchen Weg seine ehemaligen Schützlinge Odenwald, Alles, Pomnitz & Co. eingeschlagen haben, sei mindestens genauso schön wie ein Sieg mit einer eigenen Mannschaft.

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