11.08.2017

"Als Trainer hätte ich vor mir Angst gehabt"

Was macht eigentlich Mayk Tomic?

Mayk Tomic (links, hier mit Timo Lofink) bejubelt einen seiner zahlreichen Treffer für den TSV Lehnerz. Foto: Charlie Rolff

Die osthessische Fußballbühne hat einige Namen hervorgebracht, viele sind von ihr aber auch ganz schnell wieder verschwunden. Oft stellen sich Fußball-Nostalgiker später dann die Frage: "Was macht eigentlich...?". Dieser wollen wir auf den Grund gehen, weshalb wir in unserer neuen Serie einen ehemaligen Spieler, Trainer oder Funktionär vorstellen. Als nächstes ist Mayk Tomic, früherer Publikumsliebling des TSV Lehnerz, an der Reihe.

In den vergangenen zwei Jahren ist es ruhig geworden um Mayk Tomic. Kein Wunder, hat der frühere Angreifer seinen Wohnsitz doch in die südhessische Gemeinde Mainhausen verlegt. "Ich fühle mich im Rhein-Main-Gebiet sehr wohl, habe inzwischen geheiratet und ein Haus im Wald. Es war die richtige Entscheidung", sagt Tomic, der schon seit mehr als zehn Jahren in Groß-Gerau arbeitet und zuvor immer zwischen Fulda und seiner Arbeitsstelle gependelt war. "Das waren 138 Kilometer - und zwar einfach. Es sind von Mainhausen zwar noch immer knapp 50 Kilometer zur Arbeit, aber der Aufwand ist wesentlich geringer geworden", erklärt Tomic, der seit seinem Rücktritt als Trainer der dritten Mannschaft des TSV Lehnerz im Mai 2015 lediglich einmal noch gegen den Ball getreten hat.

"Das war vor gut zwei Wochen beim Abschiedsspiel meines ehemaligen Spielers Sebastian Meister in Salzschlirf. Da habe ich zwar nur 20 Minuten gespielt, aber gleich zwei Treffer erzielt", berichtet Tomic schmunzelnd. Mit dem Fußball hat der inzwischen 41-Jährige weitestgehend abgeschlossen. "Ich fahre Rad, spiele inzwischen Tennis und manchmal noch Golf. Vielleicht mache ich in der Nähe von Mainhausen irgendwann noch einmal etwas als Trainer, geplant ist Stand heute aber nichts." Weiterbilden tut sich Tomic aber noch immer, die vor 16 Jahren erworbene B-Lizenz wird regelmäßig mit Fortbildungen verlängert.

"Der Fußball hat mir sehr viel gegeben. Ich habe durch den Sport so viele vielschichtige und verrückte Typen kennengelernt. Daraus wuchsen auch viele Freundschaften", sagt Tomic, der in der Summe zehn Jahre die Schuhe für den TSV Lehnerz schnürte. "Das war eine verrückte Zeit, in dieser Phase habe ich meine wichtigsten Erfahrungen gemacht. Auch wenn ich manchmal aufgrund einer intensiven nächtlichen Vorbereitung nicht immer in der besten körperlichen Verfassung war", berichtet der frühere Publikungsliebling schmunzelnd, der zugibt, "dass der Trainer Tomic vor dem Spieler Tomic Angst gehabt hätte. Doch Trainer, die mich erreicht haben, konnten sehr viel Spaß mit mir haben."

"Musste mich zweimal fast übergeben"

Mayk Tomic zelebrierte seine Treffer ausgiebig. Foto: Charlie Rolff

Gerade mit seinem damaligen Kompagnon Romeo Andrijasevic, heutiger Trainer von Mitte-Kreisoberligist FT Fulda, habe er Geschichten erlebt, die er in seinem Leben nicht vergessen wird. "Wir kennen uns schon von Kindesbeinen an, haben früher in der C-Jugend mit Germania Fulda alle Teams der Region abgeschossen. In der B-Jugend hat es mich dann zu Borussia Fulda gezogen, mein erstes Spiel werde ich wohl nie vergessen. Da haben wir gegen Eintracht Frankfurt gespielt und ich bin so viel gelaufen wie nie wieder in meiner Karriere - nicht einmal bei Kalle Müller (Ex-Trainer in Lehnerz, Anm. d. Red.). Ich bin marschiert und marschiert, sodass ich mich gleich zweimal fast hätte übergeben müssen."

Bei der Borussia schaffte Tomic auch den Sprung in die erste Mannschaft, auch wenn es in der Regionalliga nur für wenige Kurzeinsätze reichte. Größtes Ereignis war das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. "Ich war damals vor mehr als 17.000 Zuschauern im Stadion der Stadt Fulda im Kader und somit auf der Bank. Da macht selbst das Aufwärmen in der Halbzeitpause richtig Spaß. Auch wenn ich damals nicht eingewechselt wurde, bekomme ich noch immer Gänsehaut, wenn ich zurückdenke."

So richtig im Seniorenbereich kam Tomic aber erst bei Germania Fulda an. In der Winterpause 1996 wechselte Tomic vom damaligen Regionalligisten in die Landesliga. "Ich war zwar nur ein halbes Jahr dort, wurde dort aber vor Zeljko Karamatic genauso Torschützenkönig wie bei der zweiten Mannschaft von Borussia Fulda. So hatte ich mit meinen Treffern sicherlich Anteil am Klassenerhalt der Germanen", erinnert sich der frühere Torjäger und stellt fest, "dass ich gerne mehr aus meiner fußballerischen Karriere gemacht hätte, denn ich liebte den Fußball und hatte Talent. Doch ich bereue nichts."

Spuren hinterlassen hat Tomic auch als Trainer an der Richard-Müller-Straße, marschierte er mit der dritten Mannschaft von Lehnerz doch von der B- bis in die Kreisoberliga durch. "Eine sensationelle Zeit. Das war für mich der wichtigste Erfolg in meiner Laufbahn, weil es etwas ganz anderes ist, wenn du eine Mannschaft bilden und führen musst als nur Spieler zu sein. Dazu erwischten wir mit dem ersten Aufstieg das Triple-Jahr 2013, in dem alle drei Teams des TSV Lehnerz aufgestiegen sind."

Autor: Max Lesser

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