Corona-Auswirkungen

Amateurfußball und das liebe Geld

12. November 2020, 07:40 Uhr

Sebastian Möller (von oben links), Frank Happ, Wladimir Römmich, Marco Abel (von unten links), Christian Pfeiffer und Patrick Scheibelhut äußern sich zum Thema Finanzen.

Keine Spiele, kein Geld. Die Tatsache des neuerlich verordneten Spiel- und Trainingsverbots stellt die ohnehin schon finanziell gebeutelten Amateurvereine vor große Aufgaben. Wir haben uns umgehört.

Barockstadts Sebastian Möller: Corona-Klauseln sind in Verträgen verankert

Der Hessenliga-Primus hat bereits vor der Saison Maßnahmen ergriffen, um im jetzt eingetretenen Fall reagieren zu können: „Die Verträge sind so gestaltet, dass bei einem von offizieller Seite erzwungenen Spiel- und Trainingsverbot Regelungen greifen, die das Gehalt der Spieler anpassen. Wir unterscheiden dabei zwischen Unterbrechung und Abbruch. Aktuell befinden wir uns in einer Unterbrechung“, erklärt Sportmanager Möller, der anfügt, „dass das Gehalt nun zwar entsprechend angepasst wurde, wir uns allerdings vorbehalten, es wieder aufzustocken, falls die Saison tatsächlich mit ganz vielen Doppelspieltagen komplett zu Ende gespielt würde. Wir wissen, was die Spieler geleistet haben und wollen das auch honorieren.“

Fliedens Frank Happ: Nur aus den Heimspielen fehlen 15.000 Euro

Für den Platz am Weiher sowie das Stadion beantragte der Hessenligist zwei Hygienekonzepte. Mit erheblichen Folgen für die Finanzen: „Da ist eine knapp vierstellige Summe entstanden, um in vier von sechs Heimspielen mehr Zuschauer kommen zu lassen – ganz abgesehen von der noch viel größeren ehrenamtlichen Arbeit“, sagt der Stellvertretende Vorsitzende Frank Happ. Doch dies sei nötig gewesen, um Geld in die Kasse zu bekommen – obwohl die Fliedener unter anderem in Sachen Löhne und Aufwandsentschädigungen so viel wie möglich eingespart haben. „Wir haben deutlich weniger Einnahmen als zu Nicht-Corona-Zeiten. Zu den normalen Spielen wären 100 bis 150 Leute mehr gekommen, zu den Derbys das Doppelte. Da fehlen dir 1500 Zuschauer, was durch Eintrittsgelder und Gastronomie in etwa eine Summe von 15.000 Euro macht.“

Bad Sodens Wladimir Römmich: Sponsorensuche gestaltet sich als Mission Impossible

Der Top-Verbandsligist setzt, wie Sportdirektor Römmich erklärt, bei der Vergütung seiner Spieler auf „stark leistungsbezogene Vereinbarungen, was uns ohne Spielbetrieb natürlich ein Stück weit zugutekommt.“ Mit den Spielern stehe Römmich in ständigem Dialog, könne allerdings erst eine klare Linie vorgeben, sobald ein weiterer Saison-Fahrplan feststehe. Bereits im ersten Lockdown habe er vonseiten der Mannschaft und der bestehenden Sponsoren gespürt, „dass sich alle Beteiligten in schwierigen Zeiten zueinander bekannt haben“. Gleichzeitig sei es in den vergangenen Monaten quasi unmöglich geworden, neue Sponsoren zu gewinnen. Schließlich sei jedem bewusst, dass von jetzt auf gleich der Spielbetrieb beendet sein könnte.

Dittlofrod/Körnbachs Marco Abel: „Als Dorfverein aktuell unsere Müh’ und Not“

Die Verantwortlichen von Nord-Kreisoberligist SG Dittlofrod/Körnbach hatten bereits vor zwei Wochen aufhorchen lassen. So wurde der Kontrakt mit Spielertrainer Alin Cotan aufgelöst. Auf der einen Seite hatte dies sportliche Gründe, auf der anderen betonte Marco Abel aus dem Vorstandsteam jedoch ebenfalls: „Wir sind ein kleiner Dorfverein und haben in der derzeitigen Phase unsere Müh und Not. Wir können es uns nicht leisten, die kommenden Monate einen Trainer zu bezahlen, im Gegenzug aber keine Einnahmen zu haben. Ich denke, dass wir in der ganzen Sache nicht alleine bleiben werden.“ Bislang ist der Cotan-Abgang noch ein Einzelfall in der Region.

Neuensteins Christian Pfeiffer: „Wenn ich nichts mache, möchte ich nichts haben“

Nord-Kreisoberligist SG Neuenstein kann auf die Gutmütigkeit ihres Trainers Christian Pfeiffer bauen. Der ehemalige Akteur von Borussia Fulda und dem SV Steinbach, vor wenigen Tagen 35 Jahre alt geworden, verzichtet auf seine Trainerpauschale in den kommenden Monaten. „Ich erhalte meine Pauschale zwar, spende diese aber anschließend wieder an den Verein. So habe ich es bereits im Frühjahr bei der ersten Pause gehandhabt. Für alle Clubs ist es derzeit schwer, die Einnahmen vom Catering oder den Zuschauern fehlen schlichtweg. Ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dem Verein jetzt noch das Geld aus den Taschen zu ziehen. Zumal die Trainertätigkeit derzeit kaum Zeit in Anspruch nimmt. Wenn ich nichts mache, möchte ich nichts haben“, gibt Pfeiffer preis.

Grebenhain/Bermuthshains Patrick Scheibelhut: Geld sollte nicht im Vordergrund stehen

„Das ist ganz normal und sollte in den unteren Klassen völlig verständlich sein“, erklärt Patrick Scheibelhut, der als Trainer beim Lauterbacher A-Ligaprimus SG Grebenhain/Bermuthshain aktuell auf sein Gehalt verzichtet. „Keine Spiele bedeuten keine Einnahmen. Das betrifft kleine Dorfvereine umso mehr. Von den paar Euro aus den Jahresbeiträgen kann kaum ein Club leben.“ Zudem sei Fußball immer noch ein Hobby. Deshalb sollte das Geld nicht im Vordergrund stehen. „Wir sind alle froh, als wir den Fußball nach dem ersten Lockdown wieder zurückhatten. Wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht wegen des Geldes mache.“ Generell geht der Trainer davon aus, dass gerade in den unteren Ligen eine große Solidarität von Seiten der Trainer bestehe und kaum einer auf sein Geld bestehe – ob Klausel oder nicht.

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