Interview mit Pfeiffer

An Arbeit mangelt es nicht

11. Januar 2021, 13:33 Uhr

Telefonate, Videokonferenzen und die Umsetzung des Masterplans: Schlüchterns Kreisfußballwart Dietmar Pfeiffer bleibt im Homeoffice am Ball. Foto: Ralf Hofacker

Dietmar Pfeiffer (61) steht seit März 2012 dem Fußballkreis Schlüchtern als Kreisfußballwart vor und ist zudem Klassenleiter der Kreisoberliga Fulda Süd. Die Kinzigtal Nachrichten haben ihn zur Situation rund um den Amateurfußball befragt.

Ist ein Kreisfußballwart während des Lockdowns eigentlich arbeitslos? Können Sie ein Update geben, oder hat sich in der Zwischenzeit seit der Rundenunterbrechung Ende Oktober nichts Entscheidendes getan?

Der Eindruck könnte entstehen. Dem ist aber nicht so. Sicher ist das Arbeitsaufkommen etwas weniger, aber entscheidende Dinge sind ja trotzdem zu verfolgen und entsprechend zu bewerten bei den Gedankenspielen um die Fortführung der laufenden Spielzeit und den daraus resultierenden Folgen. Ausgiebige Telefonate und Videoschalten mit Kollegen aus anderen Kreisen und Regionen werden in regelmäßigen Abständen geführt. Ferner sind die Verbandsvorstandssitzungen ja entsprechend vorzubereiten. Zudem beschäftigen wir uns nicht nur mit der aktuellen Situation, sondern wir sind ja auch zukunftsorientiert aktiv. Das bedeutet, den DFB-Masterplan entsprechend zu erfüllen und den Amateurbereich zu stärken. Somit ist sicherlich für das Homeoffice genügend Arbeit vorhanden.

Könnte – je länger der Lockdown andauert – der ein oder andere, vor allem Jugendliche, die Lust am Fußball oder auch an einer anderen Sportart, die er ausübt, verlieren?

Das betrifft sicherlich nicht nur die Jugendlichen, auch im Senioren- und Frauenspielbetrieb und nicht zuletzt bei den ehrenamtlichen Helfern kommen dann Gedanken auf, kürzer zu treten oder sich ganz zurückzuziehen. Aber das betrifft nicht nur den Fußballsport, sondern alle anderen Sportarten und Vereinstätigkeiten. Da ist sicherlich der Corona-bedingte Lockdown nicht gerade förderlich. Andererseits wird besonders in dieser schweren Zeit der Gemeinschaftssinn gefördert. Was sich hier die Vereine teilweise einfallen lassen, ist schon toll. Natürlich muss hier alles der jeweiligen aktuellen Verfügungslage entsprechen.

Gehen Sie davon aus, dass die Saison 2020/21 überhaupt regulär zu Ende gespielt werden kann? Wäre eine Beschränkung auf die Hinrunde eine Alternative?

Aktuell hat sich gegenüber den letzten Aussagen nichts verändert. Bei Ligenstärken von 17 Mannschaften aufwärts sehe ich das kritisch. Alles was bis maximal 16 Mannschaften bestückt ist, kann zur Zeit noch bis Mitte Juni das Spielprogramm durchziehen. Entsprechende Möglichkeiten bei einer nicht zu Ende gespielten Saison sind ja beim außerordentlichen Verbandstag 2020 von den Delegierten verabschiedet worden.

Die Vereine haben sich für das Hygienekonzept sehr viel Mühe gegeben. Allerdings war es vielerorts so, dass sich die Besucher nach Aufnahme der persönlichen Daten beim Einlass trotz Absperrbänder wieder ähnlich „vermischt“ haben wie vor Corona. Hat sich Ihrer Ansicht nach das Konzept bewährt?

Man muss wirklich sagen, dass die größte Anzahl an Vereinen sich vorbildlich in Bezug auf Planung und Ausführung vom Hygienekonzept verhalten hat. Hinzu kommt noch der finanzielle Aspekt. Es ist nicht nur das Umsetzen, sondern auch die Finanzierung der Hygienemaßnahmen zu sehen. Da stoßen Vereine schon an ihre Grenzen. Aber ich habe Meldungen und Fotos erhalten, die dieses vorbildliche Verhalten nicht immer bestätigen konnten. Sowohl Vereine als auch Zuschauer und Schiedsrichter haben sich geäußert. Hier gilt es sicher, nochmals explizit darauf hinzuweisen und erforderliche Nachschulungen zu tätigen. Dieses erfolgt gerade im Kreis Schlüchtern, indem wir in der zweiten Kalenderwoche eine derartige Schulung als Videoschalte vom HFV durchführen. Nicht nur Vereinsverantwortliche, sondern auch Trainer und Spielführer sind hier angesprochen sich zu beteiligen. Entsprechende Einladungen und Hinweise sind den Vereinen bereits über das elektronische Postfach vom HFV zugestellt worden. Diese Veranstaltung dient unter anderem zur Auffrischung und Aktualisierung der momentanen Situation. Motto ist: Trotz Corona sicher durch die kalte Jahreszeit! Wir werden auch in Zukunft auf dieses Konzept bauen und jeweils der aktuellen Situation anpassen. Denn es wird mit Sicherheit noch eine längere Zeit dauern, unser tagtägliches Handeln wegen der Corona-Pandemie anzupassen. Auch wenn sich mittlerweile die Situation mit den Impfungen neu gestalten wird.

Der Profifußball zieht sein Ding durch, als gäbe es Corona nicht. Ersatzspieler sitzen oft alleine auf der Tribüne mit Maske, während die Kameraden unten auf dem Spielfeld Zweikämpfe austragen. Soll den Zuschauern an den Fernsehern durch solche Bilder Sand in die Augen gestreut werden?

Das sehe ich nicht so. Bezüglich der Ansteckungsgefahr während eines Spiels auf dem Spielfeld stehen sich unterschiedliche Meinungen gegenüber. Dies wird anhand von speziellen Studien belegt und ist entsprechend von den Verbänden und vom Landessportbund an die Landesregierung weitergeleitet worden. Neben dem Spielfeld sind dann die jeweiligen Vorgaben umzusetzen und werden ja auch – wie Sie selbst schreiben – so durchgeführt, dann ja noch mit Maske und großem Abstand.

Ist der Profifußball systemrelevant?

Ich denke der Profifußball ist nicht systemrelevant. Aber auch hier gehen die Meinungen auseinander. Entscheidungsträger zu einer Katalogisierung hierfür sind im Endeffekt unsere politischen Gremien.

Wie weit hat sich der Profifußball vom Amateurfußball inzwischen entfernt?

Dass sich eine Annäherung an den Amateurfußball einstellen muss, dürfte jedem klar sein. Dies wird mit den angestrebten Maßnahmen aus dem Masterplan vom DFB gewünscht. Eine Umsetzung bedarf allerdings auch einer gewissen zeitlichen Schiene. Die Verbände sind hier sehr bemüht, eine erfolgreiche Umsetzung zeitnah zu präsentieren. Gerade in diesem Zusammenhang ist es umso wichtiger, den Stellenwert der Amateure immer wieder in den Vordergrund zu stellen. Daher weise ich wieder auf mein Motto hin: Ohne Amateure keine Bundesliga – keine Nationalmannschaft!

Hat der Lockdown vielleicht auch eine kleine positive Seite – nämlich die, dass ein altgedienter Funktionär sich nicht so sehr administrativen Aufgaben rund um den Verein oder den Kreis, sondern auch einmal verstärkt anderen außerhalb der Funktionärstätigkeit angesiedelten Dingen widmen kann?

Dem ist so. Da ist zuerst die Familie zu nennen. Sie freut sich über mehr gemeinsame Aktivitäten trotz der Einschränkungen. Auch im eigenen Haus- und Gartenbereich hat sich in den letzten Monaten doch Erstaunliches getan. Da ist im Laufe der letzten Jahre einiges immer verschoben worden. / rd

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