FT-Coach im Interview

Andrijasevic über den Papst, Tohuwabohus und geschaffene Werte

18. Dezember 2020, 08:21 Uhr

Eine Bierdusche musste Romeo Andrijasevic (links) 2014 und 2018 bei der Meisterschaft ertragen. Ob eine weitere folgt? Foto: Charlie Rolff

Seit 2013 ist Romeo Andrijasevic Trainer bei FT Fulda. Seine achte Saison begleitet "Rom" nun schon den ältesten Club der Stadt Fulda. Doch noch reicht es ihm nicht, schließlich hat er vor wenigen Tagen seinen Kontrakt bis zum Sommer 2023 verlängert.

Romeo, weißt du noch was 2013 passiert ist?

Ich habe bei FT angefangen und wir sind direkt Meister in der A-Liga geworden.

Korrekt. Nebenbei wurde im gleichen Jahr Papst Franziskus gewählt, der bekanntlich auf Lebenszeit im Amt bleibt. Wird es auch so bei deinem Trainerjob bei FT sein?

Grundsätzlich ist es so, dass ich mir meine Zeit nach der Arbeit so einteile, dass es mir Spaß macht. Und die vergangenen Jahre hatte ich meinen Spaß. Ich gehe schließlich einem Hobby nach, bei dem ich mich wohlfühle. Außerdem sind wir im Amateursport. Es gibt mittlerweile viel zu viele Spieler in diesem Zirkus, die sich für etwas Besonderes halten und denken sie seien woanders besser aufgehoben.

Heißt das also, solange es dir Spaß macht, kannst du dich nur selbst entlassen?

Das glaube ich nicht. Ich bin ja nicht FT, sondern nur Trainer im Verein. Es liegt also nicht in meinem Glauben, um auf den Papst zurückzukommen, was geschieht. Allerdings haben wir im Club Verantwortliche, die das super leiten. Und allgemein hängt eine gute Zusammenarbeit davon ab, wie man miteinander tickt. Es kommt auf gleiche Perspektiven an. Verfolgt man die gleichen Ziele? Geht man sachlich gleich an Dinge ran? Wenn das der Fall ist, muss ich mir im Amateursport keine Gedanken machen. Wenn es nicht mehr der Fall ist, wird sicherlich eine der beiden Seiten die Reißleine ziehen.

Acht Spielzeiten am Stück sind eine lange Zeit bei einem Verein. Gibt es ein Rezept dafür?

Ein Rezept nicht. Es geht eher darum, sich wohlzufühlen. Ist das der Fall, bleibt man doch gerne. Dass man sich wohlfühlt, liegt aber immer an einem selbst. Man muss Werte schaffen, seinen eigenen Teil leisten. Irgendwohin kommen und erwarten, dass es so ist, funktioniert nicht. Bei FT habe ich viele gute Freunde gefunden, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Egal ob Spieler, Betreuer oder Zuschauer – es herrschen gemeinsame Interessen. Früher war es so, dass ein Spieler vom Dorf sein Leben lang im Verein blieb. Mittlerweile gibt es ein riesen Tohuwabohu und es wird viel zu oft gewechselt. Wie will sich da jemand wohlfühlen?

Du bezeichnest dich als Zahlenmensch. 33 Punkte wären bislang möglich gewesen, nur deren 16 sind es.

In eurer Analyse zur Gruppenliga habt ihr es vor Kurzem treffend beschrieben, als ihr uns zum Flop der bisherigen Saison erkoren habt. Natürlich hätten wir uns gerne weiter vorne gesehen, aber das ist eben Fußball. Spiele laufen nicht immer so, wie man es sich vorstellt.

Die Schuld suchst du aber nicht bei der Mannschaft, sondern sagtest, dass du viele Fehler gemacht hast. Welche?

Das auszuführen, würde zu sehr ins Fachliche gehen. Grundlegend hat es fast alle Bereiche betroffen. Wie wir in der Offensive und Defensive gehandelt haben, wie risikoreich wir gespielt haben, mit welcher Formation wir reingegangen sind. Klar ist, dass ich es nun anders angehen werde.

Zum zweiten Mal hast du nun direkt für zwei Jahre deine Zusage gegeben. Welches Zeichen möchten du und der Verein setzen?

Wir wollen auf dieser Position Ruhe bekommen und nicht in einem Jahr wieder die ähnlichen Gespräche über eine Zukunft führen. So haben alle Seiten Planungssicherheit. Zumal es kein Schnellschuss ist, schließlich kennt man sich mittlerweile bestens. Aber es dreht sich nicht alles nur um den Trainer, der Verein als großes Ganzes zählt.

Aber was, wenn plötzlich in einem Jahr der Spaß auf einer der beiden Seite verflogen ist?

Das kann passieren, klar. In diesem Sport ist alles möglich. Allerdings ist es der Wunsch vom Verein und von mir, dass wir die kommenden beiden Jahre so klarkommen, dass wir uns keine Gedanken über Veränderungen machen müssen.

Was wünscht du dir, wenn du einen Blick in die Glaskugel werfen müsstest?

Wir möchten erfolgreich und vor allem verletzungsfrei bleiben. Außerdem soll der Spaß auf, neben und nach dem Platz vorhanden sein. Es geht mir darum, dass wir den Amateurfußball wieder erleben. Der Gedanke daran, sich wohlzufühlen.

2014 und 2018 durftest du dich Meistertrainer nennen. Soll bis 2023 jener Titel erneut aufflammen?

Wir spielen, um Erfolg zu haben. Aber das gilt für jeden Sportler, der in einer Wettkampfform beheimatet ist. Es wäre ein unfassbar großes Ding für uns, allerdings ist eine Meisterschaft in keinster Weise ein Thema. Das mag für Außenstehende nicht nachvollziehbar klingen, jedoch sind wir im Verein anders und denken anders. Es ist nicht unser primäres Ziel, Meister zu werden. Zumal die Wahrscheinlichkeit, dass das nicht eintritt, unfassbar hoch ist.

Kommentieren

18.12.2020 - 12:32 - Aladrex

Hallo liebe Fußballer und Freunde des Sports,
Ich nenn es mal Rundumdenken, was unser Trainer Romeo verkörpert.
Natürlich ist das Wichtigste im Amateurfußball, dass der Spass im Verein und der Spass am Erfolg, ganz oben auf der Agenda steht. Dies ist natürlich immer schöner und mit viel mehr Spass verbunden, wenn es mit gutem sportlichem Erfolg verbunden ist. Ich als langjähriges FT Fußball-Mitglied kann nur sagen, dass FT ein Wohlfühlverein ist. Ich habe als Spieler, Trainer, Vorstand viele Höhen und Tiefen mit FT erlebt. Ob Aufstiege/Abstiege, Erfolg als Trainer sportlich zu haben oder Jugendspielern einfach nur pädergogische soziale Strukturen zu vermitteln, Trainer verpflichten/Trainer entlassen, alles gehört dazu. Und Alles ist ein Stück wertvolles Leben. Ware Freunde erkennt man auch in den Niederlagen, dass ist wohl jedem klar. Ich will nur sagen, auch eine Niederlage schweißt extrem zusammen und gehört gleichermaßen zum Erfolg dazu.

FT ist nicht nur der älteste Fußballverein der Stadt, hat sich auch durch die tollen Events, wie die Lange Nacht z.B., weiter zu einem der wohl schönsten Begegnungsstätten im Kreis Fulda entwickelt. Darauf sind wir sehr stolz.

Ich denke, jeder Verein könnte sich glücklich schätzen, so einen Trainer wie Romeo zu haben. Vielen Dank.

Alexander von Pazatka