24.01.2019

"Aufhören war nie eine Option"

Lea Schneider arbeitet trotz zweiter OP fleißig am Comeback

Der 1. FFC Frankfurt baut auch während der Verletzung voll auf seinen Schützling Lea Schneider (links, hier im Zweitligaspiel gegen Andernach). Foto: Carlotta Erler

Die Anteilnahme war groß, als der 1. FFC Frankfurt Mitte vergangener Woche ein Bild seiner Spielerin Lea Schneider auf Facebook postete und der 18-Jährigen nach einer weiteren Operation am lädierten linken Knie gute Besserung wünschte. Zwei Schrauben, die der aus Schondra stammenden Junioren-Nationalspielerin bei der Kreuzband-OP im vergangenen Juni zur Fixierung des Bandes am Knochen eingesetzt worden waren, mussten aufgrund von Schmerzen raus, dazu wurde Narbengewebe entfernt und der Meniskus geglättet. Ein kleinerer Eingriff, der dem Optimismus der früheren Lüttnerin aber nichts anhaben kann. Schneider will weiter an ihrem Comeback arbeiten - ohne jedoch zu schnell zu viel zu wollen.

"Nach der ersten OP hatte ich gesagt, dass ich meine Rückkehr für März 2019 anvisiert habe. Doch es kann immer was dazwischen kommen, wie man nun gesehen hat. Von daher werde ich abwarten, wie ich in der Reha vorankomme", schildert die Unterfränkin ihre Lage nach der ersten großen Verletzung ihrer Karriere. Bis ins vergangene Jahr hinein war es bei Schneider stets aufwärts gegangen: Als herausragende Figur der Lütterer Mädchenmannschaft und nächstes Riesentalent der Region nach Theresa Panfil aus Flieden war sie 2017 zum 1. FFC Frankfurt gewechselt, wurde im gleichen Jahr Europameisterin mit der deutschen U17 und war drauf und dran, von der in der Zweiten Liga spielenden FFC-Reserve in den Bundesligakader vom Brentanobad aufgenommen zu werden. Dann die Verletzung bei einem Training im vergangenen April und die bittere Diagnose.

"Es war ein Tiefschlag", gibt Schneider heute zu. Drei, vier Monate habe sie gebraucht, um alles zu verdauen, schließlich waren die U-19-EM, für die die junge Mittelfeldspielerin möglicherweise nominiert worden wäre, wie auch der Aufstieg in den Bundesligakader erst einmal futsch. "Ich gebe zu, dass ich teilweise echt gekämpft habe und ins Grübeln gekommen bin, ob sich der Aufwand mit Reha und allem drum und dran lohnt. Aber ich habe derart viel Unterstützung erfahren und irgendwann kleine Fortschritte gemacht, die mir ganz viel Optimismus verliehen haben. Das Aufhören war nie eine Option" Ob ihre Mannschaftskameradinnen, der Stab um die Trainer Niko Arnautis (Bundesliga) und Ex-Nationalspielerin Kim Kulig (Zweite Bundesliga), Verein, Freunde, Familie und vor allem Mutter Nicola: Schneider erfuhr stets großen Zuspruch, behielt den Kopf oben. Zur Seite sprang der Schondraerin überdies die bereits angesprochene Theresa Panfil, "die es ja mit zwei Kreuzbandrissen noch schlimmer erwischt hat", weiß Vereinskollegin Schneider. "Theresa tut mir gut als Ansprechpartnerin. Wir verstehen uns super."

Nebenher baut die 18-Jährige im FFC-Internat auch noch an ihrem Abitur, das für 2020 vorgesehen ist. Wer aber nun denkt, durch die Verletzung sei mehr Zeit fürs Lernen da, der wird von Schneider schnell eines Besseren belehrt: "In der Reha schufte ich drei bis vier Stunden am Tag. Da ich aber in diesem Jahr keinen so glücklichen Stundenplan habe, geht das Training meist erst nachmittags los, sodass ich erst gegen 20.30 Uhr fertig bin. Wäre normales Fußballtraining, wäre ich schon zwei Stunden früher fertig." Generell gefallen Lea Schneider die Rahmenbedingungen in Frankfurt aber sehr gut, Mitte dieser Woche darf sie die Krücken schon wenige Tage nach dem zweiten Eingriff wieder zur Seite legen. Ein kleiner Schritt nach vorne, der Mut macht, ohne dass Schneider an Demut verliert: "Es bringt nichts, es übers Knie zu brechen. Drei Monate früher spielen auf Teufel komm raus, um im ungünstigsten Fall zehn Jahre von der Karriere zu verlieren, das wäre einfach unklug."

Kommentieren