15.04.2019

Aus einem Schub erwachsen Flügel

Ein beeindruckender Titelgewinn

In frisch beflockten Meistershirts ließ es die SG gestern krachen. Foto: SG Haselgrund/Breitenbach

Nein, den FC Bayern hat die SG Haselgrund/Breitenbach mit seinem B-Liga-Titelgewinn am vergangenen Freitag historisch nicht besiegen können, schließlich war der Bundesliga-Rekordmeister im Jahr 2014 bereits Ende März nicht mehr einzuholen. Und doch ist es beeindruckend, wie früh sich das Team um Spielertrainer Sebastian Nölke zum Titelträger küren konnte – auch wenn der Tag des Triumphs zumindest ein kleines Geschmäckle hinterlässt.

Denn bereits vor diesem Wochenende stand fest, dass der Spielgemeinschaft einzig die SG Kleinensee/Widdershausen in der Theorie noch gefährlich werden könnte. Just der Spielgegner des Wochenendes. Doch wie Nölke berichtet, zeichnete sich schon in den Tagen vor dem Spiel mehr und mehr ab, dass der Gegner zum Heimspiel in Widdershausen vielleicht keine Mannschaft stellen könnte. „Wir haben sie gebeten, dass sie antreten, weil wir gerne auf dem Platz versucht hätten, die Meisterschaft einzufahren. Und uns zuliebe, hat der Gegner auch alles unternommen, musste dann aber am Freitag doch absagen. Hut ab vor dem Gegner, dass er alles ermöglichen wollte“, erklärt Nölke, der keinen Verdruss verspürt und dennoch sagt, „dass wir uns wie Bolle auf das Spiel gefreut hatten, weil es natürlich etwas anderes ist, auf dem Platz Meister zu werden“.

Als Nölke vom Meisterstück erfuhr, befand er sich auf dem Weg von Köln in Richtung Abschlusstraining. Er hoffte, dass die Nachricht noch nicht durchsickert, doch als er in Schwarzenhasel ankam, dröhnte bereits die Musik über den Sportplatz. „Trainiert haben wir trotzdem“, sagt Nölke, wenngleich nicht in aller Ernsthaftigkeit. Doch die ganz große Party stieg nicht, vor allem weil für die Reserve gestern ein wichtiges Spiel anstand. Dort reisten die Meister gemeinsam hin, um anschließend in Schwarzenhasel die Gläser klirren zu lassen.

Gegen Bebra fing alles an

Dass Nölkes Mannen nach zwei bitteren dritten Plätzen in den Vorjahren der verdiente Titelträger sind, steht außer Frage: Alle Spiele wurden bis dato gewonnen, einzig ein Punkt wegen eines fehlenden Schiedsrichters abgezogen. Für Nölke Bestätigung des eingeschlagenen Wegs: „Als ich hier angefangen habe, stand ich mit fünf Mann im Training. Dann nahm die Entwicklung immer mehr seinen Lauf. Dass wir zweimal Dritter werden, war extrem bitter, aber die Mannschaft ist zusammengeblieben und wollte im dritten Jahr unbedingt Meister werden.“

Als nicht selbstverständlich hält es Nölke, dass alle Mann an Bord geblieben sind, schließlich lockten andere Clubs seine Qualitätsspieler mit Jobs oder Geld. Dinge, mit denen Haselgrund/Breitenbach nicht punkten könne, dafür mit einem intakten Vereinsleben. „Und jetzt besteht vielleicht sogar die Chance, dass wir noch ein paar ehemalige Spieler zurückgewinnen können“, sagt Nölke.

Ob dies wirklich so kommt, wird zumindest nicht maßgeblich beeinflussen, dass sein Team für die A-Liga gerüstet scheint: „Wir haben im vergangenen Sommer gegen die FSG Bebra ein Pokalspiel erst in der Verlängerung verloren. Und Bebra war gerade am Gruppenliga-Aufstieg gescheitert. Da haben wir gesehen, was wir können und was möglich ist, wenn wir als Team zusammenstehen. Das hat uns noch mal einen Schub gegeben“, rekapituliert Nölke. Ein Schub, der sein Team zur Meisterschaft getragen hat.

Autor: Johannes Götze

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