06.03.2019

Aushängeschild ohne große Lobby

Hessenligisten von einst: 1. FC Eschborn

Duell aus der Spielzeit 2008/2009: Eschborns Ali Fechtali (rechts), der vorhin in Flieden spielte, im Kopfballduell mit Ex-Borusse Adam Benn. Foto: Charlie Rolff

In unserer Serie "Hessenligisten von einst" beleuchten wir den Werdegang jener Vereine, die in der letzten Dekade das hessische Oberhaus verlassen mussten oder sich freiwillig zurückzogen. In der fünften Folge geht es um den 1. FC Eschborn, der im Sommer 2016 den Spielbetrieb eingestellt hat und aus dem Vereinsregister gestrichen wurde. Mit dem SC Eschborn gründete sich ein Nachfolgeverein, der in der Kreisliga B Main-Taunus spielt.

Der 1930 gegründete Traditionsverein war seit den 2000er Jahren das Aushängeschild im Main-Taunus-Kreis, hatte aber fast ständig mit finanziellen Problemen und Insolvenzen zu kämpfen. Dreimal schafften es die Eschborner sogar bis in die Regionalliga. 2003/04 und 2005/06 gehörte der FCE der Süd-Staffel an, stieg aber in beiden Spielzeiten sofort wieder in die Oberliga Hessen ab. Nach der Hessenliga-Meisterschaft 2011/12 wagten die zur Stadtregion Frankfurt gehörenden Eschborner ein drittes und letztes Mal einen Ausflug in die vierthöchste Spielklasse, diesmal in die Regionalliga Südwest. Zwar hatte Eschborn bis zum letzten Spieltag Optionen auf den Klassenerhalt, stieg aber am Ende doch wieder direkt ab. Marcus Klandt hat den Weg des Vereins fast zehn Jahre lang als Sportlicher Leiter und Funktionär begleitet und erinnert sich in der Rückschau an eine "intensive Zeit, in der wir trotz großer wirtschaftlicher Probleme viele Erfolge mit tollen Spielern erleben durften." Mit dem Mainzer Sandro Schwarz, der Eschborn von 2011 bis 2013 trainierte, hat der FCE sogar einen Bundesligatrainer hervorgebracht.

Auch Klandt ist dem 40-jährigen heute noch verbunden und arbeitet ihm in der Scouting-Abteilung der Rheinhessen zu. Dass das Geschichtsbuch des 1. FC Eschborn nach der letzten Hessenliga-Saison 2015/16 für immer zugeklappt wurde, stimmt Klandt heute noch nachdenklich: "Der Verein wurde aufgegeben. Immer mehr Leute haben sich zurückgezogen und ehrenamtliche Helfer waren nicht mehr zu finden. Dem letzten Vorstand war die Verantwortung zu groß. Sie hatten keine Kraft mehr, um den Erhalt des Vereins zu kämpfen." Der Fortbestand des FCE sei an der Gleichgültigkeit der Eschborner Bürger gescheitert. "Wir haben kein Vertrauen in die Stadt und in die Politik gespürt. Es war immer ein Kampf gegen Windmühlen", so Klandt. 2014 hätte der FCE ein viertes Mal in die Regionalliga aufsteigen können, doch der Club verzichtete in weiser Voraussicht.

Insolvenz und Auflösung des FCE führte zur Neugründung des SCE

Denn obwohl die Stadt zu den kaufkräftigsten in Deutschland zählt, standen die Sponsoren an der altehrwürdigen Heinrich-Graf-Sportanlage nicht Schlange. Die Verbindlichkeiten wuchsen ständig an, immer wieder tauchten unbezahlte Rechnungen auf. Diese Gemengelage führte trotz sportlichen Erfolges - der FCE beendete seine letzte Hessenliga-Saison auf Rang sechs - zur erneuten Insolvenz und zur Einstellung des Spielbetriebes. Der Verein hatte sich da schon freiwillig in die Gruppenliga zurückgezogen, in der er aufgrund der Auflösung nie starten konnte. Stattdessen gründete sich mit dem "Soccer Club Eschborn 2016" ein neuer Verein, der viele Jugendmannschaften übernahm und geplant hatte, das Spielrecht des FC in der Gruppenliga Wiesbaden zu übernehmen. Doch der HFV machte diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Der neue Verein musste in der Kreisliga B Main-Taunus starten, wo er sich heute noch mit mäßigem Erfolg befindet. "Der Anlass der Neugründung war natürlich die Pleite des alten Vereins. So gesehen sehen wir uns schon als Nachfolgeverein des FC, obwohl wir mit dem alten Verein nichts mehr zu tun haben", gibt SC-Vorsitzender und Gründer Marcus Hegedüsch zu.

"Wir konnten die Jugend teilweise übernehmen, es war aber von Beginn an eine Mammutaufgabe", sagt Hegedüsch. Strukturell habe sich viel getan, obwohl es in der B-Liga nicht einfach sei. "Wir müssen uns alles mühsam erarbeiten und sind mit Sponsoren breiter aufgestellt. Wenn da einer oder zwei wegbrechen, bricht nicht gleich alles zusammen", verdeutlicht Hegedüsch. "In fünf Jahren wollen wir in der Kreisoberliga sein", nennt der Vorsitzende sein Fernziel. "Das Potenzial ist da, nicht zuletzt zählt Eschborn zu den reichsten Gemeinden", verdeutlicht Hegedüsch. Neben einer starken Futsal-Mannschaft, die in der Hessenliga erfolgreich ist, liegt das Augenmerk des Vereins auch auf der Integrationsarbeit. "Die zweite Futsal-Mannschaft besteht aus Flüchtlingen aus Afghanistan", erklärt Hegedüsch. Und auch sonst sei das Geleistete seit der Neugründung lobenswert: "Was sich hier im Umfeld getan hat, ist beeindruckend", findet der Vereinsgründer.

Autor: Pedro Acebes

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