20.08.2019

Aussage ‚Ruhig, Brauner‘ löst Debatte aus

Hilderser erheben Vorwürfe gegen Schiedsrichter Romanow

Schiedsrichter Oliver Romanow sieht sich schweren Vorwürfen aus Hilders ausgesetzt. Foto: Charlie Rolff

Dass dem TSV Hilders am Sonntag nicht zum Feiern zumute war, lag nicht nur an der 1:3-Pleite in Pilgerzell. Vielmehr schlug der Ärger in Richtung des Schiedsrichters Oliver Romanow (Petersberg) aus – nicht nur wegen dessen Leistung.

Knapp vier Stunden nach dem Abpfiff des Spiels der Kreisoberliga Mitte sorgte ein Facebook-Post des Hilderser Stürmers Peter John für Aufsehen. Im sozialen Netzwerk schrieb der 34-Jährige unter anderem, dass ein „Mitspieler aufgrund seiner Herkunft beleidigt wurde“, und dass ihm ein solches Verhalten auch nach 28 Jahren auf dem Fußballplatz noch nie untergekommen sei. Die Kritik richtete sich in Richtung Schiedsrichter Oliver Romanow: „Sie sollten sich schämen“, schrieb John, „ich werde nie wieder einen Sportplatz betreten, wenn Sie pfeifen.“ Zahlreiche Gefällt-Mir-Angaben und einige Kommentare sorgten für eine große Reichweite des Beitrags.

Auf Nachfrage erneuerte der ehemalige Künzeller und Lehnerzer gestern seine Vorwürfe: „Ich bin eigentlich immer jemand, der respektvoll mit den Schiedsrichtern umgeht und nie etwas über die Leistung sagen würde. Aber wie er mit uns gesprochen hat, das geht gar nicht“, wütete John und spielte damit insbesondere auf einen Vorfall an, der sich unmittelbar vor der Halbzeit ereignete. Hilders wollte wechseln, nachdem ein verletzter Spieler bereits draußen behandelt worden war; aufgrund des unmittelbar bevorstehenden Pausenpfiffs ließ Romanow jedoch weiterspielen. Das gefiel TSV-Angreifer Abdullah Özsuvaci nicht, der sich beim Unparteiischen lautstark beschwerte. „,Ruhig, Brauner‘ hat der Schiedsrichter daraufhin zu Abu gesagt. Das können auch die Pilgerzeller bestätigen“, so John.

Rassistische Aussage oder harmlose Redensart?

Für den 34-Jährigen kam dies einer rassistische Aussage in Richtung Özsuvacis, dessen Wurzeln in der Türkei liegen, gleich. Aus der Luft gegriffen ist der Ausdruck zumindest nicht, wenngleich die Redensart erstmals in einer Oper des Komponisten Richard Wagner im 19. Jahrhundert niedergeschrieben wurde – ohne fremdenfeindlichen Hintergrund allerdings. Seither tauchen diese Wörter immer mal wieder zusammen im Sprachgebrauch auf. Diese Erklärung habe aus Sicht der Rhöner zumindest der Schiedsrichter verwendet, als ihn erboste Hilderser nach Spielschluss auf das womöglich rassistische Zitat ansprachen.

Zu der ausgelösten Debatte wollte sich der für den TSV Klein-Auheim pfeifende Referee auf Nachfrage nicht äußern, ebenso wenig wie sein Kreisschiedsrichterobmann Hans-Dieter Köhler aufgrund des schwebenden Verfahrens. Dieser konnte aber zumindest bestätigen, dass zwei Sonderberichte des Referees wegen Beleidigungen angefertigt worden seien, die Köhler umgehend an Klassenleiter Klaus Bodusch weitergeleitet hat. Die Stellungnahme hatte Romanow, der selbst mit einem Migrationshintergrund ausgestattet ist, bereits am Tag des Spiels hinterlassen.

Ob die Hilderser Seite auf die Vorfälle reagieren wird, ist noch offen. „Wir haben am Mittwoch eine Vorstandssitzung, wo wir über die Sache diskutieren werden“, erklärt der Abteilungsleiter Goswin Nüdling, der aber schon jetzt bestätigen kann, Romanow in Zukunft als Spielleiter ablehnen zu wollen. Negative Nachwirkungen hat das Spiel wohl schon so für den TSV, Peter John hat sich nämlich womöglich einen Kreuzbandriss zugezogen. Ein Arztbesuch am heutigen Dienstag soll Aufschluss über die Verletzung geben.

Kommentieren