Spieler im Blickpunkt

Bahnschranke a. D.

23. Februar 2021, 14:10 Uhr

Spiel für Spiel schwingt sich Johannes Weller zu Bestleistungen auf. Ohne den Keeper würde es für den Rasdorfer SC wohl noch düsterer aussehen. Foto: Kevin Kremer

In Rasdorf sind sich die Beteiligten einig, was die Leistungen von Johannes Weller im RSC-Kasten angeht. Ohne den 24-Jährigen würde die Lage wohl noch düsterer in der Kreisoberliga Nord aussehen, als sie ohnehin schon ist.

Mit einem müden Lächeln nimmt er die Wertschätzung allerdings nur wahr. So ein wenig auf die Art und Weise, dass es ja irgendeiner machen und zwischen die Pfosten muss. Er kennt schließlich seine Pappenheimer und deren Art. Schulterklopfer bleiben meist aus, eher kommt mal ein dummer Spruch. Natürlich nur gut gemeint. Aber sie wissen sicherlich, was sie an ihrem Torhüter haben. Weller hingegen betont, „dass sie mir ja auch diesen einen Spitznamen gegeben haben“. Als „Bahnschranke“ wurde er einst getauft, weil er im Training so ungefähr in die Torecken fiel. „Ich weiß nicht mehr so recht, von wem. Aber Andreas Frohnapfel und Philipp Krieg sind für sowas immer gut“, weiß der 24-Jährige. Und würde er nun zu viel Lob erhalten, wäre sein Spitzname nicht mehr allzu aktuell. Quasi a.D. – außer Dienst.

Einmal aber war die Wahrnehmung bei „Fiete“, wie sein zweiter Beiname lautet, außer Dienst. Einen indirekten Freistoß aus 25 Metern schoss Gegner Heringen 2017 aufs Tor. Weller hätte ihn nur ins Tor gleiten lassen müssen, doch stattdessen wollte er ihn abwehren. Dabei legte er dem Gegner den Ball vor die Füße, der zum Ausgleich traf. Spielertrainer Marius Ebert trieb er damit die Röte ins Gesicht, von seinen Teamkollegen erhielt der Keeper gar eine Liedzeile dafür: „Dieser Freistoß, der war indirekt, nur der Weller hat es nicht gecheckt.“

Doch obwohl er Spiel für Spiel Glanzleistungen bringt, ist seine aktuelle Gemengelage unzufrieden. Auf dem letzten Tabellenplatz steht der RSC, wenngleich er die wenigsten Spiele im Vergleich zur Konkurrenz vorweisen kann. Zwei Siegen stehen sieben Niederlagen gegenüber. Die Gründe, weshalb es nicht rund läuft, liefert Weller: "Unsere Mannschaft stellt sich quasi immer von selbst auf, weil wir immer wieder beruflich verhinderte oder verletzte Spieler haben. Es ist schwer, konkurrenzfähig zu sein, wenn jemand fehlt, zumal wir die Abgänge vor der Saison nicht kompensieren können." Auch deshalb hat er zwischen den Pfosten immer voll zu tun, wobei es ihm gefällt, wenn es vor der Hütte brennt. "Aber so ab und an würde ich in der aktuellen Lage ein ruhigeres Spiel gerne nehmen", sagt er schmunzelnd.

In seiner nun dritten Saison agiert Rasdorf in der Kreisoberliga, nachdem 2018 der Meistertitel in der A-Liga gelungen war. Für Weller ohne Frage der schönste sportliche Moment, weshalb die derzeitige Phase etwas nervig daherkommt. Nervig insofern, da oft klar ist, in welche Richtung ein Spiel läuft. „Aber auch solche Zeiten gehören zum Fußball. Es ist ja nicht so, dass wir und ich keine Lust mehr auf die Spiele in der Kreisoberliga haben“, stellt der Keeper klar. Sollte am Ende dennoch der Abstieg stehen, wird die Welt im Örtchen der Point-Alpha-Gemeinde auch nicht untergehen. „Weil die A-Liga Hünfeld/Hersfeld jede Woche ein Derby liefert. Es gibt Schlechteres.“

Und den Verein deshalb zu verlassen, kommt für ihn überhaupt nicht infrage. Weller ist Rasdorfer durch und durch, neben dem Fußball noch voll in der Kirmes aktiv. Er ist im Ort verbunden, es macht ihm Spaß, mit den Freunden im Verein zusammen zu sein. Und zudem nimmt er es auch mal in Kauf, sich hinten anstellen zu müssen. Wie in der Saison 2014/2015, als Weller in der Rückrunde für ein halbes Jahr im Feld agierte. Statt Torhüter war es plötzlich das linke Mittelfeld unter Trainer Tobias Budenz. Seitdem war er immer zur Stelle für den RSC, doch im Herbst diesen Jahres muss sich der Club auf der Torhüterposition zumindest für ein halbes Jahr neu orientieren. Dann wird Weller im Rahmen seines Master-Studiengangs „Intercultural Communication and Business“ ein Auslandssemester in Lissabon bestreiten – sofern Corona mitspielt.

Steckbrief

Name: Johannes Weller.
Spitzname: Fiete, Bahnschranke.
Geburtsdatum: 9. Oktober 1996.
Im Verein seit: Drittes Lebensjahr.
Position: Torhüter.
Rückennummer: 1.

Kommentieren