26.12.2019

Bari geht nun mit Akgöz auf Torejagd

Hessenliga: Aufsteiger Hanau 93 auswärtsstark

Feta Suljic (rechts, hier gegen Fuldas Dominik Crljenec) und Kultclub Hanau haben beste Chancen auf den Ligaerhalt. Foto: Charlie Rolff

Als ältester hessischer Fußballverein genießt der 1. Hanauer FC 1893 Kultstatus. In seiner ersten Hessenliga-Saison nach 33 Jahren Abstinenz haben sich die 93er bis zur Winterpause eine gute Ausgangsposition verschafft, um sich in den restlichen elf Saisonspielen den Klassenerhalt zu sichern. Dass dem so ist, hat die Mannschaft von Spielertrainer Michael Fink ihrer Auswärtsstärke zu verdanken, denn 18 von 25 Punkten holten die Hanauer auf fremden Plätzen.

So lief die bisherige Runde:

Durch die Hintertür gelangte der Vizemeister der Verbandsliga Süd im Sommer doch noch in den Aufzug, der den Traditionsverein nach dem sportlichen Scheitern in der Aufstiegsrunde mit den Niederlagen gegen TuS Dietkirchen (0:2) und beim SV Neuhof (0:1) doch noch in die Beletage des hessischen Fußballs beförderte. Da sich der FSC Lohfelden Mitte Juni völlig überraschend aus der Hessenliga-Bühne zurückzog, durften die Hanauer als 18. Verein den Platz der Nordhessen einnehmen.

Mit Platz zwölf können die Verantwortlichen um den umtriebigen Sportchef Giovanni Fallacara, der als Vereinsikone und Galionsfigur alle Fäden in der Hand hält, aber nicht ganz zufrieden sein. Es wäre eine deutlich bessere Platzierung möglich gewesen, die man aber durch eine chronische Heimschwäche in den Sand setzte.

Nur sieben Zähler wurden vor heimischer Kulisse eingefahren, dazu kassierte kein anderes Team mehr als 27 Gegentore vor der eigenen Anhängerschaft. Lediglich zwei Heimsiege und ein Remis stellten das Publikum nicht zufrieden, denn es musste auch sieben Heimpleiten erdulden. Anders in fremden Gefilden: Hier spielte der HFC unterstützt durch die zahlreich mitreisenden Fans seine Stärken aus und kam zu fünf Auswärtssiegen. In Fulda, Steinbach und Neuhof nahmen die 93er alle neun Punkte von den osthessischen Schauplätzen mit.

Nur zweimal musste sich Hanau auf Reisen geschlagen geben. Die erste Auswärtsniederlage (1:3) gab es erst am 9. November bei Titelkandidat Eintracht Stadtallendorf zu verzeichnen, die zweite dann beim starken VfB Ginsheim am 8. Dezember mit 1:6 recht deutlich. Gegen den gleichen Gegner hatte man eine Woche davor die Heimpartie mit 0:4 verloren.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Der HFC tätigte im Sommer einige wichtige Transfers, insbesondere die Rückholaktion des ehemaligen Bundesligaspielers Michael Fink vom Hessenliga-Meister FC Gießen erwies sich als Volltreffer. Ob als defensiver Mittelfeldspieler oder in der Innenverteidigung, der 37-Jährige dirigierte seine Nebenleute stets vorbildlich und ging als Führungskraft voran. Bis auf das letzte Spiel in Ginsheim, als der gebürtige Waiblinger verletzungsbedingt von der Seitenlinie aus Regie führte, war Fink in allen Partien auf dem Spielfeld vertreten.

Von außen coachte sein Co-Trainer Ioannis Takidis, der Torhüter war von Regionalliga-Aufsteiger FC Bayern Alzenau gekommen und ersetzte den erst 19-jährigen Stammtorhüter Armend Brao - er kam in der Endphase der vergangenen Runde ebenfalls aus Alzenau, wo er hinter Takidis die Nummer zwei war - nur bei der Auswärtspartie in Walldorf (2:1). Dort markierte Stürmer Salvatore Bari in der Nachspielzeit den Siegtreffer, auch der Italiener wechselte nach dem Aufstieg von Alzenau nach Hanau.

Der 32-Jährige bewies in 20 Spielen seinen Torriecher und netzte elfmal ein. Neben Dauerbrenner Kahraman Damar kam Tim Franz in allen Partien zum Einsatz. Sein Gastspiel in der Grimm-Stadt ist aber trotz 1496 Einsatzminuten und zwei Toren nach nur einem halben Jahr schon wieder beendet, denn der Offensivmann geht zurück zu seinem Stammverein, dem benachbarten Verbandsligisten Germania Großkrotzenburg. Ein weiterer Hochkaräter im Einkaufswagen der Hanauer war Defensivmann Ljubisa Gavric vom Regionalliga-Absteiger SC Hessen Dreieich, der sich mit 17 Einsätzen einen Stammplatz erkämpfte.

Zum Stammpersonal gehörten mit soliden Leistungen auch Julian Purcell (Viktoria Urberach) und Oktay Bulut (SG Bornheim Grün-Weiss), den es im Winter wie Franz zu seinem Stammverein zieht. Der vom Ligakonkurrenten FV Bad Vilbel gekommene Kristijan Bejic kam verletzungsbedingt nur auf neun Einsätze. Auch der von Viktoria Griesheim geholte Stürmer Engin Arslan hatte relativ wenig Protagonismus. Kevin Effiong hatte nur einen Einsatz gegen seinen Ex-Klub Türk Gücü Friedberg, ansonsten war der Fußballer dauerverletzt.

In Erinnerung bleibt:

Die Hessenliga wird in der rund 96.000 Einwohner zählenden Stadt Hanau sowie im umliegenden Main-Kinzig-Kreis noch nicht wie erhofft angenommen. 205 Zuschauer beträgt der Schnitt in den zehn Hanauer Heimspielen auf insgesamt drei verschiedenen Spielstätten. Die beste Kulisse gab es Ende August im Herbert-Dröse-Stadion mit 692 Zuschauern, wo die 93er gegen Hessen Kassel ausgewichen waren.

Die angestammte Heinrich-Sonnenrein-Anlage an der Kastanienallee war dagegen deutlich weniger frequentiert und wäre da nicht der lautstarke und aktive Supporters-Club mit einer Stärke zwischen 50 und 100 Anhängern, wären die Stimmung und die Besucherzahlen noch trostloser.

Der Sportplatz befindet sich in einem schlechten Zustand, aufgrund des fehlenden Flutlichtes ist in der dunklen Jahreszeit kein Training unter der Woche in den Abendstunden möglich, sodass die 93er auf andere Anlagen ausweichen müssen. Zudem stammen die Kabinen und das Funktionsgebäude aus längst vergangenen Zeiten. Aufgrund der Unbespielbarkeit des Rasenplatzes mussten die letzten beiden Heimspiele gegen Dreieich und Ginsheim auf den Kunstrasen nach Hanau-Steinheim verlegt werden, wohin sich außer dem Hanauer Supporters-Club nur ein paar Gästeanhänger verirrten. Die durchgegebenen offiziellen Besucherzahlen für diese Partien - 70 und 50 - sprechen Bände.

Ausblick:

Die Hanauer haben eine gute Teamhierarchie und die individuelle Klasse, um mit fünf Punkten Vorsprung auf den ersten derzeitigen Abstiegsplatz nicht in akute Abstiegsgefahr zu geraten. Mit der Verpflichtung von Torjäger Varol Akgöz, der nach seinem Wechsel von Regionalligist Kickers Offenbach nach Dreieich am Bürgeracker nur bis September eine Rolle spielte und danach aufgrund der beruflich nicht möglichen Trainingsteilnahme keine Berücksichtigung mehr fand, haben die 93er einen Hochkaräter verpflichtet. Somit spielen nun die beiden besten Torjäger der Hessenliga-Saison 2016/17 Salvatore Bari (damals 31 Tore für Alzenau) und Akgöz (30 Tore für Rot-Weiss Frankfurt) in einem Team.

Daneben kommt mit Tarik Sejdovic bereits der vierte Zugang aus Alzenau in einem halben Jahr. Dass nach der Winterpause gleich vier Auswärtsspiele in Folge anstehen, kommt den auswärtsstarken Hanauern eher entgegen. Erst am 28. März steht mit dem Spiel gegen Schlusslicht FSV Fernwald wieder eine Heimpartie an. Im April und Mai gastieren auch alle drei osthessischen Hessenliga-Vereine beim ältesten Fußball-Verein Hessens.

Hanau wird aufgrund seiner zahlreichen Unterschiedsspieler die nötigen Punkte für den Klassenerhalt frühzeitig einsammeln und letztlich wird der bereits wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls abgezogene Punkt - laut Fallacara versäumte der betroffene Schiri eine Pflichtsitzung und wurde deshalb nicht angerechnet - keine relevante Rolle mehr spielen.

Autor: Pedro Acebes

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