01.01.2020

Bester Aufsteiger mit starken 30 Punkten

Hessenliga: Rot-Weiss Walldorf spielt beeindruckende Rolle

Der beste Aufsteiger ist Rot-Weiß Walldorf, hier ist Nils Herdt (rechts) im Duell mit Steinbachs Fabian Wiegand. Foto: Kevin Kremer

Sechs Aufsteiger kamen vor dieser Saison in die Hessenliga dazu und den Titel als bester Newcomer hat sich zur Winterpause Rot-Weiss Walldorf gesichert. Mit starken 30 Punkten rangiert das Team von Trainer Max Martin auf Rang acht und spielt im ersten Jahr in Hessens Beletage nach 24-jähriger Abstinenz eine beeindruckende Rolle.

So lief die bisherige Runde:

Walldorf war schon einmal von 1988 bis 1995 Bestandteil der damaligen Oberliga Hessen und mit dem Durchmarsch von der Gruppenliga Darmstadt in die Hessenliga ist der Breitensportverein nun auf dem besten Wege, eine zweite Epoche in Hessens höchster Spielklasse einzuleiten. Als Meister der Verbandsliga Süd empfingen die Walldorfer zum Saisonauftakt den letztjährigen Aufsteiger FC Eddersheim und machten in der Schlussphase aus einem 1:2-Rückstand durch Tore von Jonas Herberg (88.) und Nils Herdt (90./+3) einen 3:2-Sieg. Dem 1:1 beim SV Steinbach folgte ein klarer 6:2-Erfolg über Viktoria Griesheim, der den tollen Start mit sieben Punkten perfekt machte. Die erste Niederlage im Rückspiel in Eddersheim (1:2) leitete eine Phase von sechs sieglosen Partien ein, in denen aber immerhin auch vier Unentschieden gelangen, darunter das 3:3 im Groß-Gerauer Kreis-Derby gegen den VfB Ginsheim. Nachdem die Ginsheimer aus dem Kreispokal eliminiert worden waren (3:2) - die beiden Schwergewichte trafen bereits in der 2. Runde aufeinander - lief es auch in der Hessenliga ergebnistechnisch besser. Drei Auftritte innerhalb von nur sieben Tagen brachten Anfang Oktober drei Siege in Serie. Wechselhaft ging es im Herbst weiter: Niederlagen folgten Siege, nur die letzten vier Partien trübten die Perspektive und glichen das lange sehr positive Torverhältnis aus. Das 0:4 in Griesheim sowie das 0:5 bei Barockstadt Fulda-Lehnerz passten so gar nicht in das bisherige gute Gesamtbild, eine Woche davor hatte Walldorf den Osthessen vor heimischer Kulisse noch ein 2:2 abgetrotzt.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Die homogene Aufstiegsmannschaft bekam im Sommer nicht viele neue Gesichter dazu. Topeinkauf war der 29-jährige Innenverteidiger Jonas Herberg vom Mitte-Verbandsligisten Sportfreunde/Blau-Gelb Marburg. Er absolvierte alle 21 Partien über die volle Distanz und steuerte fünf wichtige Tore bei. Auch der 21-jährige Japaner Takero Itoi vom Süd-Verbandsligisten SC 1960 Hanau markierte fünf Tore, kam aber auf weniger Spiele (17) und wesentlich weniger Einsatzminuten (1011). Der 32-jährige langjährige Regionalliga-Spieler Daniele Toch kam von Viktoria Aschaffenburg. Der Stürmer konnte sich jedoch in seinen 13 Einsätzen noch nicht so wie erhofft in Szene setzen. Bela Wendnagel vom Verbandsliga-Absteiger TSV Vatanspor Bad Homburg kam zwar auch auf 13 Einsätze, musste sich aber aufgrund der Konkurrenz im zentralen Mittelfeld desöfteren mit einem Reservisten-Dasein begnügen. Jordan Dörr (Viktoria Griesheim) und Sergen Bayraktar (Türk Gücü Friedberg) kamen indes über wenige Kurzeinsätze nicht hinaus.

In Erinnerung bleibt:

Die Duelle gegen Ginsheim waren sowohl in der Hessenliga, als auch im Kreispokal spannend und intensiv. Im Ligaspiel glich Marc Eichfelder in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 3:3 aus, nachdem Can Cemil Özer den VfB in der 90. Minute in Führung gebracht hatte. Im Pokalspiel einen Monat später führte Walldorf nach neun Minuten schon mit 2:0, ehe Ginsheim stärker wurde und nach dem 2:2 durch Nils Fischer (78.) Feldvorteile hatte. Doch mitten in die Ginsheimer Drangphase hinein gelang Nico Struwe das 3:2 (84.). Allgemein ist die Walldorfer Erfolgsstory eng mit dem Namen Max Martin verbunden. Der frühere Trainer von Viktoria Urberach ist im vierten Jahr im Stadion an der Okrifteler Straße tätig und dirigiert seine Mannschaft lautstark von der Seitenlinie. Der emotionale Coach schafft dabei die Balance zwischen intensiven Coaching und Begeisterungsfähigkeit. Das Sportgelände hat gerade eine Modernisierung hinter sich und bietet nun mit zwei Kunstrasenplätzen optimale Bedingungen. Weil der Rasenplatz seit geraumer Zeit nicht bespielbar ist, dürfen die Walldorfer mit einer Ausnahmegenehmigung ihre Hessenliga-Heimspiele auf künstlichem Grün austragen. Den Zuschauern steht seit kurzem eine Überdachung zur Verfügung, um bei Regen nicht nass werden zu müssen. Der Schnitt beläuft sich auf 245 Besucher in den schon zwölf ausgetragenen Heimpartien. Der Sportplatz liegt nur 13 Kilometer von der Frankfurter Stadtgrenze entfernt, obwohl Walldorf durch seine Zugehörigkeit zum Fußball-Kreis Groß-Gerau zur Region Darmstadt gehört.

Ausblick:

Nicht mehr dabei ist Abwehrspieler Dragan Niksic. Der 33-jährige wechselt in die Bayernliga Nord zum FC Viktoria Kahl. Der Serbe spielte ohnehin mit nur drei Einsätzen nur noch eine untergeordnete Rolle. Im Kreispokal stehen die Walldorfer im Viertelfinale und wollen sich über diesen Weg für den Hessen-Pokal qualifizieren. Doch Priorität hat der Ligabetrieb, wo sich Walldorf auch nach dem Jahreswechsel im einstelligen Bereich bewegen möchte. Zehn Punkte beträgt der Vorsprung auf den derzeitigen ersten Abstiegsplatz. Mit Unterschiedsspielern wie dem ehemaligen Zweitligaprofi Christopher Nguyen, Kapitän Christian Matheisen, Nils Herdt oder Julian Ludwig sollte es auch ab März 2020 realistisch sein, weiterhin fleißig Punkte einzusammeln. Nachdem die beiden Partien gegen die Barockstadt im Dezember innerhalb einer Woche abgehandelt wurden, und auch der SV Steinbach schon zweimal gegen Walldorf gespielt hat, gibt es am 15. März das letzte Aufeinandertreffen mit einem osthessischen Verein, wenn der SV Neuhof den starken Neuling in der Glückauf-Kampfbahn empfängt.

Autor: Pedro Acebes

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