Grösch nach DFB-Pokal im Interview

"Bin nicht so der Trikot-Sammler"

15. September 2020, 07:00 Uhr

Durfte am Samstag im DFB-Pokal gegen den Bundesligisten Werder Bremen 90 Minuten ran: der gebürtige Eichenzeller Marius Grösch. Foto: imago images/Karina Hessland

Mit Regionalligist Carl-Zeiss Jena sind Marius Grösch aus Eichenzell und Alexander Prokopenko aus Friedlos im Erstrundenspiel des DFB-Pokals an Bundesligist Werder Bremen (0:2) gescheitert. Grösch stand 90 Minuten auf dem Platz und hat mit uns über das Spiel gesprochen.

Marius, welches Trikot hast du dir nach dem Spiel gekrallt?

Gar keins. Einerseits weiß ich gar nicht so recht, wie das mit den Corona-Regeln ist. Andererseits bin ich nicht so der Trikot-Sammler. Wenn ich eins habe, landet es im Schrank, und dann schmeiße ich es wahrscheinlich irgendwann weg. Ich behalte meine Erinnerungen lieber im Kopf und freue mich nach der Saison über ein Buch, das mir meine Mutter schenkt, in dem viele Berichte und Bilder zu finden sind.

Und welche Erinnerungen bleiben an das Spiel?

Wir können stolz auf unsere Leistung sein. Aber natürlich trauere ich dem verpassten Sieg etwas nach. Wir hatten in der ersten Halbzeit ein, zwei gute Schuss-Chancen, hätten dazu einen glasklaren Elfmeter bekommen müssen. Muss Bremen einem Rückstand nachlaufen, geht das Spiel vielleicht anders aus. Und die Chance zum 1:1 in der Schlussphase war auch da.

Also war die Sensation nicht so weit weg, wie in deinen bisherigen DFB-Pokalspielen, als das Aus gegen Bayer Leverkusen und Union Berlin kam?

Ja, sicherlich. Eigentlich war alles bereitet. Wir hatten bei Latte und Pfosten das nötige Glück. Aber es muss dann gegen eine individuell so starke Mannschaft alles zusammenpassen, und dazu gehört auch, dass so ein Elfmeter kurz vor der Halbzeit gepfiffen wird. Sind coronabedingt nicht nur 1.600, sondern 10.00 Zuschauer im Stadion, dann wird der Elfmeter vielleicht auch gepfiffen.

Hast du das Publikum vermisst?

Wenn ich in andere Stadien schaue, wo 7.500 oder 10.00 zugelassen werden, dann fühlt sich das schon nach Verarsche an. Aber andererseits können wir froh sein, dass überhaupt welche da sein durften. Klar ist: Im DFB-Pokal unter Flutlicht gegen einen Bundesligisten – viel mehr geht nicht. Und doch hat das gewisse Etwas gefehlt.

Nun ist das Highlight-Spiel vorbei und es wartet stattdessen das Tagesgeschäft. Der Start in die Liga ging mit sechs Punkten aus fünf Spielen eher daneben. Schließlich seid ihr als Drittliga-Absteiger einer der Titelfavoriten.

Der Start ist unglücklich und schwierig verlaufen. Wir sind froh, dass wir vor einer guten Woche gegen Hertha BSC II den ersten Sieg eingefahren haben. Die Gründe sind recht vielschichtig: Wir hatten nach dem Abstieg nur eine kurze Pause und nur drei Wochen Vorbereitung. Neuzugänge, die teilweise spät kamen, hatten hingegen fünf Monate Pause. Das ist alles schwierig zu managen. Man sieht jetzt, dass wir eigentlich ganz gut drauf sind, aber die Körner für 90 Minuten noch nicht ganz reichen.

Also muss bei neun Punkten Rückstand auf Viktoria Berlin der Aufstiegstraum wieder begraben werden?

Allein unser Name und die Tatsache, woher wir kommen, setzt unsere Zielvorgabe voraus. Wir wollen oben mitspielen, und ich persönlich schiele nach ganz oben.

Das ist Marius Grösch:

Marius Grösch stammt aus Eichenzell und machte seine ersten fußballerischen Schritte bei Eichenzell, Künzell, Lehnerz und Bronnzell. 2009 wechselte er zu Carl-Zeiss Jena und spielt bis heute dort – unterbrochen nur durch ein zweijähriges Engagement beim 1. FC Kaiserslautern. Der 26-Jährige zählt bei den Thüringern zum Stammpersonal und hat sich als Innenverteidiger zum Führungsspieler gemausert. Grösch bringt es auf 81 Einsätze in der 3. Liga und 117 Spiele in der Regionalliga.

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