22.01.2019

"Bleiben weißer Fleck auf der Juniorenfußball-Landkarte"

Viktoria-Boss Dreifürst hadert mit geplatzter Fusion der Jugendfördervereine

Thomas Dreifürst macht sich Sorgen um den osthessischen Juniorenfußball. Foto: Charlie Rolff

Seit einem knappen Monat, genauer gesagt seit der Mitgliederversammlung bei Borussia Fulda, ist klar, dass auf die "große" Lösung keine "kleine" Lösung folgt. Während sich im Seniorenbereich der TSV Lehnerz und die Borussen im vergangenen Jahr zur SG Barockstadt zusammengetan haben, wird es im Fuldaer Stadtkern auch künftig zwei Jugendfördervereine geben: Den "Platzhirsch" JFV Viktoria Fulda 2012, der sich aus dem Stammvereinen Lehnerz und Bronnzell zusammensetzt, und den JFV Fulda 2015 "Borussia", den der SCB und der Haimbacher SV betreiben. JFV-Vorstand Thomas Dreifürst bezieht dazu Stellung und gesteht, dass ihm eine Fusion lieber gewesen wäre.

"Wir sind enttäuscht, dass wir nicht zusammengefunden haben, zumal die Fusion der Jugendfördervereine ursprünglich vor der im Seniorenbereich angedacht war. Es ist vor allem schade für die Region, aber wir müssen das akzeptieren", hadert Viktoria-Vorstand Thomas Dreifürst auch vier Wochen nach der Mitgliederversammlung immer noch ein bisschen. Der 58-Jährige betont dabei nicht zum ersten Mal, "dass eine Bündelung der Kräfte sinnvoll ist, um nachhaltig leistungsorientierten Fußball anzubieten. Mir geht es dabei gar nicht mal um den Namen des Vereins, sondern einfach um die Idee an sich."

Vertreter des JFV Fulda 2015 wollen sich zur Thematik derzeit nicht äußern, dem Vernehmen nach solle der Fokus in Haimbach und der Johannisau zukünftig aber wieder mehr auf Breite, denn auf Spitze gelegt werden. So dürften sich die beiden Jugendfördervereine wohl nicht in die Quere kommen, beispielsweise wenn es um Verpflichtungen von jungen Kickern oder den Wechsel von Spielern von einem JFV zum anderen geht. "Zwei Jugendfördervereine in einer Stadt mit der Größe Fuldas sind dennoch kontraproduktiv", findet Dreifürst, der die Gefahr sieht, "dass wir gerade im Stadtkern zu viele Vereine haben, die ambitionierten Breitenfußball anbieten. Es gibt ja auch noch die JSG Westring, die nach oben strebt. Ich sehe die Gefahr, dass Fulda im Hinblick auf Spitzenfußball auf der hessischen Juniorenfußball-Landkarte ein weißer Fleck bleibt, wenn wir uns gegenseitig der Pfründe berauben."

"Zwei JFVs in einer Stadt wie Fulda sind kontraproduktiv"

Von einem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) in Fulda in der Zukunft verbietet es sich laut Dreifürst daher im Moment gänzlich zu reden. "Bei einem Zusammenschluss der JFVs wären wir wenigstens infrastrukturell schon auf einem guten, nachhaltigen Weg gewesen, um uns hier und da mal mit den hessischen Nachwuchsleistungszentren zu messen", glaubt Dreifürst. Nun hätte die Viktoria mit den Sportstätten in Lehnerz und Bronnzell weiterhin hohe logistische Hürden zu bewältigen, um allen Teams in Spiel- und Trainingsbetrieb gerecht zu werden.

Dazu mangelt es dem osthessischen Flaggschiff im Jugendfußball, wie auch den vielen anderen kleinen Vereinen der Region, an Trainern, Betreuern und Ehrenamtlern, die sich die Zeit nehmen und darüber hinaus den richtigen Umgang mit den Kids und Jugendlichen von heute pflegen können. Dreifürst selbstkritisch: "Was die Arbeit rund um die Mannschaften angeht, können wir uns beispielsweise von Horas einiges abschauen. Es ist zwar der ein oder andere Helfer aus Bronnzell oder Lehnerz noch an Bord, aber als so junger Verein sind wir extrem auf Eigeninitiative, vor allem von den Eltern, angewiesen. Wir müssen da noch mehr investieren." Auch im Hinblick auf die Partnerschaft mit Eintracht Frankfurt oder den Bereich Leistungsdiagnostik bestehe bei der Viktoria Nachholbedarf. "Das ist zuletzt ein bisschen eingeschlafen. Wir wollen da gegensteuern", betont Dreifürst.

Immerhin: Mit dem bisherigen Abschneiden der A-, B- und C-Junioren ist man im Lager des JFV Viktoria derzeit sehr zufrieden. "Die A-Junioren sind auf einem guten, die B-Junioren sogar auf einem sehr guten Weg in der Hessenliga. Und die C-Junioren schicken sich an, die sofortige Rückkehr in diese Klasse zu packen", sagt Dreifürst, der zudem froh ist, mit Sebastian Sonnenberger nun auch wieder einen Trainer für die B-Junioren-Mannschaft gefunden zu haben. Jene Mannschaft also, die derzeit in der Hessenliga mit den Großen mitzumischen vermag. Mehr als vorderes Hessenligadrittel scheint für den osthessischen Jugendfußball allerdings auch mittelfristig nicht drin, auch wenn Dreifürst kämpferisch schließt, "dass ich die Idee der Kräftebündelung weiter verfolgen werde. Wir sind weiter offen für eine Zusammenarbeit mit Vereinen, die den Jugendfußball fördern wollen."

Autor: Christian Halling

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