20.04.2017

Bott schmeißt in der Halbzeitpause hin

A-Liga Hünfeld/Hersfeld: Erneuter Trainerwechsel in Arzell

Ralf Bott ist nach knapp vier Monaten vom Traineramt in Arzell zurückgetreten. Foto: Charlie Rolff

In der Halbzeitpause des Eiterfelder Derbys war es mit der Geduld von Ralf Bott vorbei: Der Trainer des TSV Arzell hat am Ostermontag während des Spiels in Ufhausen beim Zwischenstand von 0:7 verkündet, dass er von seinem Amt beim Hünfelder A-Ligisten zurücktreten wird.

„Ich habe den Jungs und Vorstand Heiko Göbel während der Halbzeitpause in der Kabine mitgeteilt, dass es einfach keinen Wert mehr hat“, erklärt der 50-Jährige. Der Abstiegskandidat habe sich für das Derby bei Ufhausen viel vorgenommen. „Dann lagen wir aber schon nach zehn Minuten 0:3 hinten. Es war ein Offenbarungseid“, so Bott weiter, der die Mannschaft trotzdem noch bis Spielende betreute, „wobei ich am Ende nur noch regungslos am Seitenrand gestanden habe“.

Der 50-jährige Petersberger ist bereits der zweite Coach nach Andreas Beyer, der in dieser Saison vorzeitig vom Traineramt in Arzell zurückgetreten ist. „Die ganzen Umstände sind schon eine mittelschwere Katastrophe“, nimmt Bott kein Blatt vor den Mund. Die Mannschaft habe zwar Potenzial, doch ohne regelmäßiges Training sei kein Erfolg möglich. „Mehr als sechs Leute hatten wir eigentlich nie im Training. Und dafür jedes Mal 60 Kilometer Fahrtstrecke auf mich zu nehmen, das ist es mir dann irgendwie auch nicht wert“, so Bott. Mit zwei Siegen gegen Praforst (3:2) und in Heringen (1:0) schien sich der TSV vor knapp drei Wochen eigentlich sportlich erholt zu haben, "doch in den letzten drei Spielen kam dann wieder gar nichts mehr", hadert Bott.

Der ehemalige Coach von Hofbieber II und Petersberg II hatte den TSV erst im Winter übernommen. Zunächst hatte er die Arzeller Herren noch parallel mit der Pilgerzeller Frauen-Gruppenligamannschaft trainiert, in der Winterpause hatten sich Pilgerzell und Bott dann auf eine Beendigung des Trainerverhältnisses geeinigt. „Es war bisher nicht wirklich meine Saison“, muss Bott schon fast ein wenig schmunzeln darüber.

Den Job in Arzell habe er vor allem aus Loyalität zu seinem Bruder Peter angetreten. „Er und Vorstand Heiko Göbel investieren richtig viel Zeit in den Verein, aber von den Spielern kommt einfach sportlich zu wenig zurück.“ Vor allem Göbel habe ihm am Montag leid getan, "der Heiko wohnt ja in Ufhausen und musste sich einiges anhören." Charakterlich seien die Arzeller Kicker dennoch einwandfrei. „Blerim Zendeli hat mir beispielsweise gleich geschrieben, dass wir uns doch immer so gut verstanden hätten. Das ist zwar sehr nett, aber letztlich war Blerim nur zweimal im Training, dazu war er nach seiner Schelle gegen Herfa ja sechs Spiele gesperrt.“

TSV-Vorstand Heiko Göbel bedauert Botts Entscheidung, "allerdings hätte ich an seiner Stelle wohl genauso gehandelt." Der Verein sei dem zurückgetretenen Coach nicht böse, "er hat auf jeden Fall etwas bewirkt." Vorstand und Spieler wollen sich nun im Rahmen der Generalversammlung am Freitag beraten, wie es weitergeht. "Einen Schnellschuss wird es nicht geben", verrät Göbel, am kommenden Wochenende wolle man die Trainervakanz erst einmal intern auffangen. Grund zur Untergangsstimmung besteht trotz der schwierigen Umstände nicht: Der Klassenerhalt ist nicht außer Reichweite, liegt Arzell doch gerade einmal einen Punkt hinter Niederaula/Hattenbach II, das den Relegationsplatz ziert.

Autor: Christian Halling

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