12.06.2018

"Brillanter Trainer, erstklassiger Menschenfänger"

Udo van den Berg beendet Laufbahn mit krachendem Fest

Beim Torwandschießen lieferte er sich ein heißes Duell mit Bernhard Roth und Michael Schäfer. Endstand: 2:2:2. Foto: Johannes Götze

„Mit Lob kann ich schlecht umgehen“, bemerkte Udo van den Berg nach einem Abend, an dem er sich gegen Komplimente, Wertschätzungen und zahlreiche Geschenke nicht erwehren konnte. Der 60-Jährige beendete im Burghauner Herrenhaus seine 55 Jahre währende aktiven Fußballkarriere. Über 100 Wegbegleiter gaben sich ein Stelldichein, um dem erfolgreichen Fußballtrainer zu einem gebührenden Abschied zu verhelfen.

„Lieber verrückt das Leben genießen als normal langweilen“, überschrieb er das Motto seiner Abschiedsparty, die so niemand erwartet hätte. Denn van den Berg hatte eine Menge vorbereitet, zahlreiche Bilder an die Leinwand geworfen, mit Videoeinspielern gearbeitet und zu Interviews mit wichtigen Wegbegleitern gebeten, die mal launisch, mal ganz analytisch die Person Udo van den Berg charakterisierten. Vielleicht war es Michael Schäfer, der den Nagel am ehesten auf den Kopf traf: „Udo ist nicht nur ein brillanter Trainer, sondern gerade im Bereich Menschenführung erstklassig, er ist ein echter Menschenfänger.“ Schäfer ist Abteilungsleiter Jugend beim Hessischen Fußballverband.

Und der Nachwuchsarbeit verschrieb sich van den Berg mit wenigen Ausnahmen fast drei Jahrzehnte. Er trainierte Jugendteams, verschrieb sich gleichermaßen der Arbeit im DFB-Stützpunkt. Die errungenen Titel sind nicht gezählt, doch es waren zahllose. Van den Berg versuchte Taktik gleichermaßen wie Menschlichkeit zu vermitteln, konnte mal laut werden, galt aber insgesamt als ausgeglichene und ruhige Erscheinung. Und er hat viele Fußballer ausgebildet, die noch heute in aller Munde sind. So waren Sebastian Alles (Hünfelder SV) oder Sascha Rumpeltes (Buchonia Flieden) seine Gäste, die freimütig einräumten, dass sie unter van den Berg erstmals echtes taktisches Verständnis mit auf den Weg gebracht bekamen. Oder die Torhüter Tim Gutberlet (ehemals Hünfelder SV) und Tizian Göbel (ehemals Dynamo Dresden), die in van den Bergs Torhüterschule schon ganz früh ausgebildet wurden und anfügten, „dass wir nicht soweit gekommen wären, hätte es Udo Torwartschule nicht gegeben“. Die betrieb er gemeinsam mit dem Burghauner „Twin“ Gutberlet, beide leisteten Pionierarbeit, als sie 2004 mit dem Training begannen, gab es in der ganzen Region nichts Vergleichbares.

Co-Trainer von Horst Hrubsch und im südafrikanischen Ghetto

Apropos Burghaun: Als „halber Holländer“ ist van den Berg als gebürtiger Franke in den Achtzigern nach Osthessen gekommen, spielte zunächst für Dammersbach/Nüst gemeinsam mit den Krimmels Josef und Walter, später wagte er seine Anfänge als Trainer im Kiebitzgrund. Zwischenzeitlich mal für Hünfeld – als Freundschaftsdienst für Uwe Schaake – aktiv, ist er Hauptinitiator des JFV Burghaun, trieb dessen Entwicklung in den vergangenen Jahren maßgeblich voran und übergibt nun ein bereitetes Feld an seine Vorstandskollegen.

Auch die waren gekommen, um dem Psychologen herzliche Geschenke zu überbringen. So wie ein Bild, das bei einem Stützpunkttraining entstand, als Europameister Horst Hrubesch als Gegenleistung für eine kurz währende Co-Trainerschaft eine Einheit übernahm. „Zwei Stunden habe ich versucht, den Trainingsplan zu entschlüsseln, dann war klar: das Training ist überragend“, erinnert sich van den Berg an eine Begegnung der besonderen Art. Davon erlebte er einige, so wie die, als er in Südafrika Trainer ausbildete. Im Ghetto. Alles auf eigene Kosten. Weil er Fußball wie Menschen liebt – und er deswegen auch die Entwicklung des Unified Team immer wieder mit anschob, in dem Kinder und Jugendliche mit und ohne körperliche Beeinträchtigungen gemeinsam Fußball spielen.

Autor: Johannes Götze

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