04.12.2017

Broschke droht in Lehnerz die Tribüne

Dicke Luft zwischen dem TSV Lehnerz und FSV Thalau

Ab wann Patrick Broschke (rechts) wieder das Trikot des TSV Lehnerz überstreifen darf, ist noch unklar. Der Transfer zurück an die Richard-Müller-Straße ist bereits fix, lediglich die Ablösemodalitäten müssen noch geregelt werden. Foto: Ralph Kraus

Die Tinte ist bereits getrocknet, doch noch ist der Transfer nicht endgültig perfekt: Obwohl Patrick Broschke von Gruppenliga-Spitzenreiter FSV Thalau beim Hessenliga-Zweiten TSV Lehnerz bereits einen Amateurvertrag für die Restrunde unterschrieben hat, droht der Wechsel zu einer Hängepartie zu werden.

Denn laut TSV-Pressesprecher Michael Hamperl ruft Thalau eine "unverhältnismäßig hohe Ablösesumme" für den 24-Jährigen auf. "Das ist nicht akzeptabel, bislang haben wir uns noch nicht angenähert", sagt Hamperl, der aber berichtet, dass Broschke die Zusage von Thalau habe, den Verein im Winter verlassen zu können. "Umso erstaunlicher ist für uns, dass nun so eine Summe aufgerufen wird. Denn wenn es zu keiner Einigung kommt, wird der Spieler bis zum 5. Mai pausieren müssen, schließlich hat er bei uns bereits einen Amateurvertrag unterschrieben. Das ist aber ein Szenario, bei dem keiner der beiden Vereine profitiert."

Noch überwiegt beim TSV der Optimismus, dass man sich mit Thalau einigen wird. "Wir hatten in der Vergangenheit immer ein sehr gutes Verhältnis zu Thalau und ich bin mir sicher, dass wir zueinander finden werden. Zumal er vor zwei Jahren in einer ähnlichen Situation von Flieden an den Wittiggrund gewechselt ist. Seinerzeit kann ich mich nicht daran erinnern, dass die Buchonia eine außergewöhnlich hohe Ablösesumme aufgerufen hat. Auch damals hat man sich einigen können", sagt Hamperl.

Doch wie rechtfertigt Thalau überhaupt die hohe Forderung? "Einerseits wollen wir die Summe wieder bekommen, die wir an Flieden vor zwei Jahren gezahlt haben, andererseits lebt ein Verein wie Thalau auch von den Zuschauerzahlen. Und wenn wir ehrlich sind, ist die Chance, die Aufstiegsrunde zur Verbandsliga zu erreichen, mit Patrick Broschke wesentlich größer als ohne Patrick Broschke. Dazu ist er der Toptorjäger der Gruppenliga. Aus diesen Komponenten ergibt sich eine Hausnummer, die ich Volker Bagus aus dem Lehnerzer Führungsteam genannt habe, aber öffentlich nicht kommentieren möchte. Noch bis heute warte ich auf eine Antwort von ihm. Wir haben Patrick gesagt, dass er gehen darf - vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen. Noch stimmen sie nicht", sagt der Sportliche Leiter Georg Storch, der über die Vorgehensweise des Hessenligisten überrascht ist.

"Das ist nicht professionell"

"Wieso wird einem Spieler mitgeteilt, welche Summe wir für ihn haben wollen? So wird doch lediglich Stimmung gegen uns gemacht. Das ist eine Sache, die zwischen Lehnerz und Thalau geklärt werden muss. So etwas habe ich noch nie erlebt in meiner Laufbahn, das ist alles andere als professionell. Zumal Lehnerz eine Summe von mir hören wollte. Als ich dann Lehnerz gefragt habe, was sie sich vorstellen, habe ich gesagt bekommen, das können sie mir nicht sagen. Da fehlt jegliche Verhandlungsbasis. Wir sind bereit, uns mit Lehnerz zu einigen und einander anzunähern, aber dafür fehlt momentan die Grundlage. Lehnerz würde einen Patrick Schaaf auch nicht in der Winterpause für ein paar Euro in die Regionalliga abgeben."

Unterschiedliche Auffassungen haben derweil beide Vereine noch in der Sache, wie es mit Broschke weitergehen könnte, wenn sich die Verantwortlichen nicht einigen. Während Lehnerz davon überzeugt ist, dass der 24-Jährige dennoch an die Richard-Müller-Straße wechselt, hat Storch mit dem Angreifer eigentlich eine andere Vereinbarung getroffen. "Seine Aussage uns gegenüber war, dass er in Thalau bleiben würde, wenn es nicht zu einer Einigung kommt. Daher verwundert mich die ganze Situation im Moment doch ein wenig. Die Tür in Thalau ist für ihn nach wie vor sperrangelweit offen", so Storch, der ausführt, "dass Lehnerz die verhandelbare Summe bezahlen soll, wenn sie ihn unbedingt haben wollen. Doch sie haben doch eigentlich gar keine Not, zumal in der Rückrunde mit Steven von der Burg, Alexander Reith und Jan-Niklas Jordan drei Offensivspieler zurückkehren werden. Wenn wir ehrlich sind, haben sie Patrick doch nur verpflichtet, damit er nicht zu Borussia Fulda wechselt. Es ist ja kein Geheimnis, dass auch Fulda seine Fühler nach ihm ausgestreckt hatte." Mit seiner Unterschrift in Lehnerz ist das aber definitiv vom Tisch. Einigen sich beide Vereine nicht, ist Broschke bis in den Mai hinein zum Zuschauen verdammt.

Autor: Max Lesser

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