14.04.2017

Das Bison jagt noch immer

Was macht eigentlich Karol Napiorkowski?

"Osthessens Flaggschiff Nummer 1" stand in großen Lettern geschrieben, als der HSV mit Karol Napiorkowski vor einigen Jahren einziger osthessischer Hessenligist war. Foto: Siggi Larbig

Die osthessische Fußballbühne hat einige Namen hervorgebracht, viele sind von ihr aber auch ganz schnell wieder verschwunden. Oft stellen sich Fußball-Nostalgiker später dann die Frage: "Was macht eigentlich...?". Dieser wollen wir auf den Grund gehen, weshalb wir in unserer neuen Serie einmal wöchentlich einen ehemaligen Spieler, Trainer oder Funktionär vorstellen. Als nächstes ist Karol Napiorkowski, Ex-Spieler von Verbandsligist Hünfelder SV, an der Reihe.

„Die Herde ist vollzählig“, sagt Karol Napiorkowski lachend und spielt dabei einerseits auf die abgeschlossene Familienplanung (Ehefrau, zwei Kinder) und anderseits auf seinen Spitznamen „Bison“ an. Bisons sind urgewaltige Wildrinder, denen man kaum in freier Wildbahn begegnen will. Und bei Napiorkowski dachten viele Gegenspieler nicht anders: 1,97 Meter und knapp 100 Kilogramm schmiss der defensive Mittelfeldspieler einst für den HSV in die Waagschale, ging auf und neben dem Platz als Anführer voran und feierte in der Haunestadt einen steilen Aufstieg, als er schon im ersten A-Jugend-Jahr (05/06) vom damaligen Trainer Martin Hohmann in das Verbandsliga-Team geworfen wurde (Napiorkowski: „Da hätten wir am letzten Spieltag noch Meister werden können, haben gegen Borussia Fulda auf der Rhönkampfbahn aber 'nur' 1:0 gewonnen. 4000 Zuschauer waren damals da, an solche Spiele erinnere ich mich immer noch gerne zurück, das war viel mehr als nur Fußball!"). Es folgte ein Hessenliga-Aufstieg (07/08) unter Oliver Bunzenthal und später, als er schon gar nicht mehr in Osthessen wohnte, die Gruppenliga-Meisterschaft mit der zweiten Mannschaft (09/10). Nach der folgenden Verbandsliga-Serie unter Sven Bednarek schloss er schweren Herzens mit dem Kapitel HSV ab, der Gang in die thüringische Landesklasse zur SG Glücksbrunn Schweina folgte.

Napiorkowski, in Schmalkalden geboren und Mackenzell aufgewachsen, verlagerte seinen Lebensmittelpunkt nach Bad Salzungen - einerseits der Liebe wegen, andererseits der Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann geschuldet. Schon in Hünfeld nicht von schweren Verletzungen verschont, musste sich der 29-Jährige auch in seiner Zeit bei Schweina zwei schweren Knieoperationen unterziehen und als die Zeit als Fußballer mit damals nur 27 Jahren endgültig vorbei zu sein schien, heuerte er bei der SG Völkershausen/Wölferbütt an - Kreisliga Thüringen. Mit zehn Toren führt er die interne Torschützenliste trotz seiner Rolle als defensivster Mittelfeldspieler an. Und hätte Völkershausen nicht sechs Punkte Abzug wegen fehlender Schiedsrichter erhalten, der Titel wäre im erst zweiten Kreisliga-Jahr greifbar.

Schalke 04 einen Korb gegeben

Auch sein Verdienst: Seit vergangenem Sommer steht er mehr und mehr in der Verantwortung und unterstützt Ronny Lückert wo er nur kann, gerade im fitnesstechnischen Bereich ist Napiorkowksi ein echter Profi, leitet hauptberuflich ein Sportgeschäft in Erfurt - sein Schwiegervater besitzt deren sechs - und darf sich durchaus als sportverrückt bezeichnen lassen. Fahrradfahren, Wandern, Pumpen - Sport ist seine DNA. Ein Fanatiker war er dahingehend schon immer. Unvergessen ist eine Anekdote aus Hünfelder Zeiten, als er mit dem Aufbau von Muskelmasse mal wieder gnadenlos übertrieben hatte und deswegen von Bunzenthal vom Training ausgesperrt wurde: „Mit über 100 Kilogramm durfte keiner mitmachen, ich habe mich dann wieder auf 97, 98 runtergekämpft“, erinnert sich der geborene Leader heute mit einem Schmunzeln zurück. Seine fußballerische Wiege war die Mackenzeller TSG, die seinerzeit teilweise sogar die Nase vor den Kreisrivalen Hünfeld und Steinbach hatte. Erst nach dem ersten Jahr B-Junioren entschloss er sich als Letzter der hochtalentierten Ägide auch Richtung Hünfeld zu verabschieden.

Eine Chance, einmal ins Profigeschäft reinschnuppern zu können, ließ Napiorkowski im A-Jugend-Alter verstreichen: Der FC Schalke 04, seinerzeit ein echtes Top-Team der Bundesliga, hatte sein Interesse bei ihm hinterlegt - Napiorkowski lehnte ab: „Das war mein Abijahr. Ich habe mich für die Zukunft entschieden, sonst hätte ich vielleicht ohne Abschluss dagestanden. Und wenn ich jetzt an meine Familie und meine beiden Kreuzbandrisse denke, dann habe ich das garantiert nicht falsch entschieden.“ Denn so musste er auch nicht seine geliebte dritte Halbzeit aufgeben, die seinerzeit einfach dazugehörte: „Vollgas im Spiel, Vollgas nach dem Spiel. Ach, was waren das für schöne Heimfahrten aus Kassel, als wir nach einem Sieg noch mal beim Edeka vorbeigeschlichen sind und den Bacardi eingekauft haben.“ Und dann verstand sich von selbst, dass Karol Napiorkowski im Bus den Vorsänger gab, auch wenn die Stimme montags nicht mehr da war.

Manuel Rommel schwärmt vom „absoluten Leader"

Singen hören hat ihn sein heutiger Mitspieler Manuel Rommel noch nicht, ansonsten ist er voll des Lobes: „Karol ist auf und neben dem Feld eine absolute Maschine. Er ist der absolute Leader, eine absolute Führungsfigur und mental überragend. Er stellt auf und neben dem Platz was da und ist nach wie vor sehr professionell, was den Fußball angeht.“ Der Völkershausener, der selbst für Borsch höherklassig gekickt hat und früher in Lengers aktiv war, schwärmt auch von Napiorkowskis Rolle als Trainer: „Die Vorbereitung hat er fast alleine gemacht, weil unser Trainer oft durch Schichtdienst verhindert ist. Dass unsere Mannschaft so fit ist, ist vor allem sein Verdienst.“

Und auch abseits des Platzes hat sich Napiorkowski nicht sonderlich verändert: „Wenn das Bison an die Tränke kommt, dann spuckt das Bison das Getränk nicht aus. Klar ist er durch Job und Familie nicht mehr ganz vorne dabei, aber wenn er Zeit hat, ist er ein lustiger Zeitgenosse, ein lustiger Typ.“ Dennoch stehe am Ende des Tages vor allem das Sportliche über allem. Und das soll auch weiterhin so sein, der Einstieg ins Trainergeschäft ist schon vollzogen und in diesem Bereich sieht Karol Napiorkowski auch seine Zukunft - vielleicht sogar noch mal in Osthessen. Ausschließen will er das nicht.

Autor: Johannes Götze

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