20.07.2016

Das Tor-Versprechen

Younes Bahssou im Porträt

Younes Bahssou (rechts, hier noch im Trikot des SV Wiesbaden) dürfte es auch am Samstag mit Alexander Scholz vom TSV Lehnerz zu tun bekommen. Foto: Charlie Rolff,

Seine Torquote klingt nach einem Versprechen, seine Gelassenheit sorgt dafür, dass es kein leeres ist. Neuzugang Younes Bahssou (SV Wiesbaden) soll dafür sorgen, dass der SC Borussia Fulda in der Hessenliga an alte Glanzzeiten anknüpfen und an das Tor zur Regionalliga anklopfen kann.

90 Scorerpunkte (70 Tore, 20 Vorlagen) in 105 Hessenliga-Begegnungen sprechen eine deutliche Sprache und machen schnell klar, warum Borussen-Coach Thomas Brendel den 26-jährigen Angreifer unbedingt verpflichten wollte. Dabei war sein Start im Seniorenbereich nicht leicht. Nach einem Jahr in der Verbandsliga bei Rot-Weiß Darmstadt wechselte der damals 20-Jährige in die U23 von 1899 Hoffenheim.

Doch unter Coach Markus Gisdol ("Ein super Trainer, der alles sehr professionell aufgezogen hat"), der einige Jahre später die Profis zum Klassenerhalt in der Bundesliga führen sollte, verpasste es der Angreifer, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. "Verletzungen haben mich immer wieder zurückgeworfen und aus dem Tritt gebracht. Das hat die Situation sehr schwierig gemacht", erinnert sich Bahssou, der die Jugendabteilungen von Darmstadt 98 und Kickers Offenbach durchlief. Besonders zu schaffen machte dem Marokkaner eine Rückenverletzung, die er erst in seiner ersten Saison (2013/2014) beim SV Wiesbaden so richtig in den Griff bekam, sowie Probleme mit dem Sprunggelenk.

Nach eineinhalb Jahren beendete Bahssou dann das Kapitel Hoffenheim und wechselte zu dem Verein zurück, bei dem er seine ersten Gehversuche im Seniorenfußball machte: Rot-Weiß Darmstadt. In Südhessen fand er zurück zu seiner alten Stärke, erzielte in der Rückrunde in 13 Hessenliga-Spielen sieben Treffer und bereitete vier weitere Tore vor. Schnell wurden höherklassige Vereine auf den Angreifer aufmerksam, das Rennen machte letztlich Wormatia Worms. Doch auch dort wurde Bahssou vom Verletzungspech eingeholt. Wieder schmerzte der Rücken, wieder blieb ihm oft nur die Zuschauerrolle. "Immer, wenn ich nah am Team dran war, wurde ich zurückgeworfen", erklärt Bahssou, der so auf nur 22 Regionalliga-Begegnungen (ein Tor, zwei Vorlagen) in zwei Jahren kommen sollte. Hängengeblieben ist bei ihm aber vor allem ein Spiel: Als Worms im August 2012 in der ersten Runde des DFB-Pokals Hertha BSC mit 2:1 aus dem Pokal kegelte und Bahssou in der Startelf stand. Doch es passte zu seiner Zeit in Rheinland-Pfalz, dass er bereits zur Halbzeit verletzt vom Feld musste.

In Darmstadt entdeckt Bahssou seinen Torriecher wieder

So folgte im Sommer 2013 der Schritt zum ambitionierten Hessenliga-Aufsteiger SV Wiesbaden, der keinen Hehl daraus machte, mittelfristig in der Regionalliga spielen zu wollen. Doch der Start verlief für die Landeshauptstädter alles andere als verheißungsvoll, zur Winterpause der Saison 2013/2014 stand der SVW plötzlich auf einem Abstiegsplatz. Trainer Sascha Amstätter musste gehen, der bisherige Sportliche Leiter Djuradj Vasic übernahm und führte das Team letztlich souverän zum Klassenerhalt. Immerhin für Bahssou lief es in dieser Spielzeit rund. Denn der 1,84 Meter große Mittelstürmer bekam nicht nur seine Rückenprobleme in den Griff, die Konstanz in den Spielzeiten verhalf ihm, seinen Torriecher wiederzuentdecken. 18 Treffer standen in 30 Spielen auf der Habenseite.

In der neuen Spielzeit sollte in Wiesbaden dann alles besser werden. Doch der mit jeder Menge ehemaligen Regionalligaspielern bestückte Kader kam nie so richtig in Fahrt und wurde letztlich Fünfter. Da halfen auch die 24 Tore nicht, die Bahssou in 31 Begegnungen erzielte. "Wir hätten den Aufstieg auf jeden Fall schaffen können, das nötige Potenzial war vorhanden", erklärt Bahssou, der die Unruhe im und um den Verein als Hauptgrund für den verpassten Aufstieg nennt. Mal wurde spekuliert, dass sich Hauptsponsor Kartina TV zurückzieht, mal stand im Raum, dass der Traditionsverein mit dem Lokalrivalen und Drittligisten SV Wehen Wiesbaden fusioniert. "Es war keine leichte Zeit, weil du als Spieler nie wusstest, wie es weitergeht."

Ein Jahr später gingen dann endgültig die Lichter aus. Hauptsponsor Kartina TV ließ im Februar 2016 verkünden, dass der zum Sommer auslaufende Sponsorenvertrag nicht verlängert wird. Damit war klar, dass der SV Wiesbaden den Etat für die neue Hessenliga-Spielzeit nicht decken kann. Zur dieser Saison tritt der Verein aus der Landeshauptstadt nun in der Gruppenliga an, während die Spieler in Scharen den Club verließen. Marko Kopilas zog es beispielsweise zu Rot-Weiss Frankfurt, Toni Reljic zu Hessen Dreieich - oder eben Bahssou zu Borussia Fulda.

"Fahren nicht nach Lehnerz, um mit leeren Händen nach Hause zu gehen"

Und in der Barockstadt soll Bahssou der Sprung in die Regionalliga endlich gelingen. "Ich will um den Aufstieg mitspielen", ließ der 26-Jährige bei seiner Vorstellung bereits selbstbewusst verkünden. Die ersten Wochen verliefen jedenfalls durchweg positiv. "Die Mannschaft hat mich sehr gut aufgenommen, das Umfeld passt und unser Trainer macht sehr gute Arbeit. Ich bin guter Dinge", sagt Bahssou, der in seinen neuen Mannschaftskollegen das Potenzial sieht, um dauerhaft oben mitzuspielen. Denn neben Rot-Weiss Frankfurt und dem TSV Lehnerz zählt Bahssou den SC Borussia Fulda zum Favoritenkreis der Hessenliga. "Mein Ziel ist ein Platz unter den ersten drei. Wenn wir als Mannschaft zusammenstehen und einen Lauf bekommen, dann ist vieles möglich. Das hast du in der vergangenen Spielzeit auch bei den Aufsteigern Watzenborn-Steinberg und Rot-Weiss Frankfurt gesehen, die mit Teamspirit die kleineren Defizite sehr gut vertuschen konnten und die Meisterschaft letztlich unter sich ausgemacht haben."

Vom großen Wurf will Bahssou zu Beginn der Saison aber noch nicht sprechen, auch weil mit dem Gastspiel beim TSV Lehnerz am Samstag (17.30 Uhr) gleich ein echter Knaller zum Saisonstart wartet. Verstecken will sich die Borussia zum Auftakt aber keineswegs. "Wir fahren nicht nach Lehnerz, um mit leeren Händen nach Hause zu gehen". Wir wollen mit einem Dreier starten. Das wäre wichtig für den Verein, das Umfeld, aber auch die Mannschaft", verdeutlicht Bahssou, der im derzeit von Brendel bevorzugten 3-5-2-System in vorderster Front agieren soll.

Verzichten muss Bahssou in Lehnerz jedoch auf seinen Sturmpartner Dominik Rummel, der ebenfalls im Sommer in die Johannisau wechselte und vom Stadtrivalen Lehnerz kam. Der 22-Jährige laboriert an einem Muskelfaserriss. "Dominik und ich kennen uns schon ein bisschen länger, hatten bis zum Wechsel aber nur sporadisch Kontakt. Er war mir schon immer sehr sympathisch und ich hoffe, dass wir uns auf dem Platz genauso gut verstehen wie daneben", sagt Bahssou, der als spielstarker Angreifer bekannt ist, der den Ball gerne in den Fuß gespielt bekommt. Rummel hingegen arbeitet viel für die Mannschaft und sucht immer wieder die Räume im Rücken der Abwehr. Es könnte also ein Sturmduo werden, das passt. Eines, welches der Elf von Thomas Brendel in der vergangenen Spielzeit gefehlt hat. Eines, welches für Tore steht. Eines, welches den Traditionsverein vielleicht eines Tages in die Regionalliga schießt.

In eigener Sache: Torgranate-Magazin wird beim Derby verteilt

Wenn am Samstag mit dem Hessenliga-Auftakt der Startschuss für die Fußballsaison 2016/2017 erfolgt, erscheint pünktlich auch die neue Ausgabe des Torgranate-Magazins powered by Krah+Enders. Wie schon im vergangenen Jahr dient das Derby zwischen dem TSV Lehnerz und dem SC Borussia Fulda dabei als perfekte Veranstaltung für die erste große Verteilaktion. Denn im Rahmen des Prestigeduells wird ein Sonderkontingent an Magazinen, das von den Top-Ausbildungsbetrieben Rindt Druck sowie Parzeller Print & Media gesponsert wird, nach dem Spiel im Bereich der Kassen kostenlos an die Zuschauer verteilt. Gleiches gilt für das erste Hessenliga-Spiel des SV Steinbach gegen Hadamar (Samstag, 16.30 Uhr). Inhaltlich wird das Torgranate-Magazin auch in diesem Sommer für ordentlich Gesprächsstoff sorgen – mit Blick auf das Derby rücken dabei insbesondere die Interviews mit Borussia Fuldas Beiratsvorsitzendem Markus Röhner sowie Neuzugang Dominik Rummel in den Fokus. Näheres zu den Inhalten wird in den kommenden Tagen auf unserem Portal veröffentlicht.

Autor: Max Lesser

Kommentieren

Vermarktung:

Mehr zum Thema