Serie: Spieler im Blickpunkt

Abwehrchef sucht den Trainer selbst aus

20. November 2020, 08:52 Uhr

Christopher Dvorak (links) ist nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben quasi immer für den FSV Pfordt anzutreffen. Foto: Kevin Kremer

Oft werden die Leistungsträger einer Mannschaft auf die Topscorer im Team beschränkt. Was aber ist mit den Spielern, die keinen auffälligen Spielstil haben, einen hohen Stellenwert besitzen oder in der Kabine immens wichtig sind? Wir schauen auf die oft vergessenen Helden in der Mannschaft. Heute im Fokus: Christopher Dvorak von A-Ligist FSV Pfordt.

Als Tausendsassa wird Dvorak gut und gerne im Sportverein des Schlitzer Stadtteils bezeichnet. Wieso? "Weil er viele wichtige Rollen beim FSV einnimmt und mehr am Sportgelände als Zuhause anzutreffen ist", sagt Trainer Joshua Garden. Abstreiten tut der 31-jährige Dvorak diese Aussage keinesfalls. Egal ob als Innenverteidiger beim A-Ligisten, als Abteilungsleiter Fußball im Vorstand, als Teammanager oder als Mann für die Arbeiten rund um den Sportplatz – der gelernte Maschinenbauer ist sich für nichts zu schade. "Es soll ja auch etwas im Verein passieren. Dann macht man es eben", gibt er sich eher kleinlaut.

Als Typ Mensch, der nicht "Nein" sagen kann beschreibt sich Dvorak selbst. Vielleicht liegt es auch daran, dass er immer erreichbar ist, falls jemand ein Anliegen hat. Angefangen hat alles vor ein paar Jahren mit dem Abteilungsleiter, ehe nach und nach immer mehr Verantwortung in seine Hände gelegt wurde. Stetige Verbesserung erwartet er von sich und dem Verein selbst, auch, "weil die Leute sehen sollen, dass Fortschritt bei uns herrscht."

Ist dies zumindest außerhalb der Fall, trifft dies auf das sportliche Abschneiden in Pfordt nicht ganz zu. Als Urgestein der A-Liga lässt sich der FSV bezeichnen, seit 2006 spielt der Club nun ununterbrochen in jener Klasse. Die Rolle scheint dabei immer die gleiche zu sein, denn stets findet sich die Mannschaft am Saisonende im soliden Mittelfeld mit leichtem Blick nach oben wieder. Dvorak, der seit 2009 in Pfordt kickt, kennt die Gründe: "Wir setzen viel auf die eigenen Leute. Anhand dieser Saison lässt es sich ganz gut darstellen, denn der Trainer und meine Person sind die alten Hasen im Team. So mussten wir ab und an Lehrgeld zahlen, zudem fehlt teilweise die nötige Einstellung."

Als Innenverteidiger ist Dvorak dabei der Fels in der Brandung – und laut Coach Garden ein Abwehrmann der alten Schule. "Da muss ich ihm zustimmen. Das kommt noch von meiner Zeit unter Adam Veapi. Er war sieben Jahre mein Trainer, ich habe die ganze Zeit als Manndecker fungiert. Mittlerweile ist die Viererkette bei uns eingekehrt, ich allerdings mache nach wie vor viel zu mannorientiert meinen Job. Gut, dass für die Spieleröffnung noch Tom Schmidt neben mir agiert", berichtet der 31-Jährige, der nach Knieproblemen in der Jugend mit dem Fußball augehört hatte und erst im Seniorenbereich wieder einstieg. Wie lange er noch kicken möchte, vermag er nicht zu sagen. "So lange es geht", erwidert er. Mit 30 wollte er ursprünglich aufhören. Doch davon ist Dvorak mittlerweile wet weg. Selbst ein Kreuzbandriss im Jahr 2013 steckte er problemlos weg. "Training macht halt Spaß", weiß "Joschi".

Als Außenstehender könnte man vermuten, dass das daran liegt, weil Dvorak sich seinen Trainer selbst aussuchen kann. Denn jene Aufgabe zählt zu seinen Vorstandstätigkeiten. Und er gibt zu, dass das auch in der Mannschaft immer wieder ein Thema sei. "Im Training fällt immer mal ein Spruch, dass wir doch mal wieder einen neuen Trainer brauchen. Aber das ist natürlich alles lustig gemeint." Und dass Garden zwangsweise ein gutes Verhältnis zu Dvorak pflegen muss, verneint er. Im Gegenteil: "Läuft es mal nicht, bekomme ich eher noch ein paar härtere Sprüche vom Coach ab."

Steckbrief

Name: Christopher Dvorak.
Spitzname im Verein: Joschi. "Warum kann ich nicht erklären. Den habe ich mal in der Kindheit geerbt."
Geburtsdatum: 13.04.1989.
Vereinsmitglied seit: Juli 2009
Position: Innenverteidiger
Rückennummer: 13. ("Beim einzigen Spiel mit einer anderen Nummer habe ich mir das Kreuzband gerissen.")

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