21.09.2017

"Der Amateurfußball kickt mich mehr"

11-Freunde-Redaktuer Andreas Bock im Interview

Keine drei Wochen mehr bis zum Tag der Amateure. Wir haben im Vorlauf mit Andreas Bock gesprochen, was die Intention der 11 Freunde ist, dieses tolle Thema voranzubringen. Bock ist 40 Jahre jung, schreibt seit 10 Jahren für die 11 Freunde, wohnt dementsprechend auch in Berlin, ist aber eigentlich Hamburger, weswegen er einst das Herz an den HSV verloren hat, es aber nach und nach zurückgewinnt.

Gehst du lieber ins Volksparkstadion oder zu einem Amateurspiel?

Jetzt habe ich tatsächlich mal wieder Tickets geholt, wir wollen mit der Familie zu fünft zum Spiel gegen Werder und zahlen insgesamt fast 300 Euro für die Karten. Getränke und Wurst dazu und du denkst dir, du könntest dir einen gebrauchten Kleinwagen dafür kaufen. Am Ende fragst du dich, was ist eigentlich kaputt gegangen?
Aber nicht nur deswegen kickt mich der Amateurfußball mehr. In den Bundesligaarenen ist alles sehr steril geworden, alles wirkt komplett durchchoreografiert. Selbst der Torjubel wird im Keim erstickt, weil von der Musik alles niedergewalzt wird. Wenn ich zu Spielen in der Berlinliga gehe, ist das ganz anders, alles ist viel familiärer, auch haben Stadien wie Lichtenbergs Hans-Zoschke-Stadion oder Tasmanias Werner-Seelenbinder-Sportpark unheimlichen Charme.

Was glaubst du, warum es wichtig ist, den Amateurfußball zu pushen?

Ich find es total grausam, und bin sicherlich nicht allein, wie der Bundesliga-Spieltag mittlerweile aufgesplittert ist. Früher fand die Bundesliga am Samstag um 15.30 Uhr statt, der Sonntag war für die Amateure da. Aufstehen, frühstücken und dann mit Vaddern zu Altona 93 oder Victoria Hamburg. Mittlerweile hast du sonntags drei Anstoßzeiten in der Bundesliga, die ganzen Spiele aus dem Ausland, den totalen Overkill. Der Tag, der den Amateuren ein wenig vorbehalten war, verschwindet hingegen.

Und deswegen ist 11 Freunde gerne bereit, den Tag der Amateure zu stemmen?

11-Freunde-Redakteur Andreas Bock. Foto: privat

Ja. Letztendlich geht es wirklich darum, den Amateuren mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Vor fünf, sechs, sieben Jahren hat es mit Internetportalen oder Facebook-Seiten angefangen, die sich wieder mehr dem Amateurfußball zuwenden. Da wird eine tolle Arbeit geleistet. Ich habe allerdings das Gefühl, dass viele User nur vor dem Rechner konsumieren, aber nicht auf den Platz gehen, weil sie doch wieder beim Profifußball hängenbleiben. Das ist schade.

Du selbst warst beim Non-League-Day, dem englischen Vorbild, dabei. Was hast du für Erfahrungen mitgebracht?

Dass das mittlerweile ein Selbstläufer ist. In der Woche vor dem Non League Day berichten zahlreiche Medien über den Tag, auch große Fernsehsender wie die BBC oder Sky. Die Vereine lassen sich ganz tolle Ideen einfallen, und mittlerweile macht sich der Tag bei vielen Vereinen bezahlt. So kamen früher beispielsweise zu den Spielen des Siebtligisten Dulwich Hamlet 60 Fans, mittlerweile sind es manchmal 3000. Wer Old-School-Fußball in London sehen will, muss dahin. Die Fans dürfen in diesen kleinen englischen Amateurstadien all das, was in den Premier-League-Tempeln schon lange verboten ist: Rauchen, trinken, pöbeln – und in Deutschland sind die Tendenzen ja ganz ähnlich.

Und warum sollte ein Verein unbedingt am Tag der Amateure teilnehmen?

Wenn man kreativ ist und gute Ideen hat, kann man Leute an den Platz locken, die vielleicht gar nicht mehr wissen, dass es den Verein noch gibt und die dann feststellen können, wie familiär und angenehm so ein Spiel im Vergleich zum kalten Arenabesuch sein kann. Wir haben die tolle Initiative von Lokalrunde gerne fortgeführt und wollen, dass am 8. Oktober viele Leute zum den Amateurfußballplätzen kommt. Wir werden an dem Tag in ganz Deutschland verstreut unsere Reporter einsetzen, haben Liveticker und Kamerateams vor Ort. Es wäre doch toll, wenn auch dein Verein dabei ist.

HIER GIBT'S WAS ZU GEWINNEN!

Autor: Johannes Götze

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