Serie Hünfelder SV

Der einzige osthessische Hessenpokal-Sieger

12. Dezember 2020, 09:35 Uhr

Norbert Fladung (links) wurde zum Top-Torjäger des HSV. Fotos: Verein

Als 1959 der Bundesgrenzschutz (BGS) seinen Standort in Hünfeld eröffnete, profitierte auch der Hünfelder SV davon. Denn nun fanden etliche gute Fußballer hier ihre neue Heimat.

Spieler wie Horst „Bumm“ Nickel, Herbert Baugut, Karl-Heinz Kaus, Kowalewski, Dieter Hennigfeld und Edmund „Teddy“ Jochum kamen so nach Hünfeld und beflügelten den Aufschwung beim HSV.

Dazu war 1960 ein einschneidendes Jahr. Einerseits, weil die Stadt ihr 650-jähriges Jubiläum feierte. Doch für den Verein war der 26. Juni wichtig, denn an jenem Datum wurde die neue Rhönkampfbahn feierlich an den HSV übergeben. Endlich hatte der Verein ein Zuhause gefunden. Weil ein Rasenplatz aber nicht mehr rechtzeitig fertig geworden wäre, wurde ein Ascheplatz hergerichtet, welchen die Kickers Offenbach und der Wiener SC (2:4) eröffneten.

Insgesamt 14 Jahre, von 1948 bis 1962, spielten die Haunestädter auf dem Niveau der Gruppenliga. Die Staffeln hießen damals erst Bezirksklasse, ehe ab 1952 die II. Amateurliga stand. Nach vielen Jahren, in denen sich das Team mehr oder weniger selbst trainierte, übernahm 1961 schließlich wieder mit Walter Bubeck ein richtiger Trainer. Und diese Maßnahme sollte fruchten, denn schon im ersten Jahr machte der HSV im Pokal auf sich aufmerksam. Am 24. Oktober 1960 wurde der haushohe Favorit Borussia Fulda mit 5:2 im Bezirkspokal geschlagen und sich dadurch für den Süddeutschen Pokal qualifiziert. Gegner dort war Eintracht Frankfurt. Die SGE stand gerade erst im Finale des Europapokals der Landesmeister, weshalb das 0:6 für den HSV mehr als achtbar daherkam.

Eine kuriose Aufstiegsrunde

Karl-Heinz Kircher (von links), Gerd Siemerling, Albert Kruse, Wolfgang Burkhardt, Edmund Jochum, Theo Flügel, Peter Nawrath, Othmar Schwalbach, Bernd Ebert, Roland Walter und Norbert Fladung.

Ein Jahr später schaffte Hünfeld den großen Sprung. In der Saison 1961/1962 wurde der HSV Meister der II. Amateurliga und stieg erstmals in seiner Geschichte in die Hessenliga (damalige I. Amateurliga) auf. Entscheidend war der 2:1-Erfolg in Großenlüder. Mit vier Punkten Vorsprung landete Hünfeld vor dem SV Neuhof, ehe die damals noch üblichen Aufstiegsspiele einen irren Verlauf nahmen.

Eigentlich war Hünfeld schon ziemlich schnell so gut wie raus aus dem Aufstiegsrennen. Dem höchst schmeichelhaften 1:1 gegen Großen-Buseck folgte eine 0:6-Klatsche beim BC Sport Kassel. Danach sollen Hünfelder Bürger mangels Erfolgsaussichten gefordert haben, die Mannschaft aus der Runde zurückzuziehen, um eine größere Schmach abzuwenden. Nach einem achtbaren 3:3 bei Hessen Kassels Amateuren hatte der HSV nach der Hälfte der Spiele 2:4-Punkte. Doch Hünfeld agierte in der Rückrunde der Aufstiegsrunde toll und so kam es zum entscheidenden Rückspiel gegen den BC Sport Kassel. 2500 Zuschauer sahen nach einem Doppelpack von Karl-Heinz Kircher sowie dem Treffer von Edmund Jochum einen 3:2-Sieg und den Aufstieg in die Hessenliga. Kircher war mit 28 Treffern der herausragende Torschütze dieser Saison. Kapitän war Bernie Jansen, die Spieler hießen unter anderem Albert Kruse, Othmar Schwalbach, Oswald Baumgart, Dieter Hennigfeld, Jürgen Wittrowski oder Joachim Hohle.

Fünf Jahre – bis 1967 – sollte nun auf der Rhönkampfbahn Hessenligafußball geboten werden. Unvergessen bleibt der erste Sieg auf diesem Niveau, als 2000 Zuschauer nach Treffern von Hack, Wagner und Kircher das 3:1 gegen den CSC 03 Kassel feierten. Es war die Hoch-Zeit des HSV, die gekrönt wurde vom Hessenpokalsieg 1963 gegen Eintracht Stadtallendorf. Es ist bis heute das einzige Mal gewesen, dass eine osthessische Mannschaft im Hessenpokal triumphierte. Nachdem sich die Haunestädter im Halbfinale beim heutigen Hessenligisten TuS Dietkirchen durchgesetzt hatten, folgte in Lauterbach ein 2:1-Sieg gegen Stadtallendorf.

In der Rhönkampfbahn eine Macht

Eine Szene aus dem Jahr 1967 zeigt, wie voll die Tribünen zu dieser Zeit besetzt waren.

Anschließend schloss sich Norbert Fladung Hünfeld an. Er kam mit der Empfehlung von 52 Saisontoren vom Rasdorfer SC und spielte fortan 17 Jahre am Stück für den HSV. Fladung sollte die Torjäger-Legende schlechthin werden. Gleich in Jahr eins schoss er 33 Buden. Vom Gruppenligisten Grün-Weiß Fulda kamen zudem Spieler wie Torwart Gerd Siemerling, Ralf Drübbisch und Siggi Wagner. 1965 strukturierte der Verband die Ligen neu. Der HSV war erneut top drauf und schaffte die Qualifikation für die Hessenliga, die nun wirklich so hieß. Ein Vereinsrekord wurde aufgestellt, denn Hünfeld gewann alle acht Heimspiele der Hinrunde bei 16:0-Punkten.

Eigentlich wäre zu dieser Zeit alles perfekt gewesen, wäre es nicht zum tragischen Unfall von Jürgen Wittrowski gekommen. Der damals 23-Jährige verunglückte am 28. März 1964 auf der Fahrt in die Kaserne in Westfalen mit dem Auto tödlich. Mittags hatte Wittrowski noch beim 1:0 der Hünfelder gegen Hermania Kassel auf dem Feld gestanden, am Abend war in Hünfeld fortan nichts mehr so, wie es vorher war. Ihn ehrt der Club bis heute, indem an verdiente Mitglieder jährlich der Jürgen-Wittrowski-Pokal verliehen wird.

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