Di Maria und Weiss machen Eintracht-Blamage perfekt

Testspiel: Hessen Dreieich besiegt Bundesligisten

07. März 2017, 22:24 Uhr

Loris Weiss (links) markierte das 2:0 für Hessen Dreieich gegen die Frankfurter Eintracht. Foto: Patrick Scheiber.

Das hätte wohl kaum einer für möglich gehalten! Hessenliga-Spitzenreiter SC Hessen Dreieich hat am Dienstagabend keinen geringeren als Bundesligist Eintracht Frankfurt in einem Freundschaftsspiel mit 2:1 (1:0) besiegt. Ein Klassenunterschied war in dieser Begegnung vor 2000 Zuschauern im Sportpark Dreieich nicht zu sehen.

SC Hessen Dreieich - Eintracht Frankfurt 2:1 (1:0)

Nein, es waren nicht irgendwelche Kicker, die von der "Eintracht Frankfurt Fußball AG" - so die Bezeichnung der Gäste auf dem offiziellen Spielberichtsbogen - in den Sportpark Dreieich entsandt worden waren. 13 der 19 von Trainer Niko Kovac nominierten Akteure gehörten zwei Tage vorher zum Bundesliga-Aufgebot gegen den SC Freiburg (1:2), acht dieser Profis standen gegen die Südbadener in der Anfangsformation. Der Termin dieses eingeschobenen Testspiels dürfte den meisten der Frankfurter Spieler, die diesen Sport beruflich ausüben dürfen, wohl reichlich ungelegen gekommen sein. Denn anders ist die schwache Vorstellung der Eintracht nicht zu erklären, die sich spielerisch keinen Deut von den vier Klassen tiefer angesiedelten Hausherren unterschied. Natürlich gab Kovac auch dem einen oder anderen Reservisten Spielpraxis oder brachte den lange verletzten Marc Stendera, aber insgesamt war das ziemlich dünn, was die Adlerträger dem Publikum boten und deswegen war die blamable Niederlage am Ende auch mehr als verdient.

Es dauerte 18 Minuten, bis der Bundesligist überhaupt das erste Mal gefährlich vor dem Tor von Dreieichs Torhüter Paul Jivan auftauchte. Branimir Hrgotas Schuss konnte der Keeper zur Ecke abwehren. 20 Minuten später klärte Jivan auch den Abschluss von Aymane Barkok. Ansonsten gab es viel Leerlauf. Anders als in der Hessenliga zog sich das Team von Trainer Rudi Bommer zurück und lauerte auf Konter. Einen kapitalen Abwehrfehler der Eintracht von Marius Wolf nutzten die "Hessen" dann zum überraschenden Führungstreffer. Ex-Profi Youssef Mokhtari legte quer zu Marco Di Maria, der den österreichischen Nationaltorwart Heinz Lindner zum 1:0 überwand (39.). Stendera verpasste kurz vor der Halbzeit den Ausgleich für den Profiklub.

Gacinovic kann nur noch verkürzen

Auch nach der Pause rieben sich die Zuschauer im ausverkauften Sportpark verwundert die Augen. Obwohl Rudi Bommer im Hinblick auf das Heimspiel am Samstag in der Hessenliga gegen den SV Steinbach sechs Stammkräfte herausnahm und die Eintracht mit Gacinovic, Hector und Mascarell drei Stammkräfte brachte, bauten die Platzherren nicht ab. Im Gegenteil: Loris Weiss erhöhte nach einem Steilpass auf 2:0 für Dreieich, in dem er Torhüter Lindner frech überlupfte (60.). Die Profis schienen vom spielerischen Niveau der Hessenliga-Truppe überrascht zu sein, aber angesichts der Tatsache, dass die Dreieicher Fußballer ihre Ausbildung überwiegend auch in Nachwuchsleistungszentren verbrachten, waren die Unterschiede auf dem Platz nicht so hoch, wie es vier Ligen Differenz erahnen ließen.

Dazu kam die volle Motivation der SCHD-Spieler gegen die gähnende Lustlosigkeit zahlreicher SGE-Spieler. Nach dem 2:1 durch Mijat Gacinovic blies die Eintracht zur Schlussoffensive. Doch obwohl die Kräfte beim Hessenligisten zunehmend schwanden, blieb die Eintracht trotz drückender Überlegenheit harmlos. Weiss hätte mit einem Konter sogar noch das dritte Tor machen müssen. So hätten Teile des Eventpublikums, die nach der Partie noch Selfies und Autogramme von den Profis erhaschen wollten, diese eigentlich von den Dreieich-Spielern verlangen müssen, denn die hatten im Gegensatz zu den Frankfurtern eine richtig engagierte Leistung an den Tag gelegt.

Bommer: "Wollen den Sieg nicht überbewerten"

So trat Dreieichs Trainer Rudi Bommer, selbst ein Mann mit Eintracht-Vergangenheit, recht gelassen an das Stadionmikrofon: "Vor dem Spiel hatte ich noch einen Hals wegen der Niederlage beim FC Ederbergland in der Meisterschaft. Die Jungs haben das heute gut umgesetzt. Aber man sollte den Sieg heute nicht überbewerten, weil am Samstag der SV Steinbach kommt. Für beide Seiten war das Spiel gut. Wir haben in der zweiten Hälfte Spieler gebracht, die nicht so oft gespielt haben. Bei Eintracht Frankfurt waren Spieler dabei, die länger verletzt waren oder länger nicht gespielt haben. Insgesamt war es ein gutes Spiel für die Zuschauer, für die es ein Highlight war. Das war für uns toll, weil zum ersten Mal hier 2000 Zuschauer waren. Von daher war es eine schöne Sache".

Stenogramm:

SC Hessen Dreieich: Jivan (46.Loch) - Opper, Dudda, Gavric, Lekaj (46.Kohl) - Alikhil (46. Damm), Mokhtari (46. Schneider), Henrich (46. Taljan) - Amiri (46. Muca), Di Maria, Weiss - Trainer: Rudi Bommer.

Eintracht Frankfurt: Lindner - Wolf (64.Cvijetkovic), Russ, Abraham (46. Hector), Zorba - Barkok (61. Blanco Lopez), Stendera (61. Rebic), Hasebe (46. Mascarell), Besuschkow (61. Oczipka) - Hrgota (46. Gacinovic), Seferovic - Trainer: Niko Kovac.

Schiedsrichter: Andre Klein (Offenbach). Zuschauer: 2000 (ausverkauft).

Tore: 1:0 Marco Di Maria (39.), 2:0 Loris Weiss (60.), 2:1 Mijat Gacinovic (69.).

Autor: Pedro Acebes

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