Spieler im Blickpunkt

Die Abstinenz hat nicht geschadet

06. Januar 2021, 09:39 Uhr

Für Raphael Seifert (links) steht längst wieder der Fußball im Fokus. Foto: Charlie Rolff

In der Jugend hatte Raphael Seifert den Fußball bereits hinter sich gelassen, spielte stattdessen Tischtennis. Plötzlich folgte die Rückkehr. Erst einmal nur sporadisch. Dennoch durfte er sich aufgrund großer Personalnot schnell Gruppenliga-Spieler nennen. Stand gar mal 90 Minuten auf dem Platz – beim 0:6 gegen Thalau. Nun, wenige Jahre später, ist der 26-Jährige aus dem Team des A-Ligisten Rot-Weiss Burghaun nicht mehr wegzudenken.

Den Stellenwert von „Ralph“ – so nennt ihn seit einer Verwechslung in einer Hünfelder Kneipe jeder – im Burghauner Team zu bemessen, wurde ausgerechnet bei einem Testspiel im vergangenen Sommer deutlich: Gegen Mitte-Kreisoberligist Bachrain erzielte Seifert das 5:1. Waren die klassenhöheren Bachrainer nicht aufgrund der deftigen Klatsche schon genug gestraft, stürmte nach jenem Tor die halbe Burghauner Mannschaft auf Seifert zu, begrub ihn unter sich und feierte ihn, als ob er gerade das entscheidende Tor zur Meisterschaft erzielt hätte. Mindestens. Doch das war es nicht. Es war sein erster Treffer im Seniorenbereich. 25 Jahre war er da schon alt. Ein paar Minuten später traf er gleich noch mal. Der Jubel fiel verhalten, einem Testspiel angemessen, aus. Und als im Herbst das erste Pflichtspieltor gegen Kirchhasel folgte? Da war alles business as usual.

Genau wie Fußball für Seifert längst wieder zur Norm geworden ist. Bei den Rot-Weissen fing er einst mit dem Kicken an. Mit den Bambini gewann er sogleich die Kreismeisterschaft. Doch später reizte ihn Tischtennis mehr. Für Arzell spielte er, später für den Hünfelder SV in der Bezirksliga im ersten Paarkreuz – und ließ den Fußball hinter sich. Fünf Jahre lebte er abstinent, kickte höchstens mal beim jährlichen Soccer-Tennis. Doch Kumpel Janis Gavos, mittlerweile Kapitän des RWB, ließ nicht locker, überredete Seifert wieder mit dem Fußball zu beginnen.

Seifert roch Lunte, gilt seither als trainingseifrig, besticht mit Zweikampfhärte, Robustheit und Schnelligkeit, offenbart allerdings Schwächen bei Flanken und manchmal fehlender Ruhe am Ball. Als Rechtsverteidiger spielt er Stamm. Dafür litt das andere Hobby. „Nur“ noch Tischtennis-Kreisliga spielt er mit dem HSV. „Aber die Tendenz geht klar Richtung Aufstieg“, sagt Seifert und geht davon aus, dass dieser in Kürze folgt.

"Mehrere Elfmeter in einem Spiel"

Gleiches will er mit den Rot-Weissen erleben. „Als ich nach fünf Jahren Pause auf den Fußballplatz zurückgekehrt bin, habe ich mit Burghaun nur Abstiege erlebt. Es ging von der Gruppenliga runter bis in die A-Liga. Bislang konnte ich einen richtigen Erfolg mit der Mannschaft leider noch gar nicht genießen.“

Das könnte sich alsbald ändern. Dank guter Jugendarbeit und eingespieltem Team, befindet sich Burghaun auf dem aufsteigenden Ast. In der A-Liga Hünfeld/Hersfeld zählt der RWB zum engeren Favoritenkreis, liegt fünf Zähler hinter dem verlustpunktfreien Primus Unterhaun. „Fußballerisch sind wir garantiert eine der besten Mannschaften. Wenn wir unsere PS auf die Straße bekommen, sind wir schwer zu schlagen und haben mit unserer jungen, ambitionierten Mannschaft das Zeug, in absehbarer Zeit wieder aufzusteigen“, formuliert Raphael Seifert die Ziele forsch.

Auf ihn sollte gerade in engen Partien Verlass sein, zumindest wenn man ihm glaubt, was er vom Tischtennis mit zum Fußball genommen hat. Die Nervenstärke. „Bei einem Tischtennisspiel schießt du pro Spiel im übertragenen Sinn mehrere Elfmeter. Es ist unfassbar wichtig, Negativerlebnisse ganz schnell abzuhaken.“

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